Spital muss Schockraumpatienten abweisen

Aufregung über Einsparungsmaßnahmen beim Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus: Schwere Fälle, die einen Schockraum brauchen, werden an Wochenenden nicht mehr behandelt. Die Rettung muss sie ins UKH Meidling bringen.

Das Lorenz-Böhler-Krankenhaus behandelt gemeinsam mit dem Unfallkrankenhaus Meidling 140.000 Notfallpatienten pro Jahr. Der Spitalserhalter AUVA will durch eine angespannte Finanzsituation die Akutversorgung nach Meidling verlagern und im „Lorenz Böhler“ „rekonstruktive Medizin“ anbieten.

Lorenz Böhler Krankenhaus
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Das Lorenz-Böhler-Krankenhaus in der Brigittenau

Anfragen müssen abgelehnt werden

Im Fokus steht dabei vor allem der Schockraum für Unfallopfer mit schweren Traumata. An Wochenenden bis Dienstagfrüh muss der Diensthabende seit April bei Anfragen der Rettung über das interne „rote Telefon“ Schockraumfälle ablehnen.

Das „rote Telefon“

Das „rote Telefon“ ist eine Direktleitung zwischen Krankenhäusern und der Wiener Rettung. Die Rettung kann damit direkt Anfragen an Spitäler stellen.

„Wien heute“ liegen dazu interne Schreiben und Dienstanweisungen vor. Darin sind unverblümte Drohungen enthalten. Es heißt etwa: „Die Annahme von Schockräumen über das rote Telefon an Wochenenden trotz der bereits gültigen Dienstanweisung kann schlimmstenfalls dienstrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“

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Dienstrechtliche Konsequenzen bei Annahme von Schockraumpatienten

Chirurg bestätigt Einschränkung

Heinz Brenner, Unfallchirurg am Lorenz-Böhler-Krankenhaus, äußert sich als Obmann für die Unfallchirurgie der Wiener Ärztekammer gegenüber „Wien heute“ und bestätigt die Einschränkung. Er erzählt von einem konkreten Fall eines Patienten im Rettungshubschrauber: „Dieser Patient ist sogar nicht einmal in Wien versorgt, sondern nach Niederösterreich geflogen worden.“

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„Leichtere“ Fälle dürfen am Wochenende behandelt werden

Er fürchtet nun um die Stellung des Spitals: „Was uns jetzt konkret bedroht: Dass bei uns Diensträder reduziert werden, dass weniger Narkoseärzte im Dienst sind. Das hätte zur Folge, wir könnten in der Nacht und am Wochenende überhaupt nicht operieren. Ein Unfallspital, das nicht operieren kann, ist kein Unfallspital - dann wäre das Böhler tot.“

AUVA sieht Schwerpunktsetzung

Naturgemäß anders sehen das die Spitalserhalter, die sich in einer schriftlichen Stellungnahme zu den Vorwürfen äußern: „Als logische Folge aus der bisherigen Schwerpunktsetzung werden nun auch die Schockraumfälle am Wochenende verstärkt am Standort Meidling betreut. Eine Akutversorgung von „leichteren“ Fällen findet selbstverständlich auch am Wochenende weiterhin im Lorenz-Böhler-Krankenhaus statt; die personellen Kapazitäten sind selbstverständlich vorhanden.“

Die Schwerpunktsetzung bringe eine Verbesserung, so die AUVA. Beide Standorte sollen bestehen bleiben und ab 2018 die Dachmarke „Traumazentrum Wien“ erhalten. Laut Gerüchten könnten beide Häuser in zehn Jahren sogar in einem neu gebauten Spital zusammengelegt werden - die AUVA will das vorerst nicht bestätigen.

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