Aslan: Studie war mit Wien geplant

Die umstrittene Studie über islamische Kindergärten sollte ursprünglich in Kooperation mit der Stadt Wien durchgeführt werden. Diese sei aber in letzter Sekunde abgesprungen, erklärte Studienautor Ednan Aslan.

„Diese Studie hat nicht mit Herrn Kurz angefangen. Sie wurde 2014 mit der Stadt Wien gestartet, das ist ja alles schriftlich belegbar“, sagte Aslan am Mittwoch gegenüber der Zeitung „Heute“. „In letzter Sekunde hat die Stadt Wien den Vertrag für die Studie einfach und ohne Begründung abgelehnt.“ Das Projekt mit dem Integrationsministerium sei dann „praktisch aus Not entstanden“. Man habe die Absicht gehabt, die Situation in den Kindergärten zu verbessern. „Dazu hat unser Bericht auch beigetragen“, so Aslan.

Ednan Aslan
ORF
Aslan verteidigte seine Studie am Mittwoch erneut

Stadt Wien wollte umfangreichere Studie

Der für Kindergärten zuständige Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) bestätigte am Mittwoch, dass die Studie ursprünglich in Kooperation mit der Stadt Wien geplant war. „Ja, da gab es ein Gespräch“, sagte eine Sprecherin des Stadtrats. „Wir hätten sie auch gerne mit ihm gemacht, wollten sie aber umfangreicher haben.“

Außerdem habe Aslan in erster Linie die Hintermänner untersuchen wollen, während die Stadt Wien das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt stellen habe wollen. „Das hat er abgelehnt, deshalb ist das nicht zustande gekommen“, so die Sprecherin.

Uni-Prüfung laut Aslan eigener Wunsch

Laut der Wochenzeitung „Falter“ soll ein Zwischenbericht der Studie von zwei Beamten des Integrationsministeriums intensiv überarbeitet worden sein. Die Rede ist von über 900 Änderungen - mehr dazu in Kindergartenstudie: Ministerium in der Kritik. Aslan verteidigte seine Arbeit am Mittwoch erneut. Die Inhalte der Studie stammten von ihm und es seien keine Stellen gestrichen, sondern lediglich im Text versetzt wurden. Dass die Studie nach den Wünschen von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) ausgerichtet wurde, wies er zurück.

Die bevorstehende Prüfung der Studie durch die Universität Wien sei sein eigener Wunsch gewesen, erklärte Aslan weiter. „Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass meine Studie dem wissenschaftlichen Standard entspricht.“ Die Ombudsstelle zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis sei damit beauftragt, festzustellen, „inwieweit die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis eingehalten wurden“, kündigte die Universität Wien an - mehr dazu in Uni Wien prüft Kindergartenstudie (news.ORF.at).

Diskussion um Kindergartenstudie

Nach den Manipulationsvorwürfen gegen den Studienautor diskutierte die Politik heftig über die Konsequenzen.

Kern stellt sich hinter Kurz

Die Enthüllungen des Wochenmagazins „Falter“ über angebliche inhaltliche Änderungen des Integrationsministeriums an der Studie haben am Mittwoch für einen innenpolitischen Schlagabtausch gesorgt. Aus Wien kam sowohl von der Stadtregierung als auch der oppositionellen FPÖ harsche Kritik an Integrationsminister und ÖVP-Chef Sebastian Kurz.

Verteidigt wurde Kurz unterdessen nicht nur von seiner eigenen Partei, sondern auch von SPÖ-Kanzler Christian Kern. Kern zeigte sich vor Journalisten überzeugt, dass der ÖVP-Obmann nicht persönlich in Manipulationen verwickelt sei - mehr dazu in news.ORF.at.

Häupl: Verantwortung liegt bei Kurz

Für Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) liegt die Verantwortung für die Änderungen jedenfalls bei Kurz. Und dieser müsse er sich auch stellen, forderte Häupl vor Journalisten. „Entsetzt“ zeigte sich der Bürgermeister darüber, „dass man mit solchen Methoden Wahlkampf macht“.

Es spiele letztlich keine Rolle, ob die Beamten des Ministeriums oder Studienautor Ednan Aslan „auf Druck der Beamten“ die Vorstudie zu den Islam-Kindergärten inhaltlich verändert hätten. „Es stellt sich die Frage: Was hat der Herr Minister davon gewusst?“ Die Frage, ob er glaube, dass die Manipulationen explizit im Auftrag von Kurz durchgeführt wurden, wollte der Bürgermeister und Wiener SPÖ-Chef nicht konkret beantworten: „Aber verantwortlich sind allemal die Chefs. Und er ist der Chef.“

Vassilakou: „Tiefer geht es nicht mehr“

Die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) erwartet sich Konsequenzen für die Betroffenen - falls sich bestätigt, dass die Studie zu Islam-Kindergärten nachträglich manipuliert bzw. umgeschrieben worden ist. Dann wären mit parteipolitischem Kalkül „Fake-News“ auf Steuerzahlerkosten fabriziert worden, um die „rot-grüne Stadt Wien zu diffamieren“, befand sie am Dienstag: „Tiefer geht es nicht mehr.“

IGGÖ: Studie schädigt den Ruf von Muslimen

In der Debatte um die Kindergartenstudie meldete sich nun auch die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) zu Wort. Sie fordert nun eine rasche und umfassende Aufklärung der Vorgänge. Laut IGGÖ handle es sich bei der Kindergartenstudie um eine vom Integrationsministerium bestellte Studie, „die gewissen politischen Interessen nutzbar gemacht werden sollte.“ Äußerst bedenklich nennt die Glaubensgemeinschaft das Verhalten des Wissenschafters Aslan und des Integrationsministeriums, das die „Rufschädigung einer ganzen Bevölkerungsgruppe anzettelt.“

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