Nikolo-Streit: Stadtschulrat dementiert Vorwürfe

Der Stadtschulrat weist die Vorwürfe über ein angebliches Nikolo- und Christkind-Verbot in einer Wiener Volksschule zurück. Die Zeitung „Österreich“ hatte mit Berufung auf Eltern über ein bereits mehrjähriges Hausverbot berichtet.

Der „Österreich“-Bericht (Montagausgabe) über die Volksschule Jochbergengasse in Floridsdorf sei „vollständig falsch“, erklärte der Wiener Stadtschulrat in einer Aussendung. Nikolo und Christkind seien Teil des schulischen Alltags in Wien und es habe auch in der Floridsdorfer Schule nie ein Hausverbot für den Nikolo gegeben.

Nikolaus-Treffen in Deutschland
APA/dpa/Oliver Berg
In der Volksschule werden laut Stadtschulrat Nikolaussackerl verteilt

Dass es keinen Nikolausbesuch gebe, habe vielmehr folgenden Grund: „Bisher hat der Elternverein, der üblicherweise an Wiener Volksschulen einen Nikolausauftritt organisiert, dies nicht getan“, so der Stadtschulrat. „Sollte dieser organisiert werden, würde sich die Schule freuen.“ Der Elternverein der Schule würde jedoch Nikolaussackerl für alle Kinder organisieren. Die Schule ist laut Stadtschulrat derzeit zudem mit von den Kindern gebastelten Nikoläusen dekoriert, im Eingangsbereich gibt es einen Christbaum.

Kreuze laut Zeitungsbericht abgenommen

„Österreich“ hatte mit Berufung auf anonym bleibende Eltern berichtet, dass der Nikolo in der Schule seit Jahren Hausverbot hätte, „aus Rücksicht auf die vielen nicht-christlichen Kinder“ seien zudem alle christlichen Symbole verpönt. In den Klassenzimmern seien die Kreuze abgenommen worden, und das Weihnachtsfest heiße nun „Winterfest“. Schweinefleisch gebe es hingegen keines mehr, auch das Bild des Bundespräsidenten würde fehlen.

Zudem seien Dutzende Mädchen verschleiert, Abmeldungen vom Turn- und Schwimmunterricht aus religiösen Gründen würden toleriert und es gebe verpflichtenden Türkischunterricht, hieß es in dem Zeitungsbericht weiter.

„Schule bietet kein Essen an“

Auch diese Vorwürfe dementierte der Stadtschulrat. „Das Kruzifix hängt entsprechend der gesetzlichen Vorgaben hierzu in einigen Klassenräumen“, hieß es. Auch das Bild des Bundespräsidenten hänge vor der Direktion und neben dem Christbaum - pro Schule werde hier von der Stadt nur ein Bild zur Verfügung gestellt. Auf der Einladung zum „Winterfest“ werde auch Weihnachten angeführt - es gebe analog auch ein „Sommerfest“.

Abmeldungen vom Turn- und Schwimmunterricht wären gesetzlich gar nicht möglich, betonte der Stadtschulrat in der Aussendung. Der Türkischunterricht sei keineswegs verpflichtend - für Schüler mit Türkisch als Erstsprache würden Sprachstunden als unverbindliche Übung integrativ angeboten. Es gebe an der Schule derzeit nur zwei Mädchen mit Kopftuch, die neu an der Schule seien - und man führe mit der Familie Gespräche, um diese umzustimmen.

Und auch der Vorwurf, es gebe kein Schweinefleisch, stößt bei der Schulbehörde auf Unverständnis: „Diese Volksschule ist eine Halbtagsschule, daher ist der Vorwurf, dass es kein Schweinefleisch zum Essen gäbe nicht nachvollziehbar: Die Schule bietet kein Essen an!“

Zeitung veröffentlicht Klarstellung

Die Zeitung „Österreich“ reagierte am Montagnachmittag mit einer Klarstellung. Demnach würden die Eltern die berichteten Informationen nach wie vor bestätigen. Zum Nicht-Besuch des Nikolos wird jedoch konkretisiert, dass dagegen entschieden wurde, weil die Lehrer argumentiert hätten, dass die Kinder Angst hätten.

Die Nicht-Teilnahme von mehreren muslimischen Mädchen am Schwimmunterricht werde von den Lehrern toleriert, heißt es weiter. Das Schweinefleisch werde tatsächlich nicht von der Schule nicht verabreicht, „sondern vom im selben Gebäude befindlichen Hort“. Das sei allerdings „in den Augen der Eltern auch Teil des Gesamtklimas an dieser Schule“.

In Bezug auf das „Winterfest“ bestätigte die Zeitung die Erwähnung von Weihnachten. Was die Eltern jedoch empört habe, sei, dass ihnen mitgeteilt worden sei, dass das Fest „aufgrund der Rücksichtnahme auf andere Religionen“ jedenfalls „Winterfest"zu heißen habe.

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