Wien bei Elektroautos Schlusslicht

Elektroautos gelten als umweltfreundliche Alternative. Seit ihr Kauf gefördert wird, steigt die Zahl der E-Autos in Wien deutlich - trotzdem ist Wien im Bundesländervergleich immer noch Schlusslicht. Das liegt auch an der Infrastruktur.

Anstecken statt auftanken: Seit vier Jahren ist Helmut Fitz nur noch elektrisch unterwegs: „Ich glaube, dass das Verbrennen von Benzin kleine Zukunft hat und schädlich ist, deshalb wollte ich ein Elektroauto schon seit vielen Jahren. Aber es war kaum eines am Markt und wenn dann sehr teuer. Jetzt habe ich aber zugeschlagen, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis gestimmt hat“, sagt er im „Wien heute“-Interview.

Heuer 371 E-Autos zugelassen

In Wien geht es mit den Elektroautos nur schleppend voran - wenn auch mit positiver Tendenz. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der E-Autos um mehr als die Hälfte gestiegen, inzwischen zählt Wien 1.400 Elektroautos. Seit Jahresbeginn wir der Kauf eines E-Autos gefördert, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 gibt es 2017 ein Plus bei Zulassungen von über 50 Prozent. Dennoch wurden in Wien im ersten Halbjahr 2017 gerade einmal 371 E-Autos zugelassen - das sind 0,9 Prozent aller Zulassungen. Damit ist Wien Schlusslicht im Bundesländervergleich.

Elektroauto
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Helmut Fitz fährt seit vier Jahren nur noch elektrisch

TU-Forscher Paul Pfaffenbichler beschäftigt sich seit langem mit den Möglichkeiten von Elektromobilität in der Stadt: „Grundsätzlich empfehlenswert ist die Förderung gewerblicher Flotten - hier könnte man auch Ausnahmen von Zufahrtsbeschränkungen oder eine Bevorzugung bei Ladezonen für elektrisch angetriebene Fahrzeuge einführen.“ Für die privaten Elektroautos sei hingegen vor allem ein Ausbau der Ladestationen notwendig.

Ausbau der Ladestellen geplant

Vor allem innerstädtisch klagen viele Elektroautofahrer über zu wenige öffentliche Ladestationen. Weil es in Wien noch so wenige Elektroautos gibt, ist der Ausbau lange keine Priorität gewesen. Das soll sich nun ändern. „Wir haben als Wien Energie gesagt, wir wollen diese Henne-Ei-Problematik lösen oder zumindest einen Teil dazu beitragen. Wir haben bereits 500 Ladestellen ausgebaut und bis 2020 kommen noch einmal 1.000 dazu“, so Wien Energie-Sprecher Boris Kaspar - mehr dazu in Stadt verspricht 500 neue E-Ladesäulen.

Elektroauto Norwegen
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In Norwegen zahlen E-Autos keine Parkgebühren

„Mutter Erde“-Schwerpunkt

„2° sind mehr, als du denkst“ lautet das Motto des diesjährigen ORF-„Mutter Erde“-Schwerpunkts. Von 10. - 17. November widmet sich der ORF auf allen seinen Kanälen dem Klimaschutz.

Auf die Ladeinfrastruktur ist Helmut Fitz nicht angewiesen, er tankt seinen Strom jeden Tag zuhause in der eigenen Garage. Das reicht für die täglichen Fahrten, die er mit seinem Elektroauto absolviert - seit Kurzem mit grünem Kennzeichen. „Für mich bedeutet es einfach, ein Zeichen zu setzen und andere aufmerksam zu machen - weil ich stolz bin, elektrisch unterwegs zu sein. Aber Vorteile bringt das in Wien keine, da gibt es keine Angebote“, schildert Fitz.

In Norwegen keine Parkgebühren für E-Autos

Andere Länder nutzen das Kennzeichen auch, um Elektroautos zu begünstigen. In Norwegen dürfen sie etwa auf der Busspur unterwegs sein und bezahlen keine Parkgebühren. Beim Kauf fallen weniger Steuern an. Das kommt für Wien derzeit nicht infrage. „Grundsätzlich ist zu sagen, dass Wien hier eine eher vorsichtige und behutsame Strategie verfolgt hat bei der Förderung der E-Mobilität“, sagt Pfaffenbichler.

Elektroauto Grünes Kennzeichen
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Das grüne Kennzeichen hat in Wien keine Vorteile

Denn erklärtes Ziel der Stadt ist, den Anteil des privaten Autoverkehrs in der Stadt zu senken - und Platz für Öffis, Rad und Fußgänger zu gewinnen. Und da ist es egal ob die Autos mit Benzin unterwegs sind - oder mit Strom - mehr dazu in Autos sollen weniger Raum bekommen.

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