Tschetschenische Bande festgenommen

Die Polizei hat seit Mittwoch in Wien und Niederösterreich neun Personen festgenommen. Den Tschetschenen werden zahlreiche Delikte vorgeworfen, sie sollen mafiaähnliche Strukturen aufgebaut haben.

Die Liste an Vorwürfen gegen die neun Betroffen ist lang: Drogenhandel, die Bildung einer kriminellen Vereinigung und Brandstiftung sind ebenso dabei wie Erpressung und Nötigung. „Raubüberfälle, Diebstähle, Falschgeldverbreitung, Waffenbesitz, Körperverletzung“, zählte Bundeskriminalamtsdirektor Franz Lang am Freitag bei einer Pressekonferenz ebenso auf.

200 Beamte, darunter auch Polizisten der Cobra und Polizeidiensthunde, waren am Mittwoch ab 6.00 Uhr im Rahmen der Operation „Palace“ im Einsatz. An 16 Adressen in Wien, St. Pölten und Krems fanden zeitgleich Hausdurchsuchungen statt. Zahlreiche Schusswaffen, Messer, Drogen, 17 Mobiltelefone sowie einzelne SIM-Karten, Schuldscheine, Bargeld, aber auch Polizeiuniform-Teile wurden sichergestellt.

Bundeskriminalamts-Direktor Franz Lang und Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP)
APA/Helmut Fohringer
Bundeskriminalamtsdirektor Franz Lang und Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) bei der Pressekonferenz zur Festnahme von zehn Tschetschenen

Brandanschlag auf Pizzeria

Sieben Männer wurden bereits am Mittwoch verhaftet, ein achter folgte am Donnerstag. In der Nacht auf Freitag wurde am Gürtel in Wien ein weiterer Beschuldigter von der Bereitschaftseinheit festgenommen.

Die Verdächtigen sollen auch am 13. März einen Brandanschlag auf eine Pizzeria im Stadtzentrum von Hollabrunn verübt haben, um die Versicherungssumme in Höhe von 250.000 Euro zu kassieren, berichtete Lang. Durch die Wucht der Explosion zerbarsten Scheiben abgestellter Pkw und umliegender Geschäfte. Am Lokal entstand Totalschaden, auch das angrenzende Fahrradgeschäft wurde zerstört - mehr dazu in Brandstiftung löste Explosion in Pizzeria aus (noe.ORF.at).

Schlag gegen organisierte Kriminalität

Das Bundeskriminalamt hat eine tschetschenische Bande zerschlagen. Die Männer sollen eine Reihe von Verbrechen begangen haben.

Schutzgeld bei Friseurgeschäften

In Wien kassierten die Männer Schutzgeld. Mehrere Friseurgeschäfte von Gewerbetreibenden mit Migrationshintergrund nördlich der Donau mussten rund 1.000 Euro pro Monat zahlen. Ein ägyptischstämmiger Arzt wurde mehrfach zur Behandlung von Schuss-und Stichwunden der Bandenmitglieder gezwungen, außerdem erpressten die Tschetschenen 40.000 Euro von ihm, schilderte Andreas Holzer, Leiter des Büros für Organisierte Kriminalität im Bundeskriminalamt.

Der 50-Jährige Mediziner soll auch in Betrug mit Rezepten involviert gewesen sein. In großem Stil soll er Rezepte ausgestellt haben, die Schmerztabletten wurden dann von der Bande als Drogenersatz verkauft. Die Ermittlungen der Polizei laufen, rund zehn Opfer der Bande wurden bisher identifiziert. Die Bande habe „Auswirkungen bis nach Vorarlberg“, sagte Lang.

Als Kopf der Bande gilt Salambek A.. Die neun Männer im Alter zwischen 25 und 37 Jahren kamen als Flüchtlinge des zweiten Tschetschenienkriegs nach Österreich. Sie wohnten großteils in Wien, sagte Holzer. Die Beschuldigten sind teilgeständig, sie waren teilweise einschlägig vorbestraft, sagte Michael Mimra, stellvertretender Leiter des Landeskriminalamtes Wien.

Ermittlungen nach Festnahmen auf Donauinsel

Seit 2015 ermittelt die Sonderkommission „Gambit“ gegen tschetschenische Straftäter. Die Festnahme von 22 Tschetschenen am 3. Februar auf der Wiener Donauinsel in Floridsdorf brachte die Ermittler auf die Spur der Bande. Rund 50 Männer hatten sich am Abend versammelt, dabei ging es um die Aufteilung der Territorien, berichtete Lang. Die Tschetschenen hatten eine Maschinenpistole und zwei Waffen - teilweise im Schnee vergraben - mit - mehr dazu in 20 Tschetschenen wieder auf freiem Fuß.

Aberkennung für Asyl eingeleitet

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) sprach bei der Pressekonferenz in Wien von einer „großen Genugtuung“. Gegen die Asylberechtigten wurden bereits Asylaberkennungsverfahren eingeleitet. „Für Tschetschenen gibt es wohl überhaupt keinen Grund für Asyl“, konstatierte der Innenminister. Sobotka plädierte einmal mehr dafür, dass die Polizei verstärkte Überwachungsmaßnahmen benötigt. Es sei unverständlich, „warum man Messengerdienste, über die 80 Prozent der Kommunikation laufen, nicht verfolgen kann“.

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