Heumarkt: UNESCO erneuert Drohung

Kurz vor der Gemeinderatssitzung mit dem Beschluss zum Heumarkt-Projekt hat die UNESCO die Drohung in Sachen Weltkulturerbe erneuert. Sollte die Stadt nicht von den Plänen abrücken, werde Wien auf die „Rote Liste“ gesetzt.

Die UNESCO werde am Freitag, 2. Juni, eine „Draft Decision“ veröffentlichen, sagte Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen UNESCO-Kommission, gegenüber der APA. Derlei Berichte werden vor jeder Sitzung des internationalen Welterbekomitees verfasst. Sie sind die letztgültigen Entscheidungsempfehlungen an die Komiteemitglieder, basierend auf den Einschätzungen und Beurteilungen des Beratungsgremiums ICOMOS.

Der jetzt anstehende Schwung an „Draft Decisions“ wurde im Hinblick auf das Komiteetreffen in Krakau erstellt, das von 2. bis 12. Juli stattfindet. Dort stimmt das Gremium dann über diverse Fälle ab - so auch über die Zukunft des Weltkulturerbes für die Wiener Innenstadt. Laut Eschig wird die Empfehlung, die am Freitag online geht, beinhalten, die City auf die Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen.

Visualisierung Heumarkt Verkleinerung
Isay Weinfeld/Sebastian Murr
Wird das Heumarkt-Konzept in der derzeitigen Form umgesetzt, droht der Verlust des Weltkulturerbestatus für die Wiener Innenstadt

Turmhöhe als umstrittener Punkt

Wien bzw. die Republik Österreich haben als offizielle Vertragspartner weiterhin nicht die UNESCO-Forderungen erfüllt, heißt es in der Begründung. Die Organisation hat bekanntlich wiederholt den Heumarkt-Turm unter Beschuss genommen und die Reduktion von dessen Höhe auf 43 statt 66 Meter empfohlen.

Für Eschig ist damit so gut wie fix, dass Wien bei der Sitzung in Krakau auf die „Rote Liste“ gesetzt wird: „Es kommt nicht sehr häufig vor, dass die Komiteemitglieder nicht der Abstimmungsempfehlung folgen.“ Sollte der Beschluss tatsächlich so fallen, bedeutet das aber noch nicht die endgültige Aberkennung des Welterbes. Vielmehr hat man dann noch ein Jahr Zeit, doch noch Schritte zur Rettung des Status zu setzen.

Die Möglichkeit, dass lediglich das Gebiet, welches vom Welterbestatus umfasst ist, verkleinert wird - der Heumarkt also etwa ausgeklammert wird, die restliche Innenstadt aber weiterhin Welterbe bleibt -, gebe es nicht, meint die Generalsekretärin: „Es gibt Ausweitungen, aber keine Verkleinerungen.“ Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) hatte im April betont, dass der Verlust des Weltkulturerbestatus „kein Weltuntergang“ wäre - mehr dazu in Vassilakou: Rote Liste kein „Weltuntergang“.

Grafik zum Heumarkt
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Freie Wahl für Grün-Abgeordnete

Damit die Heumarkt-Umgestaltung überhaupt angegangen werden kann, braucht es die entsprechende Flächenwidmung für das Areal. Diese soll am Donnerstag beschlossen werden. Das Projekt hatte im Vorfeld allerdings für einen internen Konflikt bei den Grünen gesorgt. Die Basis sprach sich im April per Urabstimmung mit knapper Mehrheit dagegen aus - mehr dazu in Grüne lehnen Heumarkt-Projekt ab.

Die Parteispitze der Grünen steht seit jeher hinter dem Vorhaben. Vassilakou hatte deshalb den Mandataren der Grünen freie Hand hinsichtlich ihres Abstimmungsverhaltens gegeben. Drei grüne Mandatare haben daraufhin angekündigt, nicht für die Flächenwidmung zu stimmen. Bleibt es dabei, geht sich eine Regierungsmehrheit trotzdem knapp aus - mit 51 zu 100 Stimmen - mehr dazu in Heumarkt: Grüner Klubchef garantiert Mehrheit und Heumarkt sorgt weiter für grüne Unruhe.

Bürgerinitiativen demonstrieren erneut

Die Bürgerinitiativen, die mittlerweile seit Jahren gegen die Pläne mobilisieren, wollen vor der Abstimmung noch einmal ihren Unmut zum Ausdruck bringen. Am Dienstagabend ist eine Demo unter dem Motto „Für Weltkulturerbe und Rechtsstaatlichkeit - Gegen Bruch des UNESCO-Staatsvertrages“ angesetzt. Sie wird vom Minoritenplatz, dem Sitz von Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ), über den Ballhausplatz und die Löwelstraße, wo die SPÖ ihre Parteizentrale hat, zum Rathaus führen.

Bereits vor zwei Wochen haben rund 30 Aktivisten derselben Initiativen vor dem Rathaus Stellung bezogen, um mit Transparenten und Trillerpfeifen ihre Meinung über das Projekt zu äußern - mehr dazu in Heumarkt: Flächenwidmung abgesegnet.

FPÖ fordert Nein zur Flächenwidmung

Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ) appellierte am Montag zu einem Nein zur Flächenwimdung. „Warum wurde ein Grundstück in zentralster Lage an einen Investor verkauft, der als ‚Heuschrecke’ bezeichnet wurde? Warum beraubt man sich auf Dauer urbaner Gestaltungsmöglichkeiten“, so Gudenus in einer Aussendung. Er forderte Schritte zur Rückabwicklung des Grundstücksgeschäfts.

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