SPÖ: Platz eins in Wien „nicht gesichert“

16 Tage vor der Wahl ist die SPÖ in allen Umfragen weit entfernt vom ersten Platz. Um das Bundeskanzleramt zu verteidigen, müssen die Genossen vor allem in Wien punkten. Hier haben sie bislang stets die Mehrheit gehabt.

Diesmal läuft der Wahlkampf für die SPÖ alles andere als rund: Vom verhafteten Wahlkampfberater, über Querschüsse aus der eigenen Partei und dann noch die Posse rund um die Anti-Terror-Mauer auf dem Ballhausplatz - mehr dazu in 42 Poller statt Mauer am Ballhausplatz. Dazu kommt die Wiener SPÖ, die schon seit Monaten vor allem mit sich selbst beschäftigt ist - mehr dazu in Häupl: Neuer Wiener SPÖ-Obmann im Jänner.

Bei den Wahlkampfthemen setzt SPÖ-Chef Christian Kern auf klassische SPÖ-Zielgruppen - die Arbeiter und Pensionisten - und klassische SPÖ-Themen, wie Wohnen und Soziales. Die SPÖ erreichte in Wien bei der Nationalratswahl 2013 den ersten Platz mit 31,6 Prozent. Das bedeutete damals ein kräftiges Minus von 3,1 Prozentpunkten.

Wahlauftakt Kern Graz SPÖ
APA/Hans Punz
Christian Kern beim Wahlauftakt in Graz

Neue Gegner für SPÖ

Wien bringt der SPÖ traditionell die meisten Stimmen. Will die SPÖ weiterhin in der Stadt vorne sein, muss sie ehemalige Nichtwähler mobilisieren, so die Experten. Meinungsforscher Günther Ogris vom Institut SORA zeigt die Zielgruppen auf: „Die SPÖ muss vor allem bei den Frauen über 50 einen guten Wahlkampf machen, aber auch jüngere, urbane Schichten erreichen, damit sie deutlich zulegt.“

OGM-Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer sieht eine veränderte Ausgangssituation für die SPÖ: „Die Grünen werden nicht mehr der Hauptgegner der SPÖ in Wien sein, weil die Grünen sind am besten Weg der Halbierung bei der Nationalratswahl. Es gibt neue Gegner, das sind vor allem die ÖVP mit Sebastian Kurz mit deutlichen Zuwächsen, wahrscheinlich auch in Wien - und nicht zuletzt die Freiheitlichen.“

In Simmering hat die SPÖ bei der Wahl 2013 ihr stärkstes Ergebnis eingefahren. Es ist der Heimatbezirk des Spitzenkandidaten, den man hier sogar in der Straßenbahn trifft - selbst wenn es nur für ein Zeitungsinterview ist. Die Meinungen sind aber gespalten, die einen unterstützen ihn ohne Bedenken. Die einstige SPÖ-Hochburg ist kein Heimspiel mehr, der Bezirk ist zuletzt an die FPÖ verloren gegangen. Ein Passant erzählt: „Ich war einmal ein Erz-Roter, war es. Der Fall ist erledigt.“

Wahlserie SPÖ
ORF

Acht der ersten zehn Kandidaten aus Wien

Wie wichtig Wien für die SPÖ ist, zeigt die Bundesliste. Acht der ersten zehn Kandidaten auf der Bundesliste kommen aus der Stadt. Es könnte aber zu einer schwierigen Situation kommen, sagt Bachmayer: „Dass die SPÖ in Wien die Nummer eins wird, ist relativ wahrscheinlich, aber nicht gesichert. Es scheint eher gesichert, dass sie auf jeden Fall sichtbar Stimmen verlieren wird.“

Ogris ist der Meinung, dass die SPÖ verschiedene Duelle zu gewinnen hat: „In den Gemeindebauten muss sie das Duell gegen die FPÖ gewinnen, in den jüngeren, urbanen Schichten gibt es die große Gruppe der Wechselwähler zwischen den Grünen und den Roten. Das hat sie bei den Gemeinderatswahlen oft gut geschafft, dieses Duell zu gewinnen, bei der letzten Nationalratswahl sind diese Wähler eher zu den Grünen gegangen.“

Links:

Werbung X