Gangbetten: Volksanwalt prüft erneut

Die Volksanwaltschaft prüft erneut den Einsatz von Gangbetten in Wiener Spitälern. Als Hintergrund wurden Medienberichte genannt, wonach Gangbetten nach wie vor verwendet würden, auch abseits der Grippesaison.

„Wir haben kein Verständnis für weitere Ausreden“, erklärte Volksanwalt Günther Kräuter im Interview mit Radio Wien. „Ganz offensichtlich gibt es weiterhin Gangbetten, und zwar mitten im Sommer, weit entfernt von logischen Engpässen wie bei einer Grippewelle.“ Das sei sofort abzustellen. Besonders alarmierend sei, dass jetzt vorwiegend ältere Menschen davon betroffen sein sollen. Die „Kronen Zeitung“ (Freitagausgabe) hatte zuvor über Gangbetten im Donauspital berichtet, unterfüttert mit Fotos eines Lesers.

Günther Kräuter (SPÖ)
ORF
Volksanwalt Günther Kräuter fordert einen sofortigen Gangbetten-Stopp

Kräuter will politisches Bekenntnis

Bereits im Jänner hatte die Volksanwaltschaft ein Prüfverfahren gegen den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) eingeleitet - mehr dazu in Gangbetten: Volksanwaltschaft prüft KAV. Als Reaktion kündigte der KAV damals Maßnahmen zur Vermeidung von Gangbetten an. Im neuerlichen Prüfverfahren werde man sich nun genau anschauen, welche Maßnahmen umgesetzt wurden und genaue Dokumentationen verlangen, kündigte Kräuter an.

Der Volksanwalt fordert zudem ein Bekenntnis der Politik gegen Gangbetten in Wiener Spitälern. Dieses gebe es bisher nicht, was er überhaupt nicht einsehe. „Es kommt bei Gangbetten zu Verletzungen der Menschenwürde, es kann die Privatsphäre nicht geschützt werden, und daher ist dringend ein Stopp von Gangbetten in Wien erforderlich“, so Kräuter.

Gangbetten „leider nicht immer vermeidbar“

„Durch Akutrettungsanfahrten und akute Aufnahmen sind Notbetten – die kurzfristige Unterbringung von PatientInnen in den Gängen – kurzfristig leider nicht immer vermeidbar“, reagierte der KAV am Freitag ebenfalls per Aussendung. Im Donauspital hätten sich am Donnerstag in der Früh fünf Patienten in Gangbetten befunden, bis zu Mittag seien jedoch alle in Zimmer verlegt worden.

In der Generaldirektion des KAV sei eine eigene Person mit dem Thema betraut. „Die Notbetten-Situation ist durch das engmaschige Monitoring auf die Stunde genau bekannt, Maßnahmen können sofort eingeleitet werden, und sie greifen auch", so die für Personal zuständige KAV-Direktorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb. Zu diesen Maßnahmen zählten etwa eine interdisziplinäre Belegung und frühere Entlassungen, wo möglich.

Diese Maßnahmen sind Teil des Konzepts, das der KAV als Reaktion auf die erste Prüfung durch die Volksanwaltschaft präsentiert hatte. Ab Mitte 2017 sollte damit begonnen werden, der Vollbetrieb ist für Ende 2017 vorgesehen - mehr dazu in Plan gegen Gangbetten in Wiens Spitälern.

ÖVP kündigt Anfrage an Frauenberger an

Die Gangbetten seien ein „Symptom für die Fehlplanungen der Stadtregierung im Wiener Gesundheitssystem“, so NEOS-Wien-Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger. Man habe bereits im Winter davor gewarnt, dass diese daher auch zu normalen Zeiten auftreten würden. Genau das sei jetzt der Fall. Meinl-Reisinger forderte rasche Gegenmaßnahmen von Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) und dem KAV.

Kritik übte auch die Wiener ÖVP. „Gangbetten sind eine Schande für Wien! Es muss jetzt endlich gehandelt werden!“, forderten Landesparteiobmann Gernot Blümel und Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. Durch das neuerliche Prüfverfahren der Volksanwaltschaft sei mehr als offensichtlich, dass die seitens der Stadt gesetzten Maßnahmen nicht greifen bzw. nicht ausreichend seien. Die ÖVP kündigte zudem eine schriftliche Anfrage dazu an Frauenberger an.

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