Klenk: „Studie ganz intensiv bearbeitet“

Die viel beachtete Kindergartenstudie des Islamforschers Ednan Aslan ist laut „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk vom Integrationsministerium „ganz intensiv bearbeitet worden“. Dabei seien „Aussagen ins Gegenteil verkehrt“ worden.

„Das sind Dokumente, die mir aus - ich verschleiere jetzt ein bisschen - Wissenschaftlerkreisen zugespielt wurden. Das sind Originaldokumente aus dem Außenministerium. Word-Files, in denen man im Korrekturmodus sieht, dass zwei Beamte des Ministeriums sechs Tage lang, mehrere Stunden pro Tag, diese Studie ganz intensiv bearbeitet haben. Sie haben Rechtschreibfehler ausgebessert, Fragen in das Dokument an den Forscher gestellt, und sie haben am Ende des Dokuments Aussagen ins Gegenteil verkehrt“, sagte Klenk im „Wien heute“-Interview.

"Falter"-Chefredakteur Florian Klenk
ORF
Klenk: „Viele Dinge wurden hinausgestrichen“

An „vielen, vielen kleinen Rädern“ gedreht

Die Frage ist laut Klenk, warum die Beamten des Ministeriums das getan haben und ob ihnen das der Forscher erlaubt habe. „Sie bestellen eine Studie, dann müssen sie sagen, ist in Ordnung oder nicht in Ordnung. Aber sie können sich nicht hinsetzen und anfangen, die Ergebnisse der Studie, gemeinsam mit dem Professor oder nicht, umzuschreiben“, so Klenk.

Der Professor habe an manchen Stellen ganz andere Aussagen getroffen. Ein Beispiel: Aslan schrieb, dass sich die Eltern nach „den Werten der Liebe, Toleranz und Weltoffenheit“ sehnen. Der Beamte strich das laut Klenk heraus und schrieb, „sie sehnen sich nach islamischen Werten“.

Geändert wurde laut „Falter“ etwa auch die Passage, in der die Eltern sagen, sie möchten, dass „die Kinder nach den Werten des Respekts erzogen werden“. Nun sei zu lesen: „Sie sollen gegen die Mehrheitsgesellschaft positioniert“ werden, so Klenk. „Es sind viele, viele kleine Räder, an denen die Beamten drehen, die Studie schärfer machen, und viele Dinge, die relativieren, die abschwächen, die ein breiteres Bild bringen, werden hinausgestrichen.“ Das sehe man im Korrekturmodus. Das könne man ganz genau an den Word-Metadaten sehen.

„Ganz unterschiedliche Antworten“ im Ministerium

Laut Klenk habe der Studienautor widersprüchliche Aussagen gemacht, nachdem er auf die Änderungen angesprochen worden sei. „Ich habe Herrn Aslan vergangenen Donnerstag in seinem Büro besucht, da war er überrascht. Er hat gesagt: ‚Ich habe Bauchschmerzen, ich weiß nicht, was da los ist.‘ Er hat überlegt, ob er sich aus dem Projekt zurückzieht. Am nächsten Tag hat er mir eine SMS geschickt, wo er sagt: ‚Ich kann das immer noch nicht erklären.‘ Und am Montag hat er gesagt, es ist alles von ihm angeordnet worden“, so Klenk.

Auch im Ministerium habe man „ganz unterschiedliche Antworten“ gegeben. „Dann habe ich gefragt, aber warum haben die Beamten eingegriffen. Dann hat man mir gesagt, man sei zu dritt mit Herrn Aslan am Computer gesessen. Herr Aslan sagt aber, er war nie zu dritt am Computer. Mein Eindruck ist, ich kann das aber nicht beweisen, man legt sich hier eine Erklärung zurecht“, so Klenk.

Der „Falter“ veröffentlichte am Dienstag ein Dokument, das nahelegt, dass die Studie von Beamten des Außen- und Integrationsministeriums verschärft wurde. Aslan selbst bestreitet das, das Ministerium ebenso - mehr dazu in Kindergartenstudie: Ministerium in der Kritik.

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