Hofer: „Häupl hat die Grünen abgefrühstückt“

Politikexperte Thomas Hofer erklärt die schweren Verluste für die Grünen in Wien auch mit der Wahlstrategie des Koalitionspartners SPÖ. „Häupl hat die Grünen abgefrühstückt“. Der Politberater sieht aber auch Selbstverschulden.

Das Minus der Grünen macht in Wien (ohne Briefwahlstimmen) mehr als elf Prozentpunkte aus. Gleich sechs Bezirke mussten die Grünen abgeben - damit liegen sie in keinem Wiener Bezirk mehr an der Spitze - mehr dazu in Sieben Bezirke haben die Farbe gewechselt. Hofer erklärt das schlechte Abschneiden mit dem „guten Ergebnis“ der SPÖ in Wien. „2015 war es bei der Landtagswahl ja auch so, dass Häupl die Grünen abgefrühstückt hat als quasi Anti-Strache“, sagte Hofer gegenüber Radio Wien - mehr dazu in Grüne verlieren am stärksten an SPÖ.

„Die Grünen sind aber schon auch selber für dieses desaströse Ergebnis verantwortlich“, so der Politberater, der nun das Köpferollen an der Parteispitze „als vorprogrammiert“ sieht.

Kern „noch einige Zeit an Spitze“

Für Hofer ist nun die entscheidende Frage, wie es bei der SPÖ weitergehe. Bundeskanzler Christian Kern sei nach dem Wahlergebnis fast gelöst gewesen. „Ich traue ihm zu, dass er noch versucht, einige Zeit an der Spitze der SPÖ zu bleiben. Normalerweise muss man sagen, wenn man es als Kanzler nicht schafft auf Platz eins zu bleiben, dann ist da auch ein gewisses Ablaufdatum da.“

Die SPÖ habe zwar das Schlimmste verhindert, eine Niederlage sei es trotzdem. Dass Kern als Bürgermeister nach Wien wechselt, ist für Hofer alles andere als gewiss. „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das so schnell passiert. Es kommt darauf an, wie man es anlegt in der SPÖ. Will man noch in die Regierung? Wenn man noch dort rein will, dann wird er nicht unbedingt vorne stehen, zumindest wenn man die kleine Chance auf Schwarz-Rot wahrnehmen will.“ Außerdem würde der jetzige Wohnbaustadtrat Michael Ludwig jetzt Fakten schaffen wollen in Richtung Jänner, um endlich Bürgermeister und Wiener SPÖ-Chef zu werden.

Schwarz-Blau für Hofer „aufgelegt“

Das gute Abschneiden der ÖVP in Wien bezeichnet Hofer als beachtlich, sei aber mit dem Spitzenkandidaten Sebastian Kurz erklärbar. „Deswegen war auch klar, dass er die in Wien eigentlich am Boden liegende ÖVP nach oben reißen wird.“

Für Hofer ist eine schwarz-blaue Regierung „aufgelegt. Die beiden sind Wahlsieger, es gibt nicht viel, was sie trennt. Es gibt ein paar Punkte, die mich zweifeln lassen, aber eigentlich geht es in die Richtung“, so Hofer. Es gehe um die Frage, wie hoch die FPÖ den Preis nach oben treibe. Wenn man Dritter wird, könne man mit Rot und Schwarz „ein bisschen spielen“.

Peter Pilz eine „Einmannpartei“

Für Peter Pilz - der erstmals mit eigener Liste angetreten ist - wird es laut Hofer schwierig, das Ergebnis „in den nächsten fünf Jahren zu halten“, da es sich um eine Einmannpartei handle. „Es ist alles auf ihn zugeschnitten. Insofern wird es schwierig sein, jemanden zu finden, der dann in seine Fußstapfen treten kann.“

Dass NEOS den Wiedereinzug geschafft hat, beurteilt Hofer aufgrund der Ausgangslage, „wo sich alles nach vorne konzentriert hat“, als Erfolg. „Man muss sich jetzt eine neue Strategie für die kommenden fünf Jahre überlegen, denn das nächste Mal ist es nicht von vornherein fix, dass man den Einzug schafft“, so Hofer.

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