Schuldnerberatung: 40 Prozent mehr Klienten

Der Andrang bei der Wiener Schuldnerberatung ist derzeit besonders groß. Im November gab es über 40 Prozent mehr Erstklienten als ein Jahr davor. Grund sind Erleichterungen beim Privatkonkurs, die Anfang November in Kraft traten.

Normalerweise ist der November eher ein ruhiger Monat bei der Schuldnerberatung. „Im November und Dezember machen viele die Schulden, die sie dann im neuen Jahr büßen“, so Alexander Maly, Geschäftsführer der Schuldnerberatung Wien, im Interview mit wien.ORF.at. Diesen November war es jedoch anders: Gut 700 neue Klienten wurden gezählt, um über 40 Prozent mehr als im Jahr davor - damals waren es knapp 490.

Der Grund: Seit 1. November gelten neue Regeln für Privatkonkurse. Die Mindestrückzahlungsquote von zehn Prozent wurde gestrichen. Bei einer Pfändung müssen zudem nur mehr fünf statt sieben Jahre lang alle Einkommen über dem Existenzminimum abgeliefert werden. Auch für Menschen mit niedrigem Einkommen oder sehr hohen Schulden ist ein Privatkonkurs dadurch jetzt leichter möglich.

„Früher oft zu hohe Raten versprochen“

Zusätzlich würden sich auch viele Menschen wieder melden, die bereits einmal bei einem Privatkonkurs gescheitert seien, so Maly, weil sie etwa die Raten nicht mehr zahlen konnten. Im November hätten, zusätzlich zu den gut 700 neuen Klienten, an die 100 einen neuen Versuch gewagt.

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Alexander Maly rechnet mit einem erhöhten Andrang noch bis März oder April

„Früher wurde oft zu hohe Raten versprochen“, sagte Maly. Die Gläubiger hätten die Raten oft „hinaufverhandelt“ und einem Zahlungsplan mit einer niedrigeren Quote nicht zugestimmt - aufgrund der Mindestrückzahlungsquote von zehn Prozent bei einer Pfändung. Können die Menschen die Raten nicht mehr zahlen, „leben alle Schulden wieder neu auf“, so Maly, rückwirkend könnten auch Zinsen anfallen.

Rückzahlungsquote sogar gestiegen

Obwohl es nun keine Mindestquote mehr gibt, stieg die Rückzahlungsquote im November kurioserweise sogar. Er habe dafür auch noch keine wirkliche Erklärung, sagte Maly. Im November des Vorjahres wurden mit Zahlungsplänen im Schnitt 36,8 Prozent der Schulden zurückgezahlt, diesen November waren es im Schnitt 37,9 Prozent. Möglicherweise sei die Medienberichterstattung über die Neuerungen beim Privatkonkurs auch für zahlungskräftigere Kunden der Anstoß für eine Entschuldung gewesen, vermutete Maly.

Neue Regeln als Signal an Banken

Der Chef der Wiener Schuldnerberatung rechnet noch bis März oder April mit einem erhöhten Andrang. Danach werde die Zahl der Privatkonkurse wieder sinken. „Die Gläubiger werden vorsichtiger werden, weil Privatkonkurse einfacher geworden ist“, hoffte Maly etwa auf strengere Bonitätsprüfungen für Kredite.

Die neuen Regeln seien etwa ein Signal an die Banken: Würden diese Kredite an Menschen vergeben, die sich diese eigentlich nicht leisten könnten, sei nun auch das Ausfallrisiko höher, weil diese Menschen leichter in Privatkonkurs gehen könnten. Die Folge: Weniger Schulden für besonders gefährdete Menschen, wünschte sich Maly.

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