Niki kann bei Pleite mit Hilfe von Staat rechnen

Österreich würde der Air-Berlin-Tochter Niki mit staatlichen Mitteln zu Hilfe eilen, sollte Niki dem Schicksal der deutschen Mutter folgen und insolvent werden. Das sagten Kanzleramt und Verkehrsministerium dem Niki-Betriebsrat zu.

Nach Angaben von Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) hat Österreich eine „jederzeitige Unterstützung im Bedarfsfall zugesichert“. Ein solcher Bedarf zeichne sich zurzeit aber nicht ab. Es ginge nur um den Notfall, wenn sich die Dinge negativ entwickeln. „Es war dem Bundeskanzler wichtig, dass wir uns darum kümmern“, sagte Drozda. Es gehe um viele Arbeitsplätze, den Flughafen und den Standort.

Betriebsversammlung
APA/Herbert Pfarrhofer
Auf dem Flughafen Wien fand am Freitag eine Betriebsversammlung bei Niki statt

Zurzeit ist mit einem 150 Millionen Euro schweren Überbrückungskredit des deutschen Staates für Air Berlin auch die Liquidität für deren Österreich-Tochter Niki sichergestellt. Das spreche gegen einen Handlungsbedarf bei Niki, sagte am Freitag auch Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ). „Sollte sich aber die Situation ergeben, dass Arbeitsplätze massiv betroffen sind oder Österreicher nicht mehr von ihren Reisen zurückkehren können sollten, dann muss man natürlich überlegen, wie man helfen kann“, so der Minister.

Auch Zahlung von August-Gehältern zugesagt

Die Niki-Arbeitnehmervertreter hatten sicherheitshalber beim Bund vorgefühlt. „Wir bereiten uns auf alle möglichen Szenarien vor. Auch für den Worst Case“, so Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits und der Gewerkschafter Peter Stattmann. Über diese politischen Zusagen konnte der Betriebsrat nun am Freitag auch den rund 200 Teilnehmern einer Betriebsversammlung bei Niki auf dem Flughafen Wien-Schwechat berichten.

Eine größere Nagelprobe werden die Ende August fälligen Gehälter für die knapp tausend Niki-Beschäftigten. Die Zahlung sei aber zugesagt. Bisher wurden alle Rechnungen bezahlt, sagte die Gewerkschaft. Bei den Gagen geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag.

Flugzeuge von Air Berlin und Niki
APA/Robert Jäger
Lufthansa könnte Niki übernehmen

Gelingt ein rascher Verkauf von Niki, sind solche Sorgen vom Tisch. Um große Teile von Air Berlin sowie deren Tochter Niki verhandelt ab Freitag die deutsche Lufthansa. Die Gespräche sollen das Wochenende hindurch laufen. Das Tempo, das in Deutschland - von Air Berlin, aber auch von der deutschen Regierung und der Lufthansa - für den Verkauf von Air-Berlin-Teilen an den Tag gelegt wird, ist den Österreichern jedenfalls sehr recht. „Wir hoffen auf Klarheit, wir sind bereit zu Gesprächen. Es kann uns gar nicht schnell genug gehen“, sagte Tankovits.

Die Lufthansa will nach übereinstimmenden deutschen Medienberichten die Mehrzahl der Flugzeuge und Top-Slots (Start- und Landerechte) von Air Berlin übernehmen und zudem die österreichische Tochtergesellschaft Niki.

Betriebsversammlungen auch in Düsseldorf

Zur Betriebsversammlung auf dem Wiener Flughafen waren am Freitag rund 200 Niki-Mitarbeiter gekommen. Dabei ging es hauptsächlich um die Sorgen um den Fortbetrieb und die Hoffnung, dass es unter einem neuen Eigentümer für die Firma mit ihren tausend Beschäftigten weitergeht. Die Stimmung unter den rund 200 Teilnehmern war gedrückt. Es gebe „viel Wut, viel Verzweiflung“, sagte die Gewerkschaft. Auch am Niki-Standort in Düsseldorf gab es am Freitag Betriebsversammlungen.

Betriebsräte Lukas Schauerhuber, Stefan Tankovits, Regionalgeschäftsführer der GPA-djp Peter Stattmann
APA/Herbert Pfarrhofer
Die Betriebsräte Lukas Schauerhuber und Stefan Tankovits mit Gewerkschafter Peter Stattmann

Bei Niki hofft man auf einen stabilen Konzern als neuen Eigentümer. Nach den Jahren im Air-Berlin-Konzern sei man sehr leidgeprüft, sagte Tankovits. „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir einmal einen schlagkräftigen Partner haben.“ Man sei nicht naiv, wisse also, dass neue Eigentümer ihre Forderungen stellten. Die Arbeitnehmervertreter selbst haben auch ihr Forderungspaket: Erhalt aller Arbeitsplätze, des Betriebs und der Beschäftigtenstandorte, vor allem des Standorts Wien. Man kämpft auch um den Erhalt des Kollektivvertrags und der Betriebsvereinbarungen.

Deal mit Etihad geplatzt

Die vergangenen Tage sind für die Mitarbeiter von Niki alles andere als entspannt verlaufen. Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin hat es zunächst geheißen, dass die Tochter Niki nicht betroffen ist. Dann wurde bekannt, dass der Deal mit Etihad, wonach Niki von der Fluglinie aus den Vereinigten Arabischen Emiraten übernommen wird, geplatzt ist und damit auch Niki in Gefahr ist. Ihr Gründer Niki Lauda befürchtet, dass eine Pleite nur „eine Frage der Zeit“ sei - mehr dazu in Niki-Insolvenz für Gründer Lauda „Frage der Zeit“.

Auch easyJet interessiert

Allerdings läuft es - anders als bei Air Berlin - bei der österreichischen Tochter besser. Die Kosten sind niedriger, das Unternehmen steht gut da. Neben der Lufthansa ist beispielsweise auch die britische Gesellschaft easyJet an Niki interessiert. Die Briten haben Ende Juli in Wien eine eigene Fluggesellschaft gegründet, um nach dem „Brexit“ eine Lizenz in einem EU-Land zu haben. Derzeit ist ein Flugzeug hier stationiert.

Die deutsche Lufthansa möchte hingegen mit Niki den Ausbau ihrer Billigschiene Eurowings vorantreiben. Auch die Deutschen haben in Wien vor zwei Jahren eine eigene Gesellschaft gegründet. Eurowings Europa mit Sitz auf dem Wiener Flughafen hat derzeit sechs Maschinen im Einsatz.

Wettbewerbsbehörde analysiert bereits

Die heimische Bundeswettbewerbsbehörde steht bereits in Kontakt mit der Lufthansa. „Um für mögliche Zusammenschlussanmeldungen gut vorbereitet zu sein, analysieren wir den Markt“, so eine Sprecherin am Freitag.

Die Wettbewerbshüter würden sich „die derzeitigen Marktanteile der Lufthansa, Air Berlin, easyJet und Ryanair sowie mögliche Problemfelder“ anschauen. Schließlich minimiert sich das Angebot, wenn ein Konkurrent gekauft wird, was zu höheren Preisen für Tickets führen könnte. Da die Lufthansa eine sehr starke Marktposition hat, müsste wohl ganz genau geprüft werden - möglicherweise aber gleich auf europäischer Ebene.

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