Start zur Sanierung des Parlaments

Die Generalsanierung des Parlaments hat planmäßig begonnen. Drei Jahre lang wird das Gebäude technisch modernisiert und barrierefrei gestaltet. Die Feuerwehr übernimmt den Abbau und Transport von wiederverwertbarem Inventar.

Mit der Einrichtung der Baustelle beginnen nun die notwendigen Bauvorbereitungsmaßnahmen: In einer ersten Phase steht der Schutz von historisch wertvollen Oberflächen im Mittelpunkt der Aktivitäten. Mit tischlermäßigen Verkleidungen soll die denkmalgeschützte, wertvolle Bausubstanz geschützt werden.

Wände, Türen oder Einbauten, die allesamt mit dem Gebäude unter Denkmalschutz stehen, werden durch Holzverbauten abgedeckt und geschützt, teilte die Parlamentskorrespondenz am Montag mit. Der bereits vorhandene Bauzaun aus Drahtgitter bleibt vorerst als Provisorium stehen und wird später durch den endgültigen Bauzaun ersetzt.

Möbel werden teilweise versteigert

In den kommenden Wochen werden die provisorischen Stahlstiegen in den Wirtschaftshöfen des Parlamentsgebäudes demontiert und abtransportiert. Zugleich wird mit den ersten Abbauarbeiten im Gebäude begonnen. Kleininventar von bleibendem Wert, wie historische Feinbeschläge, wird abmontiert. Diese Gegenstände werden sichergestellt und restauriert, um dann im sanierten Parlament wieder verwendet zu werden.

Die nicht wiederverwendbaren Ausstattungsgegenstände, wie die Sessel, Bänke oder das Rednerpult aus dem Nationalratssitzungssaal, werden abgebaut. Diese Inventarstücke werden teilweise für eine geplante Online-Auktion des Dorotheums in ein Zwischenlager transportiert und können dann von Interessenten ersteigert werden. Der Großteil des historischen Mobiliars soll jedoch im sanierten Parlamentsgebäude im restaurierten Zustand wieder zum Einsatz kommen oder in zeitgeschichtlichen Ausstellungen verwendet werden.

Mit dem Abbau und Abtransport von wiederverwertbaren Inventarstücken ist die Feuerwehr im Wege der Amtshilfe für andere Bundesdienststellen betraut. Einheiten der FF Korneuburg sind im Einsatz, um die vorhandenen Möbel abzubauen und am Zielort wieder aufzubauen.

Arbeiten bis 2020 geplant

Die Vorbereitungen dauern noch bis etwa Mitte Oktober. Die eigentlichen Baumeisterarbeiten stehen erst später auf dem Plan. Bei den Kosten von rund 430 Mio. Euro will das Parlament noch verhandeln - mehr dazu in Parlament: Bei Sanierung wird nachverhandelt.

Die Sanierung des Parlaments soll bis 2020 abgeschlossen sein. Die Sitzungen von National- und Bundesrat finden bis dahin im Redoutensaal der Hofburg statt. Bei der Sitzung am 13. Juli hielt der Nationalrat seine letzte Sitzung im alten Plenarsaal ab. Dieser wird nach der Renovierung des Parlaments merkbar umgestaltet sein - mehr dazu in Letzte Sitzung im alten Plenarsaal.

Originale Samtbehänge entdeckt

Im Zuge der Umbauarbeiten im Parlament wurden die originalen Samtbehänge für die Loge und den Salon von Kaiser Franz Joseph aus dem Jahr 1883 gefunden. Anton Habrich, ein Mitarbeiter des Bau- und Gebäudemanagements, entdeckte bei der Räumung ein Stoffbündel von offenbar beträchtlichem Alter. Anhand von historischen Bilddokumenten konnten sie eindeutig identifiziert werden - mehr dazu in Kaiserlicher Fund im Parlament.

Kostbarer, kaiserlicher Logenbehang

Ein historisch interessanter Fund wurde im Zuge der Parlamentssanierung im Keller des Gebäudes entdeckt.

Keine Verluste bei Übersiedlung

Der gesamte Gesetzgebungsbetrieb ist im heurigen Sommer übersiedelt. Als letztes Inventarstück wurde die Glocke für den Sitzungsbeginn eingepackt und auf das Rednerpult des neuen Plenarsaals in der Hofburg gebracht.

Insgesamt wurden 719 Arbeitsplätze, 5.800 Umzugskartons, 7.000 Inventarstücke wie Schreibtische, Schränke, Stühle, Lampen, Tresore, technische Anlagen und vieles mehr übersiedelt. Dazu kamen außerdem noch Gegenstände wie Pflanzen, Mistkübel oder 1.500 EDV-Geräte. Auch 4.100 Laufmeter Bibliotheksbestand mussten neu untergebracht werden.

Durchgeführt wurde die Übersiedlung vom Wiener Unternehmen Spedition Lang GmbH. In Spitzenzeiten waren 32 Möbelpacker im Einsatz. „Würde man alle übersiedelten Kartons und Gegenstände aneinanderreihen, käme man auf eine Strecke von 23 Kilometern. Besonders freut uns, dass von diesem hohen Volumen kein einziges Möbelstück, EDV-Gerät oder Karton verloren gegangen ist“, zeigte sich Dietmar Nestlang, Projektleiter der Übersiedlung, erfreut.

Erste Sitzung mit „alten“ Abgeordneten

Zur ersten Sitzung im Herbst - regulär am 20. September - versammeln sich noch die „alten“ Abgeordneten im Großen Redoutensaal. Dort tritt spätestens 30 Tage nach dem 15. Oktober auch der neu gewählte Nationalrat zur Konstituierenden Sitzung zusammen.

Direkt in der Hofburg untergebracht sind außerdem die Klubs von NEOS und die (mittlerweile 14) freien Abgeordneten. In Nähe des Redoutensaales in einem Pavillon im Bibliothekshof haben SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grüne Stützpunkte sowie die Nationalratspräsidenten und die Parlamentsdirektion ihre Räumlichkeiten. Die Klubs von SPÖ und ÖVP residieren in zwei Pavillons am Heldenplatz.

Für die Renovierung übersiedeln musste nicht nur der Nationalrat, sondern alle 972 Menschen, die im Parlament arbeiten - ausgenommen jene, die (wie etwa die Klubs von FPÖ und Grünen) in Nebengebäuden untergebracht sind. 262 davon sind Mandatare: 183 im Nationalrat, 61 im Bundesrat und 18 im Europaparlament, die ebenfalls den Parlamentsklubs angehören. 430 Planstellen hat die Parlamentsdirektion für Beamte und Vertragsbedienstete - von der Verwaltung bis zum Portier, Hausarbeiter und Sicherheitsdienst.

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