Krankentransporte: Sanitäter streikbereit

Die Sanitäter des Roten Kreuzes und anderer Rettungsdienste drohen mit Kampfmaßnahmen. Sie wollen nicht hinnehmen, dass billigere Krankentransporte beschäftigt werden. Zuvor soll es allerdings noch Verhandlungen geben.

Rund 450 Sanitäter der vier großen Rettungsorganisationen Rotes Kreuz, Samariterbund, Grünes Kreuz und Johanniter haben am Dienstagabend für Protestmaßnahmen in ganz Wien gestimmt. Sie wollen sich nicht damit abfinden, dass gespart werden soll - 35 der 140 Sanitäter des Wiener Roten Kreuzes werden mit August gekündigt - mehr dazu in Rotes Kreuz: 35 Sanitäter vor Kündigung. „Wir müssen darum kämpfen, dass es in den nächsten Jahren eine Zukunft gibt für den qualifizierten Krankentransport“, sagte Rot-Kreuz-Betriebsratsvorsitzender Heinz Klanfer.

Qualitätseinbußen befürchtet

Denn immer mehr Krankentransporte in Wien werden an private Anbieter wie Mietwagenfirmen vergeben. Die vier großen Rettungsdienste kritisieren diesen Trend und fürchten in einem offenen Brief nicht nur um ihre Sanitäter, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung. „Wir fordern eine Gesprächsrunde, bei der alle beteiligten Player offen und ehrlich ein Konzept für Wien ausarbeiten“, sagte Helmut Gruber, Vorsitzender der Gewerkschaft vida.

Protestversammlung Sanitäter
APA/Georg Hochmuth
Die Rettungsdienste fürchten mangelnde Qualität bei privaten Anbietern

„Extreme Auftragsrückgänge“ beim Samariterbund

„Die Spielregeln wurden einseitig geändert“, sagte Gruber. Nun blieben die Rettungsorganisationen auf den Kosten sitzen. „Die Schulden des Roten Kreuzes steigen, weil die Einnahmen aus den Krankentransporten zurückgehen“, sagte Heinz Klanfer, Betriebsratsvorsitzender des Wiener Roten Kreuzes. Er fordere, dass die Transporte durch die Blaulichtorganisationen „dementsprechend hochwertig bezahlt“ werden. „Es gilt, die Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern“, forderte Gruber.

„Wir haben extreme Auftragsrückgänge“, klagte auch Wilhelm Zechmann, Betriebsratsvorsitzender beim Samariterbund. Über die Jahren hätten deshalb bereits rund 100 Kollegen gehen müssen, nun stünden weitere Kündigungen im Raum. „Die Stimmung unter den Kollegen ist schlecht, sie haben Zukunftsängste“, sagte Zechmann. „Wir fordern, dass die Transporte fair vergeben werden, so dass die Organisationen auch überleben können.“

Rettung Versammlung
APA/Georg Hochmuth
Laut Gewerkschaft versammelten sich rund 450 Sanitäter

Erstmals meldete sich am Dienstag auch einer der privaten Anbieter zu Wort und wehrte sich gegen die Vorwürfe: „Grundsätzlich verwahren wir uns gegen die seitens der Blaulichtorganisationen durch unterschiedliche Medien zuletzt erhobenen Vorwürfe der mangelnden Hygiene, Inkompetenz, etc., weil diese nachweislich unrichtig sind“, so Eigentümer Thomas Haller in einem Offenen Brief.

Privater Anbieter: „Dieselben Standards“

Bei den Fahrzeugen kämen dieselben Reinigungsstandards zum Tragen wie bei Blaulichtorganisationen. Außerdem würden die Mitarbeiter laufend geschult - unter anderem zu den Themen „lebensrettende Sofortmaßnahmen - inklusive Wiederbelebung“, „Erweiterte Erste Hilfe“ und dem optimalen Umgang mit Rollstühlen und Krankentragen.

Der Fahrtendienst, der aktuell 200 Mitarbeiter beschäftigt, übernimmt laut eigener Aussage pro Tag im Schnitt 1.600 Fahrten im Auftrag der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK). Insgesamt gibt es laut einem Sprecher von Hallermobil 15 private Fahrtendienste in Wien, wobei sechs davon Aufträge der WGKK übernehmen. Seit 2013 verbuche Hallermobil jährlich eine Steigerung um 20 Prozent im Krankenkassenbereich, sagte der Sprecher.

Sanitäter des Roten Kreuzes mit Patient
APA/Barbara Gindl
Beim Roten Kreuz gibt es bereits Einsparungen bei den Sanitätern

Stadträtin mit „rundem Tisch“ zur Rettung

Die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) reagierte bereits vor einigen Wochen auf einen Beschwerdebrief der vier Rettungsdienste Johanniter, Malteser, Samariter und Rotes Kreuz. Zusammen mit der Gewerkschaft soll die Zukunft der Wiener Rettung an einem runden Tisch diskutiert werden - mehr dazu in Runder Tisch soll Rettung retten.

Die Patientenanwältin Sigrid Pilz begrüßte per Aussendung die laufende Debatte. Sie will bereits im Vorfeld verhindern, dass Patienten von der Rettung unnötig ins Krankenhaus gebracht werden: „Wir wissen, dass mehr als 60 Prozent der Patienten, die mit einem Rettungsauto in eine Akutambulanz gebracht werden, ohne Krankenhausaufnahme wieder nach Hause entlassen werden können. Mit einer zielgerichteten Zuweisung könnten diese unnötigen Transporte und der damit verbundene massive Stress für die Patienten vermieden werden.“

Daher will sie die telefonische Gesundheitsberatung „1450“, bei der Gesundheitspersonal im Vorfeld die Dringlichkeit und die Behandlung des Notfalls einschätzt, auf alle Akut- und Rettungsdienste ausdehnen - „egal ob es sich um Blaulichtorganisationen oder den Ärztefunkdienst handelt“.

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