Häupl-Nachfolge: 981 Delegierte entscheiden

Das Match um die Nachfolge von Bürgermeister Michael Häupl wird am 27. Jänner entschieden. 981 Delegierte sind bei dem Sonderlandesparteitag stimmberechtigt. Große Relevanz kommt dabei den Bezirksorganisationen zu.

Die SPÖ-Bezirksorganisationen stellen fix 600 Delegierte, also etwas weniger als zwei Drittel, hieß es aus der Landespartei. Dabei gilt: Die Anzahl der jeweiligen Delegiertenstimmen bemisst sich nach der Mitgliederstärke der Bezirkspartei - je mehr Mitglieder, desto mehr Wahlberechtigte. Die genaue Aufschlüsselung wird von der Partei allerdings weiterhin nicht verraten.

Bezirke nicht geschlossen

Kandidat Michael Ludwig, derzeit Wiener Wohnbaustadtrat, kommt aus Floridsdorf, Kandidat Andreas Schieder, der im Moment geschäftsführenden SPÖ-Klubchef im Bund ist, aus Penzing. Dass die Flächenbezirke geschlossen Ludwig unterstützen und die Innergürtelbezirke Schieder, dürfte kein zulässiger Schluss sein. Denn nach Schieders Bekanntgabe, gegen Ludwig in den Ring zu steigen, erklärten etwa Landtagspräsident Harry Kopietz (Floridsdorf) oder Gemeinderatsvorsitzender Thomas Reindl (Donaustadt) ihre Unterstützung für Schieder - mehr dazu in Ludwig: „Kein Problem“ mit Antreten Schieders.

Geschwerkschaft stellt 120 Delegierte

Zu den 600 Bezirksdelegierten kommen noch 157 Abgesandte des Wiener Ausschusses. Dabei handelt es sich um das größte Gremium der Landespartei, in dem die Parteispitze, Gemeinderäte und Bezirksvorsteher genauso vertreten sind wie rote Mitglieder der Bundesregierung. Dazu kommen noch 204 Vertreter von rund 30 roten Organisationen, wovon allein 120 von der Gewerkschaft gestellt werden.

Der Rest entfällt auf Vorfeld- und Teilorganisationen wie die Sozialistische Jugend, die Kinderfreunde, die Mietervereinigung, den Wirtschaftsverband oder auch die Red Biker und den Arbeitersängerbund. Auf sie kommen je ein bis sechs Stimmberechtigte. Der Rest auf die Gesamtzahl von 981 wird vom Wiener Prüfungsausschuss (18) und dem Wiener Frauenkomitee (2) gestellt.

Gewerkschaft will Kandidaten „abklopfen“

Eine Präferenz wollte Christian Meidlinger, Chef der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft younion, noch nicht nennen. Man werde beide Kandidaten „abklopfen“, sagte er am Donnerstag. Es handle sich bei beiden Anwärtern um „ausgezeichnete Kandidaten“. Man werde jetzt einmal abwarten, ob es überhaupt bei diesen zwei Aspiranten bleibe.

Sollte das so sein, will die Gewerkschaft sowohl mit Schieder als auch mit Ludwig „in ausgewählten Runden“ Gespräche führen - vorrangig freilich über den Bereich Arbeitnehmer. Aber auch zu Themen wie günstiger Wohnraum oder Verkehr - Stichwort Lobautunnel - sollen beide Kandidaten Rede und Antwort stehen. „Danach werden wir unsere Präferenz bekanntgeben“, sagte Meidlinger.

Partei plant Präsentationsformate

Die Landespartei selbst will Präsentationsformate entwickeln, im Rahmen derer sich Ludwig und Schieder präsentieren und die Mitglieder ihre persönliche Meinung bilden können, kündigte Landesparteisekretärin Sybille Straubinger am Donnerstag im „Ö1-Mittagsjournal“ an. Am genauen Konzept wird noch getüftelt.

Straubinger räumte ein, dass von einigen Genossen Bedenken geäußert worden seien, „dass es zu Streitereien kommen könnte im Verlauf dieses internen Wahlkampfs“. Andererseits werde von Parteifreunden auch begrüßt, dass es nun eine Auswahl gebe. „Ich finde auch, das ist ein innerparteilicher Demokratisierungsprozess“, der auch eine Modernisierung für die Wiener SPÖ bringen könne.

Häupl äußerte sich bisher nicht

Eine Präferenz für einen der beiden Kandidaten ließ Straubinger nicht durchblicken. Und Bürgermeister Häupl, um dessen Nachfolge es immerhin geht, hat sich zum Duell bisher ebenfalls nicht geäußert. Eine enge Vertraute des Noch-Stadtchefs, Finanzstadträtin Renate Brauner, signalisierte gegenüber mehreren Medien indes ihre Unterstützung für Schieder.

Gefragt zum Zweikampf wurde am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz auch der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel. Er wollte das Rennen um die Führung in der Wiener SPÖ nicht kommentieren: „Um ehrlich zu sein, möchte ich mich da nicht einmischen. Das soll die SPÖ intern klären.“ Allerdings sei es unangenehm, wenn es bei den Regierungsparteien ein zu langes Machtvakuum gebe, sagte er.

Filzmaier: Schieder als „Kompromisskandidat“

Der Politologe Peter Filzmaier hält Schieder für einen „klassischen Kompromisskandidaten“. Der linke Parteiflügel wolle so Wohnbaustadtrat Ludwig als Chef verhindern. Mit weiteren Kandidaten oder Kandidatinnen rechnet Filzmaier nicht - wenn doch, wäre das für die Partei ein Problem, dann drohe eine „Zersplitterung“ - mehr dazu in Schieder als „Kompromisskandidat“.

Schieder gab am Mittwoch seine Kandidatur bekannt. „Ich habe in den letzten Tagen und Wochen sehr viel Zuspruch bekommen“, meinte er im Radio-Wien-Interview zu seinen Chancen - mehr dazu in Schieder: „Sehr viel Zuspruch“.

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