„Letzte Nacht“: Gratisbuch wird verteilt

Rund 100.000 Gratis-Exemplare des Romans „Letzte Nacht“ werden ab sofort an rund 200 Orten verteilt. Diesmal wurde ein Arbeiterroman über Alltagshelden ausgewählt. Der Autor Stewart O’Nan ist derzeit in Wien anzutreffen.

Wir befinden uns in einer Filiale des „Red Lobster“ an der US-Ostküste im Bundesstaat Conneticut. Der Laden steht wenige Stunden vor der Schließung, er ist nicht rentabel genug. Der Filialleiter hat die Aufgabe, seine Angestellten zu motivieren, in dieser letzten Nacht noch einmal zu arbeiten - obwohl die meisten von ihnen ihre Jobs verlieren.

Der Autor ist gelernter Flugzeugingenieur

Stewart O’Nans Roman „Letzte Nacht“ ist ein Arbeiterroman über Alltagshelden, die den täglichen Kampf nie aufgeben. „Sie können sich das nicht erlauben. Besonders nicht in Amerika, wo Optimismus als größte Tugend gilt“, so O’Nan gegenüber der APA. Der 56-jährige Autor selbst arbeitete eigentlich als Flugzeugingenieur, bevor er merkte, dass er schreiben möchte und Literatur studierte. Sein erster Roman „Transmission“ erschien 1987, mehr als zehn weitere folgten. O’Nans Lieblingsthema in seinen Romanen ist die Schattenseite des „amerikanischen Traums“.

Stewart O' Nan
Eine Stadt. Ein Buch/Stefan Joham
O’Nan ist eigentlich gelernter Flugzeugingenieur

„Seine Bücher zeichnen sich dadurch aus, dass er Menschen beschreibt wie du und ich, also Mittelstand, die zum Teil ihr Geld verloren haben und trotzdem versuchen zu überleben“, meint Helmut Schneider, Initiator der Gratisbuch-Aktion.

Häupl verteilte zum letzten Mal

Zum letzten Mal als Bürgermeister verteilte Michael Häupl (SPÖ) die ersten Exemplare persönlich. Die Stimmung des Buches kennt er also ein wenig: „Ich habe es von so vielen Freunden gelernt, die gesagt haben: ‚Zu dem Zeitpunkt gehe ich in Pension‘ und die bis zur letzten Sekunde voll einhundert Prozent in ihrem Job gegeben haben. Und dann auch weggegangen sind. Und was besonders imponierend ist: Dann nicht - wie sagt man in Wien so schön - nachgemosert haben. Das ist auch etwas, was ich mir eindringlich vorgenommen habe“, sagte er im „Wien heute“-Interview.

Eine Stadt ein Buch
ORF
Zum letzten Mal war Häupl als Bürgermeister bei der Aktion

Im Fokus sind gesellschaftspolitische Themen

„Eine STADT. Ein BUCH“ findet heuer bereits zum 16. Mal statt. Die Idee dahinter sei es „Menschen zum Lesen zu motivieren, denn Lesen ist ein wichtiger Zugang zu Bildung“, so Projektleiterin Johanna Schenk. Zudem wolle man den „Wienerinnen und Wienern internationale Autoren näher bringen.“

Es sei ein Anliegen, stets Bücher auszuwählen, die sich mit gesellschaftspolitischen Themen beschäftigen. Dieses Mal geht es um Arbeit - was mit zunehmend prekären Arbeitssituationen vieler Menschen, auch in Europa, seit Jahren ein wichtiges Thema ist. Im vergangenen Jahr kam das Gratisbuch von Michael Ondaatje - mehr dazu in Gratisbuch 2016: „Katzentisch“ von Ondaatje.

Eine Stadt ein Buch
ORF
Über 200 Verteilstellen gibt es in ganz Wien

Veranstaltungshinweis: Am Freitag, dem 10.11. um 19.30h findet eine Diskussion mit dem Autor Stewart O’Nan in der Wien Energie-Welt bei Spittelau statt.

Über 200 Verteilstellen in ganz Wien

Ab heute werden 100.000 Exemplare des Romans an 226 Verteilstellen in ganz Wien verteilt. Darunter finden sich viele Cafés, Büchereien und Volkshochschulen. An manchen Orten seien die Bücher laut Schenk schon innerhalb der ersten zwei Tage vergriffen: „Das ist aber auch unterschiedlich.“ Einen Überblick über die Verteilstellen können sich Interessierte über die Webseite verschaffen.

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