Großer Staatspreis für Renate Bertlmann

Als „eine der feministischen Pionierinnen, deren Werk weit über Österreich hinaus wirkt“, hat Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) die Wiener Künstlerin Renate Bertlmann bezeichnet. Sie erhält den Großen Österreichischen Staatspreis 2017.

Bertlmann habe „in ihrer rund 50-jährigen Schaffenszeit als Künstlerin in außerordentlich eindrucksvoller Weise Themen bearbeitet, die zum Widerspruch herausfordern“, unterstrich Drozda. In der Begründung für die Auszeichnung hieß es, Bertlmanns Arbeiten „haben im Kontext der feministischen Kunst eine ikonische Wirkung entfaltet. Durch ihre Kunst hat sie den Spielraum weiblicher Selbstbestimmung entschieden erweitert.“ Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert.

Der Große Österreichische Staatspreis ist die höchste Auszeichnung, die die Republik Österreich für besonders hervorragende Leistungen verleiht. Der aus 21 Mitgliedern bestehende Österreichische Kunstsenat nominiert dafür jährlich eine Persönlichkeit ohne festgelegtes Rotationsprinzip aus den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Literatur oder Musik für den Staatspreis.

Renate Bertlmann und Thomas Drozda
APA/BKA/ANDY WENZEL
Renate Bertlmann und Thomas Drozda (SPÖ)

„Ikonische Wirkung“ des Werks

Die Entscheidung des Kunstsenats fiel einstimmig: „Renate Bertlmann unternimmt eine radikale Analyse der Unmöglichkeit des Lustprinzips. Seit den siebziger Jahren hat sie sich nicht nur in wesentlicher Position in die weibliche Performancegeschichte Österreichs eingeschrieben, sondern darüber hinaus in die erst jüngst in ihrer Bedeutung erkannte internationale feministische Avantgarde. Ihre Arbeiten haben im Kontext der feministischen Kunst eine ikonische Wirkung entfaltet. Durch ihre Kunst hat sie den Spielraum weiblicher Selbstbestimmung entschieden erweitert.“

Schon früh widmete sie sich feministischen Themen und beteiligte sich an unterschiedlichen Projekten. In ihrer Arbeit setzt sie sich nicht zuletzt in teils ironischer Weise mit dem Phallus auseinander und übt damit Kritik am Patriarchat. Ihre Werke waren in den vergangenen Jahren unter anderem in New York, London und Südkorea zu sehen. Aktuell ist sie Teil der Gruppenausstellung „Woman“ zur Feministischen Avantgarde aus der Sammlung Verbund, die im Wiener MUMOK gezeigt wird - mehr dazu in Wenn das Gesicht zur Leinwand wird (news.ORF.at).

1943 in Wien geboren

Mit Bertlmann wird erstmals seit 2009 wieder eine bildende Künstlerin mit dem Staatspreis bedacht. Damals erhielt Brigitte Kowanz die höchste Auszeichnung der Republik. Bertlmann wurde 1943 in Wien geboren und studierte an der Akademie der bildenden Künste sowie in Oxford. Mehr als ein Jahrzehnt war sie auch als Lehrbeauftragte tätig.

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