Vranitzky zum 80er Wiener Ehrenbürger

An seinem 80. Geburtstag ist der frühere Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) am Mittwochabend zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt worden. In der Laudatio wurde Vranitzky als „Wiener durch und durch“ bezeichnet.

„Du hast als Sohn dieser Stadt unendlich viel bewirkt“, begründete Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), der die Laudatio hielt, die Ehrung. Sowohl gebürtig als auch „mentalitätsmäßig“ sei Vranitzky ein „Wiener durch und durch“, so Mailath-Pokorny, der dem früheren Bundeskanzler „Eleganz und Grandezza in jeglicher Hinsicht“ sowie den Wiener Schmäh bescheinigte. Er sei weltoffen und „selbstverständlich zutiefst Sozialdemokrat und Antifaschist“.

Wien, aber auch insgesamt die Gesellschaft habe „essenziell und historisch von zwei Weichenstellungen profitiert“, die Vranitzky eingleitet und umgesetzt habe: die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und das Bekenntnis zur Europäischen Gemeinschaft.

Vranitzky: „Wiener aus Überzeugung“

„Es gab eine Zeit, da hat man einen Wiener so definiert: Ganz egal, wo man geboren ist, aber wenn man im Telefonbuch steht und das mit einem slawischen Namen, dann ist man ein echter Wiener. Ich erfülle beide Voraussetzungen“, scherzte Vranitzky. „Ich bin sehr geehrt, dass ihr an mich gedacht habt mit dieser Auszeichnung“, sagte er. „Natürlich passt sie ausgezeichnet zum 80. Geburtstag. Mir fällt gar keine Torte ein, die man besser hätte schmücken können.“ Er bleibe bei seinem langjährigen Motto: „Jawohl, ich bin Wiener, von Geburt und aus Überzeugung.“

Vranitzky bezog sich in seiner Dankesrede auf verschiedene Stationen seines Lebens, darunter auch auf seine Kindheit während des Nationalsozialismus. „Ich habe vieles mitgekriegt, was mich geprägt hat, wo ich in späteren Jahren und Jahrzehnten einfach null Verständnis hatte, so etwas wie NS-Gut und den Faschismus nicht abzulehnen.“

Respekt in Politik „weitestgehend verloren“

Auf die derzeitige Situation der SPÖ ging der ehemalige Kanzler und SPÖ-Chef, der in seinem kürzlich veröffentlichten Buch ein „Zurück zum Respekt“ einfordert, in seiner Rede nicht ein. Von Journalisten am Rande der Veranstaltung darauf angesprochen, ob der Respekt in der Politik derzeit verloren gegangen sei, meinte er: „Ja, weitestgehend verloren. Es schaut so aus, als würden wir uns bald verabschieden davon.“

Der Ton sei rauer geworden als zu der Zeit, in der er selbst politisch aktiv war. Auf die Dirty-Campaigning-Affäre wollte Vranitzky nicht eingehen. Schadensbegrenzung könne die SPÖ auf jeden Fall noch betreiben - „indem sie alles unternimmt, um wieder zur Politik zurückzukehren“.

Häupl: Respekt für Leistungen

Auch Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), der die Ehrung vornahm, zollte Vranitzky Respekt für seine Leistungen, vor allem auch in Hinblick auf den EU-Beitritt Österreichs. „Du warst einer, der immer die Stimme erhoben hat“, sagte Häupl. Er sei ihm auch persönlich für vieles dankbar, sagte er, denn Vranitzky habe ihm etwa beigebracht, dass man einen „höheren Ernst“, als er ihn in seiner Anfangszeit als Bürgermeister vielleicht gehabt habe, einzubringen habe.

Der feierlichen Veranstaltung, die musikalisch von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker begleitet wurde, wohnten viele prominente Gäste aus Politik und Wirtschaft bei, darunter der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer (SPÖ), die Minister Hans Peter Doskozil, Thomas Drozda und Pamela Rendi-Wagner (alle SPÖ), Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne), der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch und LIF-Gründerin Heide Schmidt.

Franz Vranitzky - Eine Karriere

Zum 80. Geburtstag zeigt „Menschen & Mächte“ Lebensstationen des früheren Bundeskanzlers Franz Vranitzky.

Kanzler von 1986 bis 1997

Franz Vranitzky war vom 16. Juni 1986 bis 21. Jänner 1997 Bundeskanzler, davor war er seit 1983 Finanzminister im Kabinett von Fred Sinowatz. Vranitzky hatte nach seiner Matura 1955 an der Wirtschaftsuniversität Wien Handelswissenschaften studiert. Seine berufliche Laufbahn hatte ihn unter anderem zur Siemens-Schuckert GesmbH, zur Oesterreichischen Nationalbank und dann als Vorstandsvorsitzender zur Österreichischen Länderbank geführt. Nach seinem Ausstieg aus der Politik 1997 fungierte er als OSZE-Sonderbeauftragter für Albanien und kehrte danach in die Privatwirtschaft zurück.

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