Kritik an Ergebnis der Kindergartenstudie

Naturgemäß unterschiedliche Reaktionen hat das Ergebnis der Studie zu islamischen Kindergärten nach sich gezogen. Kritik kommt von der Opposition. Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) nimmt die Ergebnisse „sehr ernst“.

Wien sieht angesichts der neuen Studie zu Islamkindergärten Anlass für weitere Maßnahmen. Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) zeigte sich zwar erfreut darüber, dass es keine Indizien für religiöse Indoktrinierung gebe, trotzdem seien nach dem „Feedback“ der Forscher nun weitere Schritte zu setzen. Sprachförderung und Religion sollen dabei die Schwerpunkte sein. „Was heute publiziert wurde, wird sehr ernst genommen“, sagte Czernohorszky.

Er habe sich schon bisher dazu bekannt, dorthin zu schauen, wo es nicht so funktioniere. Nun könne man wissenschaftlich fundiert und auf der Basis von Fakten - „und mit weniger Showcharakter“ - darüber reden, was man zu tun habe. Bedauerlich finde er lediglich, dass das Forscherteam keine gemeinsame Conclusio präsentiert habe, sagte der Stadtrat. Die Studie kommt unter anderem zu dem Schluss, dass die Religion verdrängt wurde - mehr dazu in Weniger Religion in islamischen Kindergärten.

Neuer Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky  (SPÖ)
APA / Georg Hochmuth
Bildungsstadtrat Czernohorszky sieht Herausforderungen bei der Sprachförderung

Mehr Sprachförderung und mehr Pädagogen

Er selbst ziehe eine Reihe von Schlüssen aus der Arbeit, wie er berichtete. Die Sprachförderung müsse intensiviert werden. Mehrsprachigkeit sei dabei als Chance zu begreifen - denn wer sich in der Erstsprache gut ausdrücken könne, könne auch eine weitere Sprache gut lernen. Wien schneide hier jetzt schon besser ab als alle anderen Bundesländer, Czernohorszky verwies auf jüngste Evaluierungen. Trotzdem müsse es verstärkte Anstrengungen geben.

Das betrifft auch die budgetäre Ausgestaltung. Bund und Land seien hier gefordert. Die für sprachliche Frühförderung zuständigen Pädagogen wurden zuletzt auf 250 aufgestockt. Es seien aber wohl noch mehr nötig, schätzte der Stadtrat. Hier genaue Zahlen zu nennen sei aber noch zu früh.

Brisantes aus der Kindergarten-Studie

Im Vorfeld heftig umstritten, zeigt die Endfassung der Studie über islamische Kindergärten jetzt, dass es zu wenig qualifiziertes Personal gibt. Kritik wird von den Autoren auch am Streichen des Religionsunterrichts geübt. Kontrolle sei kaum mehr möglich.

Vermittlung von Religion bleibt Thema

Bildungs- und Weiterbildungsschwerpunkte sollen laut dem Ressortchef zudem den Bereich interkulturelle Kompetenzen betreffen. Vielfalt sei als positive Ressource zu sehen: „Wichtig ist dabei die Wertschätzung dafür, was ein Kind mit sich bringt, damit nicht der Eindruck entsteht, diese Kinder wären in der Stadt nicht willkommen.“ Das in den entsprechenden Lehrplänen für Pädagogen zu verankern falle aber in die Zuständigkeit des Bundes. Der Wiener Stadtrat forderte hier entsprechende Aktivitäten.

Wie Religion im Kindergarten vermittelt wird, bleibe ebenfalls ein Thema. Wien habe mit dem entsprechenden Leitfaden („Ethik im Kindergarten. Vom Umgang mit Religionen, Weltanschauung und Werten“) bereits Schritte gemacht. Auch die (katholische, Anm.) St. Nikolausstiftung habe als Träger hier schon ein sehr gutes Konzept. Um weitere Religionsgemeinschaften zu motivieren, vergleichbare Rahmenpläne zu erstellen, werde es einen runden Tisch geben, kündigte Czernohorszky an.

„Stimmung wurde durch Debatte islamfeindlicher“

Als problematisch erachte er, dass seit der Debatte über die erste - sehr umstrittene - Kindergartenstudie die Stimmung islamfeindlicher geworden sei. Die Diskussion über Islamkindergärten habe Schaden angerichtet. Das hätten auch Kinder zu spüren bekommen, nach dem Motto: „Wenn du Muslim bist, verstecke dich besser.“ Nun sei eine Politik der ausgestreckten Hand nötig, hieß es - mit Verweis auf das „Kinderrecht Religionsfreiheit“.

Laut Stadt Wien wurde vom Verfassungsdienst noch nie ein Kindergarten genannt, dessen Träger als bedenklich eingestuft wurde. Hinweisen auf mögliche islamische Indoktrinierung in den jeweiligen Einrichtungen würde zudem stets nachgegangen. Doch auch hier habe es bisher keinen einzigen bestätigten Fall gegeben, hieß es heute.

Opposition sieht Handlungsbedarf

Die Wiener ÖVP interpretierte die Studie als klaren Handlungsauftrag an das Rathaus. Nun müsse „ein fundamentales Umdenken in der rot-grünen Stadtregierung stattfinden“, so der designierte nicht amtsführende Stadtrat Markus Wölbitsch in einer Aussendung: „Es braucht tiefgreifende Lösungen statt kosmetischer Placebos.“

Die Stadt-Schwarzen verstehen darunter einmal mehr eine starke Aufstockung der Kontrollore und nicht angekündigte Überprüfungen nach „Mystery-Shopping“-Art. Man werde Czernohorszky in der nächsten Gemeinderatssitzung am 26. Jänner deshalb mit den Studienergebnissen konfrontieren, kündigten Wölbitsch und Bildungssprecherin Sabine Schwarz eine entsprechende Dringliche Anfrage an.

Regierung will pädagogische Standards verbessern

Auch der neue Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) meldete sich zu Wort. Bezüglich der Umsetzung der Empfehlungen in der Studie sieht er eine große Chance „in den kommenden Verhandlungen zur Einführung von zwei verpflichtenden Kindergartenjahren“. Die Regierung plane außerdem, die pädagogischen Standards zu verbessern, die Ausbildungsstandards zu erhöhen und einen neuen Bildungsrahmenplan zu beschließen.

NEOS sieht ebenfalls Rot-Grün am Zug. Der Ansatz bei Kontrollen müsse mehr auf die tatsächliche Arbeit mit den Kindern gelegt werden, das Personal außerdem gründlicher qualifiziert werden, forderte Bildungssprecher Christoph Wiederkehr: „Ein weiterer Fokus muss ganz massiv auf Sprachförderung gelegt werden.“

Grüne: Studie hat mit vielen Vorurteilen aufgeräumt

Der grüne Klubchef David Ellensohn zieht freilich etwas andere Schlüsse aus den Ergebnissen. Diese hätten „mit vielen Vorurteilen aufgeräumt“, religiöse Indoktrination sei nicht mehr im Vormarsch, stattdessen werde Religion zurückgenommen bzw. herausgedrängt. Es gebe dennoch genug zu tun. Es müsse in ganz Österreich in die Quantität und Qualität der Kindergärten als erste Bildungseinrichtung investiert werden.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) freute sich unter anderem über die „dringend notwendige Versachlichung“ hinsichtlich der Debatte. Als Konsequenz aus der Studie sieht man die Notwendigkeit der Erarbeitung eines religionspädagogischen Bildungsplans für den Islam, die muslimischen Betreiber seien hier einzubeziehen. „Dabei wird auch zu reflektieren und formulieren sein, was einen professionellen pädagogischen Umgang mit Religion von Indoktrination unterscheidet. Die Erziehung zu Mündigkeit fängt bereits im Kindergartenalter an“, hieß es in einer Aussendung.

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