Griensteidl neu: „Rien“ mit Wal und Gorilla

Die Räumlichhkeiten des Ende Juni geschlossenen Cafes Griensteidl in der Wiener Innenstadt sind wieder geöffnet. Als „Rien“ gibt es etwa ein Restaurant und eine Galerie. Auffallend sind ein Gorilla und ein Wal an der Decke.

Vom Namen Griensteidl ist nur der Teil „Rien“ übrig geblieben - der französische Begriff für „Nichts“. „Die Idee war, wir fangen mit Nichts an“, hatte Co-Geschäftsführer Philipp Haufler vor kurzem gegenüber der APA argumentiert. Die Räume am Michaelerplatz werden von der Agentur Friendship gemixt bespielt - als Restaurant, Galerie, Kulturstätte und Design Shop.

Geld bekommt Friendship für den Feldversuch nicht. Im Gegenteil: Der Hauseigentümer nimmt eine umsatzabhängige Miete. Das Experiment läuft vorerst bis Ende Jänner. "Wenn wir dann aufhören, gibt es hoffentlich ein ‚de rien‘ („gern geschehen“, Anm.), so Haufler gegenüber „Wien heute“.

Langer Betontisch für Diskussionen

Vom ursprünglichen Interieur des Cafes blieben die roten Plüschbänke und Sitznischen erhalten. Aus den einzelnen Deckenlampen entstanden große Lichtskulpturen, aus den Tischen werden zwei lange Sitztafeln gezimmert. Auffallend sind zwei Deckenbemalungen: Ein Gorilla sowie ein Wal, der als Symbol für Größenwahn stehen soll, den ehemaligen Beinamen.

In der Mitte des Lokals befindet sich ein langer Betontisch. „Hier sollten sich verschiedene Leute zusammensetzen und über das Leben oder was auch immer diskutieren“, so Geschäftsführer Martin Fetz gegenüber „Wien heute“. Das „Rien“ hat von Dienstag bis Sonntag von 9.00 bis 1.00 Uhr geöffnet. Gastronomisch soll es Frühstück mit Themenschwerpunkt, eine Mittagskarte mit Kleinigkeiten sowie eine größere Abendkarte geben.

Regionale Zutaten für Neuversionen von Rezepten

Die Zutaten, auch die Weine, kommen aus ehemaligen Kronländern der Monarchie wie Ungarn, Tschechien, Rumänien oder Italien. Kulinarische Klassiker wie Würstel oder Gulasch werden unter neuen Rezepturen angeboten - letzteres beispielsweise mit Fleisch vom Wasserbüffel. Alte Rezepte werden verfeinert, Saisonales eingerext, klassische Mehlspeisen mit neuen Geschmäckern kombiniert.

Für die Herkunfte der Produkte soll das ausgestopfte Murmeltier „Herbert“ stehen. „Er ist das Musterbeispiel von Regionalität. Bei uns ist es so, dass wir Produzenten im Gemüse-, Kräuter- und Fleischbereich zusammenarbeiten, die uns regionale Zutaten bringen und auch für uns anpflanzen“, so Geschäftsführer Hubert Peter gegenüber „Wien heute“.

Erste Reaktionen der Gäste im „Rien“ fielen unterschiedlich aus. „Schön, dass es wieder weitergeht“, „es ist jetzt ein wenig spartanisch eingerichtet“, „ein bißchen mehr Charme hätte es gebraucht“, „es ist eine neue Mischung mit drinnen“, lauteten Kommentare.

Cafe „Griensteidl“ wieder offen

Zwei Monate nach der Schließung hat das Traditionscafe unter dem franzöischen Namen „Rien“ am Michaelerplatz wieder aufgesperrt.

Konzerte und Diskussionen geplant

An der kurzen Seite an der Herrengasse wird eine Stehbar eingerichtet, selbst angesetzte Limos und Liköre inklusive. Cocktails werden ebenfalls serviert, aber „wir werden nicht unbedingt aus einer Ananas eine Pina Colada machen“, erklärte Peter.

Kulturell sind Konzerte, Lesungen und Diskussionen geplant. Bei den Konzerten soll es etwa zeitgenössischen Jazz oder Singer-Songwriter-Auftritte geben. Die insgesamt zehn großen Fenster sollen als Kunstauslage dienen. Hier sollen im Monatstakt künstlerische Arbeiten ausgestellt werden, die auch gekauft werden können. Für den Anfang haben die Chefs zehn Fotografen eingeladen, auf je einem Bild ihren speziellen Blick auf den 1. Bezirk festzuhalten.

Auch der Karl-Kraus-Saal wurde neu konzeptioniert. In diesem kleineren, räumlich vom Hauptlokal getrennten und zuletzt für Veranstaltungen genutzten Trakt zieht ein Concept-Store mit zeitgenössischem Design aus Wien - auch als Gegenpol zu den üblichen Souvenirgeschäften - ein.

Traditionscafe für Literaten

Das Cafe Griensteidl war Mitte des 19. Jahrhunderts der Treffpunkt für die großen Literaten der damaligen Zeit. Karl Kraus, Arthur Schnitzler und Stefan Zweig verfassten ihre Werke dort. 1897 wurde es erstmals geschlossen, die Literaten wanderten ins nahe Cafe Central. Erst 1990 wurde das Griensteidl am Michaelerplatz neu eröffnet, Ende Juni wurde es wieder geschlossen - mehr dazu in Traditionscafe Griensteidl sperrt zu.

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