Viennale im Gedenken an Hans Hurch

„Es wird eine Viennale von ihm und für ihn sein“ - der interimistische Viennale-Leiter Franz Schwartz hat bei einer Pressekonferenz betont, dass das Festival im Gedenken des kürzlich verstorbenen Hans Hurch stehen wird.

„Ich hoffe, dass die Viennale so wird, wie Hans sie sich vorgestellt hat. Wir arbeiten zumindest intensiv daran“, so Schwarz bei der Pressekonferenz, „ich habe bereits Filme gesehen, die er angefordert hat, aber nicht mehr sehen konnte. Alle Tributes und Specials sind von Hans ausgewählt worden, dazugekommen ist leider die Hommage an ihn.“

Für diese Hommage wurden 14 künstlerische Weggefährten Hurchs gebeten, je einen Film zu benennen, den sie dem Verstorbenen widmen möchten. Ed Lachmann hat sich dabei für Wong Kar-wais Klassiker „In the Mood for Love“ entschieden, während etwa Tilda Swinton Robert Bressons „Au Hasard Balthazar“ ausgewählt hat.

Franz Schwartz
APA/Herbert Pfarrhofer
Franz Schwartz versprach eine Viennale „von und für Hans Hurch“

Filme vom Venedig-Festival auch bei Viennale

Einige Filme, die in der nächsten Woche beim Filmfestival in Venedig gezeigt werden, sind auch bei der Viennale zu sehen. Schwartz nannte etwa „Hanna“ mit Charlotte Rampling und „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ mit Frances McDormand. Auch Barbara Alberts neues Werk „Licht“ wird nach der Weltpremiere in Toronto und der Projektion am Lido in Wien zu sehen sein.

Insgesamt werden bei der Viennale rund 200 Filme zu sehen sein. Viele der Spielfilme sind eher persönlich gehalten, behandeln individuelle oder familiäre Themen. Im Dokumentarfilmbereich hingegen fokussiert man vermehrt auf globale, (gesellschafts-)politische Fragestellungen. Im Spielfilmbereich erstreckt sich das Spektrum von Valerie Massadians Coming-of-Age-Liebesgeschichte „Milla“ über Alain Gomis’ Frauenporträt „Felicite“ bis zu dem südkoreanischen Beitrag „Hong Sangsoo“ von Geu Hu.

In der Dokusparte kehrt Amos Gitai mit „A l’ouest du Jourdain“ zurück, und Romuald Karmakars „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ ist ebenso zu sehen wie Peter Nicks Porträt des Oakland Police Departments, „The Force“.

Schwerpunkt zu Filmen aus Neapel

Vertreter des heimischen Filmschaffens sind unter anderem auch Johann Lurfs Experimentalfilm „Star“ sowie Astrid Johanna Ofners Debüt „Abschied von den Eltern“, das heuer bereits in Locarno zu sehen war. Im Programm ist auch Ali Soozandehs Animationsfilm „Teheran Tabu“ über den Alltag im Iran und Thomas Arslans „Helle Nächte“ mit Georg Friedrich in der Hauptrolle, der dafür bei der Berlinale als bester Darsteller gewürdigt wurde.

Eine frühe Akteurin vor der Kamera war hingegen die österreichische Pionierin Carmen Cartellieri, die zu den heimischen Starschauspielerinnen der Zwischenkriegszeit zählte, danach jedoch vergessen wurde. Das Filmarchiv zeigt im Rahmen der Viennale eine umfassende Werkschau der 1953 verstorbenen Künstlerin. Die traditionelle Retrospektive im Filmmuseum hingegen widmet sich unter dem Titel „Utopie und Korrektur“ im Oktober und November dem sowjetischen Kino der Zwischenkriegszeit respektive der Post-Stalin-Zeit.

Unter dem Titel „Neues neapolitanisches Kino“ versammeln sich in einem eigenen Schwerpunkt Werke vom Ende des vergangenen Jahrhunderts, als Regisseure wie Antonio Capuano, Pappi Corsicato oder Mario Martone die Stadt am Vesuv aus ästhetischer und stilistischer Perspektive neu entdeckten.

Präsentation der Viennale 2017

Die Viennale steht heuer ganz im Zeichen des kürzlich verstorbenen Direktors Hans Hurch, der die Viennale 20 Jahre geleitet hat.

Harlekin als Viennale-Sujet

Ein gewisses Rätsel ist wie alljährlich das Viennale-Sujet. Dieses Mal diente eine harlekinartige Figur, eine Einritzung aus einer südfranzösischen Kirche, als Vorlage. „Denken Sie sich dazu, was Sie wollen - es wird das Richtige sein“, so Schwartz. Die formelle Ausschreibung für die neue, fixe Direktion der Viennale startet dann am 5. November. Mitte bis Ende Jänner soll dann feststehen, wer das Filmfestival ab der Ausgabe 2018 übernimmt.

Die Viennale wird heuer einen Tag länger dauern, aber es wird weniger Vorstellungen geben. Grund dafür ist der Wegfall von Zeitschienen, in welchen Kinos steht aber noch nicht fest. Franz Schwartz wurde in der Vorwoche als interimistischer Leiter für die Viennale bestellt - mehr dazu in Interimistischer Leiter für Viennale bestellt.

Hans Hurch wurde am 17. August in einem ehrenhalber gewidmeten Grab der Stadt Wien auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Abschiedsworte kamen von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), Falter-Herausgeber Armin Thurnher, dem ehemaligen Kunsthallen-Kurator Thomas Mießgang und der Choreografin Christine Gaigg - mehr dazu in Hans Hurch auf Zentralfriedhof beigesetzt.

Hurch verstarb am 24. Juli in Rom völlig überraschend an einem Herzversagen. Er war zu einem Arbeitstreffen mit dem Regisseur Abel Ferrara in der italienischen Hauptstadt - mehr dazu in Viennale-Chef Hans Hurch gestorben.

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