14-Jährige erstochen: Bruder wohl älter

Der angeblich 18-Jährige, der in Favoriten seine Schwester mit unzähligen Messerstichen getötet hat, dürfte in Wahrheit deutlich älter sein. Der Verdacht erhärtet sich immer mehr, wie Recherchen der APA ergaben.

Die Eltern des Mordverdächtigen waren seinerzeit mit mehreren Kindern aus Afghanistan geflüchtet, wobei die erste Station ihrer Flucht Pakistan war. Schon die dortigen Behörden zweifelten am behaupteten Alter des nunmehr mordverdächtigen, angeblich am 1. Jänner 1999 geborenen Sohnes. Dieser soll deshalb in Islamabad sogar geröntgt worden sein.

Unterschiede beim Strafrahmen

Die Staatsanwaltschaft Wien hat sich jedenfalls entschlossen, das Alter des vorgeblich 18-Jährigen nun von einem Sachverständigen überprüfen zu lassen. Dies ist insofern von Bedeutung, als der Mann - sollte er wegen Mordes angeklagt werden - mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen muss, falls er zum Tatzeitpunkt älter als 21 war. Nur als sogenannter junger Erwachsener käme für ihn der privilegierte Strafrahmen in Betracht, den das Jugendgerichtsgesetz für Personen im Alter zwischen 18 und 21 vorsieht.

Ist er älter, müsste der Mann im Fall einer Anklageerhebung und Verurteilung wegen Mordes mit einer Freiheitsstrafe zwischen zehn und 20 Jahren oder lebenslang rechnen. Offen ist, ob sich der Mordverdächtige gegen Untersuchungen zur Abklärung seines Alters wehren kann. Experten gehen davon aus, dass er ohne seine Zustimmung jedenfalls keinen ionisierenden Strahlen ausgesetzt werden darf.

Auch Alter des Mädchens unklar

Zulässig wäre demnach aber eine Magnetresonanztomografie, da dabei keine Strahlenbelastung entsteht. Unproblematisch wären wohl auch die anthropologische Begutachtung der Handwurzelknochen und des Kiefers, aus denen sich üblicherweise auf das wahre Alter eines Menschen schließen lässt. Auch hinsichtlich der Getöteten bestehen Zweifel, ob das Mädchen wirklich 14 und nicht deutlich älter war. Obwohl es in strafrechtlicher Hinsicht keine entscheidende Rolle spielt, wurde die Leiche dahin gehend untersucht. Das Ergebnis ist noch ausständig.

Bereits zweieinhalb Monate vor ihrem Tod hat eine 14-jährige Afghanin ihren Bruder, ihren mutmaßlichen späteren Mörder, sowie ihren Vater wegen fortgesetzter Gewalt angezeigt. Das hat die Staatsanwaltschaft Wien bestätigt - mehr dazu in Mordopfer hatte Vater und Bruder angezeigt.

14-Jährige wohnte in Krisenzentrum

Wenige Tage vor ihrer Ermordung im September ersuchte das Mädchen von sich aus wieder um Aufnahme in einem Krisenzentrum. Am Montag, dem 18. September, wurde das Mädchen auf dem Weg zur Schule erstochen. Ihr 18-jähriger Bruder soll ihr auf dem Weg aufgelauert und sie in einen Innenhof in der Puchsbaumgasse verfolgt haben. Anrainer hörten laute Schreie und alarmierten die Polizei - mehr dazu in Erstochene 14-Jährige wohnte in Krisenzentrum.

Die U-Haft über den mordverdächtigen Bruder - er soll seine Schwester mit zumindest 13 Messerstichen getötet haben - ist vom Landesgericht vor wenigen Tagen bis Anfang November verlängert worden. Ob und inwieweit der Vater oder andere Familienmitglieder in die Bluttat verwickelt waren bzw. davon wussten, ist Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen - mehr dazu in Erstochene 14-Jährige hatte Freund.

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