Handy als Ausweis: Test in Wiener Trafiken

Das Innenministerium testet in Wiener Trafiken derzeit ein neues System zur Alterskontrolle. Zum Einsatz kommt eine Handyapp, die - anders als Ausweise - fälschungssicher sein soll. Künftig könnte sie etwa auch Führerscheine ersetzen.

Getestet wird die Ausweis-App „Identity Austria“ derzeit mit der Hilfe von 22 Polizeischülern in drei Trafiken rund um die Marokkanerkaserne im dritten Bezirk. Die Nachwuchspolizisten zeigen dabei beim Zigarettenkauf über die Handyapp einen sogenannten QR-Code her, um ihr Alter nachzuweisen.

Diesen Code liest der Trafikant dann mit seinem Handy oder Tablet ab. Über eine zentrale Datenbank sieht er dann, ob der Kunde über 16 oder über 18 Jahre alt ist. Das genaue Alter wird dabei nicht übermittelt sondern nur die Information: „Person ist über 18 Jahre alt“, „Person ist zwischen 16 und 18 Jahre alt“ oder „Person ist unter 16 Jahre alt“. Zur Identifikation wird auch ein Foto des Kunden angezeigt.

Gefälschte Ausweise: „Manchmal ungutes Gefühl“

Der digitale Altersnachweis soll die Arbeit der Trafikanten erleichtern. Seit 2017 sind für sie Ausweiskontrollen bei Jugendlichen Pflicht - mehr dazu in Ausweiskontrollen in Trafiken ab 2017. „Man hat manchmal ein ungutes Gefühl, weil man die Echtheit des Ausweises nicht kennt - er könnte auch gefälscht sein“, erklärte Andreas Schiefer, Obmann der Wiener Tabaktrafikanten im Interview mit „Wien heute“. Mit der App sei man hingegen auf der sicheren Seite.

Österreichweiter Einsatz ab Mitte 2018

Der Test wird vom Innenministerium unter Einbindung der Monopolverwaltung und der Wirtschaftskammer durchgeführt. „Dabei soll das technische System in Kooperation mit relevanten Stakeholdern aus der Wirtschaft getestet werden“, erklärte Markus Popolari, Projektleiter im Innenministerium.

TV-Hinweis

„Wien heute“, 3.12.2017, 19.00 Uhr, ORF2

Eine österreichweite Umsetzung soll - nach einer Evaluierung des Testbetriebs - in der zweiten Jahreshälfte 2018 erfolgen. Die IDA-App soll für die Nutzer kostenlos sein. Die Registrierung soll über die Passämter erfolgen.

IDA-App statt Führerschein

Das digitale Identitätsmanagement „Identity Austria“, kurz „IDA“, könnte künftig nicht nur für einen besseren Jugendschutz in Trafiken zum Einsatz kommen. So könnte man seine Identität bei Verkehrskontrollen laut Popolari künftig über die App nachweisen - statt mit dem Führerschein. Auch bei Bankgeschäften oder Behörden, sowie anonymen Alterskontrollen in Clubs, Supermärkten und Museen oder könnte die App eingesetzt werden.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind die gesicherte Identitätsüberprüfung zwischen Online-Usern, die elektronische Eröffnung von Bankkonten, Vollmachten und Vertretungsservices sowie Versicherungsabschlüsse. „IDA ist die konsequente und logische Weiterentwicklung von Bürgerkarte und Handysignatur, aufbauend auf dem österreichischen E-Governmentkonzept“, sagte Co-Projektleiter Peter Andre.

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