AUA: Mitarbeiter lehnen Gehaltsangebot ab

Im Arbeitskonflikt bei der AUA stehen die Zeichen weiterhin auf Konfrontation. Bei einer Betriebsversammlung lehnten die Mitarbeiter am Mittwoch das Gehaltsangebot der AUA laut Betriebsrat klar ab.

„Die Betriebsversammlung war überwältigend gut besucht und hat eine klare Absage an das Angebot des Arbeitgebers gebracht“, so AUA-Bord-Betriebsrat Rainer Stratberger nach Ende der Versammlung am frühen Nachmittag. Die Betriebsversammlung war laut Stratberger bis auf den letzten Platz gefüllt, über 1.000 Mitarbeiter waren anwesend. Höhepunkt des Protestes war ein rund einstündiger Marsch über das Flughafengelände hin zur Firmenzentrale.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern habe man ein Kollektivvertragspaket geschnürt, das nun dem AUA-Management vorgestellt werde, so Stratberger. Sollte es kein Einlenken geben, werde die Belegschaft mit „kreativem Protest“ darauf reagieren. Wie dieser ausschauen könnte, wollte Stratberger nicht verraten. Im Vorfeld sprach Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida, von „Dienst nach Vorschrift“ bis hin zu Streik. Man sei bei den Gehaltsvorstellungen jedenfalls noch deutlich voneinander entfernt, so Schwarcz.

20 Flüge gestrichen

Die AUA bietet dem fliegenden Personal eine sechsprozentige Gehaltserhöhung für drei Jahre und Zuschläge bei einer Arbeitszeitflexibilisierung. Der Betriebsrat kritisiert, dass es damit nicht einmal eine Ausgleich der Inflation für alle gebe. Ein AUA-Sprecher begrüßte in einer ersten Reaktion die weitere Verhandlungsbereitschaft der Arbeitnehmervertreter und betonte, dass man immer offen für neue Gespräche sei, schließlich sei das Arbeitgeberpaket einmal ein erstes Angebot gewesen.

Auf den Flugbetrieb hatte die Betriebsversammlung größeren Einfluss. Schon im Vorfeld strich die AUA 20 von insgesamt 100 Flügen. Die Passagiere seien bereits in den vergangenen Tagen informiert worden, und man habe ihnen Umbuchungen angeboten, so AUA-Sprecher Peter Thier gegenüber wien.ORF.at. Akute, ungeplante Streichungen habe es nicht gegeben. AUA-Kunden wurde jedoch empfohlen, ihren Flugstatus vor der Fahrt zum Flughafen auf der Airline-Homepage zu überprüfen.

Verspätungen auf Langstrecke als Puffer

Bei mehreren Langstreckenflügen kam es am Mittwoch zu großen Verspätungen: So konnte beispielsweise der für ursprünglich 9.55 Uhr angesetzte Flug nach Miami etwa erst um kurz vor 12.00 Uhr starten. Auch diese Verspätungen seien geplant gewesen, so Thier, quasi als Puffer für die Flüge auf der Kurz- und Mittelstrecke. Die Passagiere seien ebenfalls bereits in den vergangenen Tagen darüber informiert worden. Die Gewerkschaft bat im Vorfeld alle Fluggäste um Verständnis für die Auswirkungen der Versammlung auf den Flugbetrieb.

Embraer Jet der AUA
APA/Austrian Airlines
Die AUA strich „vorsorglich“ 20 Flüge

Verhandlungen seit Ende November auf Eis

Die Kollektivvertragsverhandlungen für das fliegende Personal laufen seit Anfang Oktober. Seit 30. November lagen die Gespräche auf Eis. Verhandelt wird für die rund 4.000 Beschäftigten des fliegenden Personals. Dass es nicht einmal für alle einen Inflationsausgleich gebe, würden die Mitarbeiter als „skrupellos“ empfinden, sagte Betriebsrat Stratberger im Ö1-Morgenjournal. Schließlich werde die AUA heuer ein Rekordergebnis einfliegen: Der Betriebsgewinn in den ersten drei Quartalen lag das erste Mal in der Geschichte der Fluglinie in dreistelliger Millionenhöhe.

Das Unternehmen reagierte auf die Vorwürfe im Vorfeld der Versammlung überrascht: Ein Inflationsausgleich sei fixer Teil des Angebots. Die AUA bietet laut eigenen Angaben eine Lohnerhöhung von sechs Prozent in den nächsten drei Jahren an - also zwei Prozent pro Jahr, angepasst an die jeweilige Jahresinflationsrate, sollte diese über oder unter den jährlichen zwei Prozent liegen.

Diese Erhöhung gilt aber nur für die Grundtabelle und damit einen Teil der Mitarbeiter. „Das Angebot ist unterschiedlich, es reicht von 0,5 Prozent Erhöhung bis zu maximal dem Ausgleich der Inflationsrate“, konterte Betriebsrat Stratberger. Zusätzlich wird eine Gehaltserhöhung von bis zu zehn Prozent angeboten, wenn die Mitarbeiter flexibleren Arbeitszeiten zustimmen. „Hier ist aber entgegenzuhalten, dass die Kollegen im gleichen Atemzug auch mehr arbeiten müssten“, so Stratberger.

„Ordentliches Stück vom Gewinnkuchen“

Aus Sicht von Gewerkschafter Schwarcz ist es angesichts ständig steigender Passagierzahlen der AUA „längst überfällig, den Beschäftigten ein ordentliches Stück vom Gewinnkuchen zu geben“. Bei der Entlohnung in der Kabine und im Cockpit gebe es „noch viel Luft nach oben“. Die Belegschaft habe kein Verständnis dafür, dass bei den Mitarbeitern permanent der Sparstift angesetzt werde und es Auslagerungen gebe, nur um noch weniger zahlen zu müssen.

„Verwundert“ zeigte sich Schwarcz obendrein über den Verhandlungsstil der Arbeitgeberseite. Kolleginnen und Kollegen erhielten Angebote der Geschäftsführung per Mail zugeschickt bzw. würden dazu immer wieder Zahlen in den Medien auftauchen. „Dieser Stil mag in Deutschland gang und gäbe sein, wir hier in Österreich verwehren uns aufs Allerschärfste dagegen“, so der vida-Gewerkschafter. Man warte noch immer auf eine Antwort des Betriebsrats auf das Angebot, entgegnete ein Unternehmenssprecher und sei weiter gesprächsbereit.

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