„Zero Waste“: Jahresmüll in einem Glas

600 Kilo Müll hinterlässt jeder von uns in einem Jahr, „Zero Waste“ nennt sich die Gegenbewegung. Auch in einer Großstadt wie Wien kann man es schaffen, in einem Jahr nur so viel Müll zu hinterlassen, dass er in ein Rexglas passt.

Der Müll eines ganzen Jahres in nur einem Glas - dieses Ziel hat sich die Wienerin Annemarie Miesbauer gesetzt und erreicht. „Ich und mein Mann haben eine Doku angeschaut, wo es um Umweltverschmutzung durch Müll geht. Dann haben wir gesagt, wir wollen da nicht mehr mitmachen“, erklärt Miesbauer im „Wien heute“-Interview. Gemeinsam mit Helene Pattermann gründete die Volkschullehrerin die „Zero Waste“-Initiative, die sich darauf konzentriert, wie man möglichst wenig Müll produziert.

Zero Waste
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Der Müll eines Jahres passt in ein Glas

Müllfrei einkaufen mit eigenen Sackerln

Ein Aspekt des müllfreien Lebens ist das Einkaufen: „Am Markt kann man fast alles verpackungsfrei einkaufen, wenn man seine eigenen Sackerln mitnimmt und seine eigenen Dosen. Ich sage dann immer: ‚Bitte, gleich in mein Sackerl.‘“, so Miesbauer. Bei Obst und Gemüse geht das genauso gut wie bei Nüssen, Trockenfrüchten, Käse und Eiern, schildert Pattermann. „Wir sind immer am Markt unterwegs oder in Unverpacktläden“, sagt Miesbauer.

Unverpacktläden, wie beispielsweise der Greißler in der Albertgasse im achten Bezirk, bieten die meisten Produkte in Bioqualität und ohne Verpackung an. Viele Lebensmittel kann man sich in mitgebrachte Behälter abfüllen lassen. Das Angebot reicht von Essig und Olivenöl bis hin zu verschiedenen Tees und Gewürzen. Getränke und Milchprodukte werden in Pfandflaschen angeboten. Auch der Inhaber Alexander Obsieger lebt nach dem Zero-Waste-Vorbild - mehr dazu in Greißler probt Einkaufen ohne Verpackungen.

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In Unverpacktläden kann man seine eigenen Behälter mitbringen

Stoffwindeln und selbst gemachte Feuchttücher

„Ich reduziere weitgehend Müll. Wenn etwas verpackt ist, dann schaue ich, dass es aus nachhaltigen Rohstoffen gewonnen wird. Das heißt, ich suche mir immer den bestmöglichen Weg der Verpackung. Und wenn es geht, eben gar keine“, erzählt Obsieger. Ohne Müll geht es auch bei Hygieneartikeln wie Windeln. „Wir verwenden Stoffwindeln und Stofffeuchttücher. Die machen wir selbst. Wenn wir unterwegs sind, mit Kokosöl und Wasser, und zu Hause einfach mit einem Kübel Wasser“, schildert Miesbauer.

Null Müll

„Zero Waste“ ist eine Initiative gegen die Wegwerfgesellschaft. Zwei Wienerinnen versuchen mit einem Glas Müll pro Jahr auszukommen.

Trockenshampoo und Zahnpasta macht Pattermann selbst - genauso Deo. „Außerdem gibt es waschbare Slipeinlagen oder Menstruationstassen und waschbare Wattepads.“ Wer ohne Müll leben will, muss aber auch auf manche Bequemlichkeit verzichten und kreativ sein: „Ich brauche nicht fünf verschiedene Cremes für mein Gesicht, eigentlich reicht mir Kokosöl. Das bekomme ich ganz leicht in einer Glasverpackung, die ich dann wieder verwenden kann“, so Miesmann.

Biomüll wie Erdäpfel- oder Eierschalen wandern bei Miesbauer in eine Kiste mit Regenwürmern. Deren Kot verwendet sie als Dünger. So bleibt ihr in einem Jahr nicht mehr Müll als ein paar Speiseeis- und Medikamentenverpackungen.

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