Muti: „Ich kann nicht Walzer tanzen“

„Ich kann nicht Walzer tanzen“, hat Dirigent Riccardo Muti am Freitag in der Pressekonferenz für das Neujahrskonzert gestanden. Der 76-Jährige dirigiert zum fünften Mal beim Neujahrskonzert im Musikverein.

„Ich habe mich mit meiner Frau vor der Hochzeit bemüht, wir haben aber aufgehört, weil ich ihre Füße ruinierte“, sagte Muti über seine Walzerkenntnisse. Für das Neujahrskonzert hat er eine klare persönliche Herangehensweise: „Schubert und Strauß haben viel miteinander zu tun - sie repräsentieren die beiden Seiten der Wiener Seele.“ Weshalb Strauß-Musik als einzige auf der Welt perfekt zum Auftakt eines neuen Jahres passe, könne er selbst nicht sagen: „Aber lasst uns einen Tag im Jahr träumen.“

48 Jahre mit Philharmonikern

Er selbst dirigiere nun seit 48 Jahren durchgängig die Wiener Philharmoniker: „Und ich hoffe, ich schaffe es bis zum halben Jahrhundert.“ „Sag niemals nie“, meinte Muti zu seiner in italienischen Medien geäußerten Absicht, das Neujahrskonzert nicht mehr zu dirigieren - mehr dazu in Muti will bei Neujahrskonzert nicht scherzen.

Er habe sich doch schon oft selbst widersprochen: „Wer kann schon die Zukunft vorhersagen?!“ Er sei nun schließlich Großvater, was ihm mehr bedeute, als Vater zu sein: „Bevor ich zur Hölle fahre, möchte ich noch ein wenig Zeit mit meinen Enkeln verbringen.“ Andererseits seien die Wiener Philharmoniker seine musikalische Familie. Deshalb gelte: „Glauben Sie nie, was Dirigenten sagen.“

Dirigent Riccardo Muti und Philharmoniker Vorstand Daniel Froschauer bei einer Pressekonferenz
APA/Hans Punz
Dirigent Riccardo Muti ist zum fünften Mal beim Neujahrskonzert, für Daniel Froschauer ist es die Premiere als Vorstand der Philharmoniker

Sieben Stücke erstmals bei Neujahrskonzert

In einer neuen Rolle als musikalischer Familienvorstand präsentierte sich Daniel Froschauer als heuer frisch bestellter Orchestervorstand der Philharmoniker: „Das ist ein neuer Platz für mich.“ Umso schöner sei es da für ihn, gleich mit Muti zu arbeiten. „Wir haben eine tiefe Bewunderung für ihn“, streute der Violinist dem Maestro im Namen des Orchesters Rosen: „Ich kann das schwer in Worte fassen.“

Auch das Neujahrskonzert 2018 wird wieder ganz von den Mitgliedern der Strauß-Familie dominiert - vom flotten Auftakt mit dem Einzugsmarsch aus dem „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß Sohn über den „Marienwalzer“ von Johann Strauß Vater bis zur Polka „Eingesendet“ von Josef Strauß. Sieben Stücke werden dabei erstmals im Rahmen des Neujahrskonzerts erklingen. „Es ist wichtig, alle Aspekte eines Künstlers zu kennen und nicht die gleichen Stücke immer zu wiederholen“, sagte Muti, der sich über die Auswahl freut.

Dabei sind nicht nur einige Werke Debütanten - auch ein Komponist kommt erstmals zu Ehren am 1. Jänner: Alfons Czibulka. Der Militärkapellmeister komponierte zur Verlobung von Prinzessin Stephanie mit Kronprinz Rudolf die „Stephanie-Gavotte“, die nun im Goldenen Saal erklingt.

Übertragung in 95 Länder

Der ORF lässt sich traditionell zum 1. Jänner nicht lumpen und überträgt das Neujahrskonzert wieder parallel ab 11.15 Uhr auf ORF 2 und Ö1 - als kleines Jubiläum steht 2018 die 60. TV-Übertragung an. Mit 14 Kameras ist das ORF-Team dabei im Einsatz, werden die Bilder aus Wien doch wieder in 95 Länder übertragen. „Wir verwandeln die ganze Welt in einen großen Konzertsaal“, sagte Froschauer.

TV-Hinweise

Neben der Liveübertragung am 1. Jänner in ORF2 ist das Neujahrskonzert am 1. Jänner in ORFIII und am 6. Jänner in 3sat zu sehen.

Henning Kasten ist erstmals für die Bildregie verantwortlich, während ORF-Kulturlady Barbara Rett abermals durch den Vormittag führt. Teil der Übertragung sind auch wieder die beiden Tanzeinlagen mit Solisten des Wiener Staatsballetts zum Walzer „Rosen aus dem Süden“ und zur „Stephanie-Gavotte“, die heuer im niederösterreichischen Schloss Eckartsau sowie in Otto Wagners Hietzinger Hofpavillon gedreht wurden.

Wie Muti seinen fünften Einsatz hat auch Georg Riha als Regisseur des Pausenfilms. Der 66-Jährige widmet sich in seinem 26-minütigen Werk unter dem Titel „Wiener Moderne 1918 - 2018“ den Jahresjubilaren Otto Wagner, Gustav Klimt, Egon Schiele und Koloman Moser, deren 100. Todestag sich jährt.

Stadtgartenamtsdirektor Rainer Weisgram mit Mitarbeiterinnen bei Aufbau des Blumenschmucks für das Neujahrskonzert
APA/Hans Punz
Die Wiener Stadtgärten mit Direktor Rainer Weisgram stellen den Blumenschmuck unter das Motto Italien

Stadtgärten mit 30.000 Blüten

Bereits zum vierten Mal mit an Bord sind die Wiener Stadtgärten. 30.000 Blüten von Rosen, Amaryllis und Cymbidien hat die Mannschaft für den Goldenen Saal vorgesehen. Mit Nelken und Lilien will man hierbei der Muti-Heimat Italien huldigen. Alles Florale ist dabei in dezentem Pastell gehalten. So dominieren heuer die Farbschattierungen Rosa, Pastellorange und Frischgrün.

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