Andreas Schieder: 48-jähriger Pragmatiker

Andreas Schieder bewirbt sich um das mächtige Amt des Wiener SPÖ-Chefs und tritt gegen Wohnbaustadtrat Michael Ludwig an. Damit wird der 48-Jährige zum Kandidaten der Parteilinken, obwohl er vor allem als Pragmatiker gilt.

In den vergangenen vier Jahren lenkte Schieder den Parlamentsklub der Sozialdemokraten. Die Anzeichen für seine Kandidatur verdichteten sich zuletzt stark - mehr dazu in Schieder-Kandidatur wird wahrscheinlicher. Im Vergleich zu anderen Alternativen im linken Parteiflügel gilt er als deutlich gemäßigter und könnte dadurch auch in die Parteimitte wirken, was seine Chancen erhöhen würde.

Andreas Schieder
APA/Georg Hochmuth
Andreas Schieder stammt aus einer SPÖ-Familie

Immer wieder gab es Positionen, wo er deutlich von der Linie der Parteilinken abgewichen ist. So war er etwa unter den SPÖ-Spitzenpolitikern Vorreiter, was ein Vollverschleierungsverbot in der Öffentlichkeit angeht.

Vater lange SPÖ-Politiker

Schieder war bereits als Jugendlicher SPÖ-Funktionär: Von 1994 bis 1997 war er Vizepräsident der Sozialistischen Jugendinternationale, im Anschluss zwei Jahre Präsident der Europäischen Jungsozialisten. Schieder stammt aus einer politischen Familie. Sein 2013 verstorbener Vater Peter gehörte über viele Jahre zu den mächtigsten Männern der SPÖ, sowohl im Bund, etwa als Zentralsekretär, als auch in Wien als Umweltstadtrat.

Schon vor seinem 30. Geburtstag sicherte sich Andreas Schieder einen Sitz im Wiener Gemeinderat, deutlich vor dem 40er zog er in den Nationalrat ein, damals schon als Nachfolger seines Vaters Vorsitzender der SPÖ Penzing, der er bis heute ist, obwohl er in der Leopoldstadt lebt.

Sonja Wehsely und Andreas Schieder vor Beginn der Eröffnung des Balles der Wiener Philharmoniker im Jänner 2017
APA/Georg Hochmuth
Sonja Wehsely und Andreas Schieder beim Philharmonikerball im Jänner

Klubchef unter Faymann

Kurz vor der Neuwahl 2008 übernahm Schieder das Beamten-Staatssekretariat, nach dem Urnengang wurde der studierte Volkswirt dem damaligen ÖVP-Chef und Finanzminister Josef Pröll zur Seite gestellt, wobei vor allem die Rettung der Kärntner Hypo zum Stolperstein werden hätte können. Faymann machte ihn anschließend zum Klubchef der SPÖ. Die Fraktion führte Schieder mit nicht allzu strenger Hand.

SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder (L.) und ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka im Mai
APA/Robert Jäger
Als Klubchef sein Koalitionsgegenüber: ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka

Nikolaus Scherak würde ihn auf Insel mitnehmen

Als Schwäche ausgelegt wird Schieder manchmal, dass es ihm lange nicht gelungen war, im Parlament eine wirklich tragfähige Achse zur FPÖ aufzubauen, auch wenn man nach Aufbrechen von Rot-Schwarz doch einige Beschlüsse gemeinsam mit den Freiheitlichen zustande brachte.

Mit anderen Oppositionsparteien arbeitete Schieder immer wieder zusammen, etwa mit der Grünen-Abgeordneten Berivan Aslan, mit der Schieder die Rechte der Kurden propagierte. Auch mit NEOS-Vizeklubchef Nikolaus Scherak dürfte er sich gut verstehen, würde ihn dieser doch auf eine „einsame Insel“ mitnehmen, wie er unlängst in einem Interview verriet. Etwas überraschend mag sein, dass Schieder auch mit ÖVP-Hardliner Wolfgang Sobotka sehr gut kann.

Leidenschaftlicher Rapid-Anhänger

Zu den Leidenschaften Schieders zählen gutes Essen, Rapid und auch aktiver Sport. Gerne lässt er sich beim Mountainbiken oder Wandern abbilden, wie es dem Chef der Naturfreunde ohnehin gut ansteht. Schieders Lebensgefährtin ist Sonja Wehsely, lange Sozialstadträtin und ebenfalls mit Bürgermeisterambitionen ausgestattet. Die beiden haben einen gemeinsamen, inzwischen erwachsenen Sohn.

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