Wien auf Roter Liste: Touristiker gelassen

Nachdem die UNESCO die Wiener Innenstadt auf ihre Rote Liste gesetzt hat und damit der Welterbestatus wackelt, bleiben die Touristiker gelassen. Beim Schloss Schönbrunn ist man dafür um den eigenen Welterbestatus besorgt.

„Wir bedauern natürlich, dass Wien auf die Rote Liste der UNESCO aufgenommen wurde. Wir erwarten uns aber in touristischer Hinsicht keine Auswirkungen“, sagte Walter Straßer, Sprecher des Wiener Tourismusverbands. Wien sei nach wie vor eine der touristisch attraktivsten Städte weltweit, so Straßer gegenüber Radio Wien: „Nicht zuletzt auch dadurch, weil die Stadt immer schon sehr auf ihr historisches Erbe geachtet und es gepflegt hat, sich aber trotzdem auch modern weiterentwickelt hat.“

Visualisierung Heumarkt Verkleinerung
Isay Weinfeld/Sebastian Murr
Die Höhe des Wohnturms wurde von 73 auf 66 Meter reduziert

Hoteliervereinigung sieht „Riesenchance“

Auch bei der Wiener Hoteliervereinigung zeigte man sich keinesfalls betrübt. Die Kunst, die man in Wien besichtigen könne, hält deren Chefin Michaela Reitterer für viel wichtiger als den Welterbestatus der Innenstadt. „Es gibt Milliarden Kunstfreunde, die wegen der Kunst kommen und ein paar Aficionados des Weltkulturerbes“, meinte Reitterer.

Sie ortet sogar eine „Riesenchance“ durch die aktuelle internationale Aufmerksamkeit durch die Debatte. „Nützen wir die Gelegenheit und stellen wir die ganze Bandbreite unseres Kulturangebots ins Rampenlicht – ohne großes Kampagnenbudget“, so Reitterer. Neben Klassikern wie der Albertina könne man dabei auch das „junge Wien“ präsentieren, etwa die Kunsthalle und das 21er Haus. Und auch für Welterbefans hätte sie ein Reiselockangebot: „Wenn ihr euch den Canaletto-Blick noch anschauen wollt, müsst ihr jetzt schnell kommen.“

Vassilakou will „falsche Infos“ korrigieren

Die UNESCO hat das historische Zentrum Wiens am Donnerstag auf ihre Rote Liste gesetzt. Grund ist vor allem der geplante Bau eines Hochhauses am Heumarkt. Dieses Hochhaus soll 66 Meter hoch werden - bereits niedriger als die ursprünglich geplanten 73 Meter, der UNESCO aber immer noch zu hoch. Das Weltkulturerbe wird Wien damit nicht sofort aberkannt. Bis Jahresfrist hat die Stadt nun Zeit, den Bau zu überdenken und niedriger zu bauen - oder gar nicht - mehr dazu in UNESCO setzt Wien auf Rote Liste (news.ORF.at).

Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) bedauerte die Entscheidung, sie wolle „falsche Infos“ korrigieren, kündigte sie an. FPÖ und ÖVP forderten unterdessen ihren Rücktritt - mehr dazu in Rote Liste der UNESCO: Vassilakou will nachhaken.

Wien auf Roter Liste der UNESCO gelandet

Die UNESCO hat Wien auf die Rote Liste gesetzt und der Stadt bis Februar 2018 Zeit gegeben, da Heumarkt-Projekt zu ändern.

Schlossherr nun um Schönbrunn-Welterbe in Sorge

Bedenken äußerte unterdessen Franz Sattlecker, scheidender Chef der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft (SKB). Er befürchtet, dass eventuell auch das Welterbe für das Schlossensemble infrage gestellt werden könnte. Konkret verwies er auf die Kometgründe in Meidling, die bebaut werden sollen - mehr dazu in Kometgründe: Gerichte am Zug.

Das Areal hat ebenfalls UNESCO-Vergangenheit. Denn ein ursprünglich geplanter 120-Meter-Turm wurde vor gut einem Jahrzehnt - noch unter dem früheren Planungsstadtrat Rudi Schicker (SPÖ) - redimensioniert, da die internationalen Welterbehüter hier ebenfalls mit der Aberkennung des Prädikats für das Schloss gedroht hatten. „Die Bauverhandlungen laufen aber nach wie vor“, sagte Sattlecker - der Ende August in Pension gehen wird.

„Wenn sich jetzt seitens der Stadt die Meinung durchsetzt, dass Investorengewinne wichtiger sind als die Erhaltung herausragender Beispiele für historische Architektur, dann bekommen wir eventuell ein Problem“, befürchtete Sattlecker. Was die Heumarkt-Angelegenheit betrifft, werde hier „willkürlich und leichtfertig“ der Welterbestatus Investoreninteressen „geopfert“, analysierte er. Wobei er hinzufügte, dass das Prädikat weder für Wien allgemein noch für Schönbrunn im Speziellen aus touristischer Sicht wichtig sei.

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