Häupl-Nachfolge: Ludwig sieht Mehrheit für sich

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, Kandidat für das Amt des Wiener SPÖ-Chefs und Bürgermeisters, sieht eine Mehrheit in der SPÖ hinter sich. Er betonte im „Wien heute“-Interview vor allem seine kommunalpolitische Erfahrung.

Einige prominente Vertreter der SPÖ, etwa die zweite Präsidentin des Nationalrats, Doris Bures, und das Präsidium der Gewerkschaft, haben sich bereits öffentlich für Ludwig ausgesprochen. Die Mitglieder der derzeit amtierenden Stadtregierung, wie Finanzstadträtin Renate Brauner, votieren allerdings eher für seinen Kontrahenten, den geschäftsführenden Klubchef im Bund, Andreas Schieder. Das sei kein Nachteil, versicherte Ludwig: „Es entscheiden 981 Delegierte, jede Stimme zählt gleich viel“, betonte er im „Wien heute“-Interview.

„Ich habe mich entschlossen zu kandidieren, weil ein großer Teil der SPÖ Wien mir schon im Vorfeld gesagt hat, dass sie mich auf diesem Weg begleiten wollen“, so Ludwig. Deshalb sei er auch zuversichtlich, dass sich die „Mehrheit der Delegierten“ am Sonderparteitag der Wiener SPÖ am 27. Jänner für ihn entscheiden werde - mehr dazu in SPÖ-Parteitag nun doch medienöffentlich.

Michael Ludwig
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Michael Ludwig sieht eine Mehrheit hinter sich

Häupl soll „Äquidistanz“ beibehalten

Bürgermeister Michael Häupl hat bis jetzt offiziell keine Empfehlung für einen der beiden Kandidaten ausgesprochen. Dabei soll es - geht es nach Ludwig - auch bleiben: „Ich gehe davon aus, dass er eine Äquidistanz zu beiden Kandidaten hat und diese auch in öffentlichen Auftritten beibehält“, so der Wohnbaustadtrat - mehr dazu in - Häupl: „Alle versammeln sich hinterm Chef“.

Fans von Schieder führen immer wieder ins Treffen, dass dieser Wien besser gegen Angriffe der türkis-blauen Bundesregierung verteidigen könne. Das will Ludwig nicht gelten lassen: „Das könnte er auch im Nationalratsklub machen, diese Logik kann ich nicht nachvollziehen.“ Er sehe seine Rolle eher darin, die Interessen der Wienerinnen und Wiener zu vertreten - und zwar gegenüber jeder Bundesregierung. Vor Maßnahmen von Türkis-Blau wolle er Wien aber ebenfalls schützen.

Live im Studio: Michael Ludwig

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig im Gespräch mit ORF-Wien-Chefredakteur Paul Tesarek.

Streicht Erfahrung in Stadtpolitik hervor

In diesem Punkt wie auch in vielen anderen Dingen sei er mit Schieder einer Meinung. Es gebe aber auch Unterschiede: „Ich denke, dass ich viel Erfahrung in der Kommunalpolitik habe, das unterscheidet mich von Andi Schieder.“ Dieser habe seinen Schwerpunkt erfolgreich in der Bundespolitik gesetzt und sich auch immer für internationale Politik interessiert. „Ich habe meinen Schwerpunkt in der Stadtpolitik gesehen“, so Ludwig.

Michael Ludwig
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Ludwig im Interview mit Chefredakteur Paul Tesarek

Den indirekten Vorwurf Schieders, dass Wien zu wenige Wohnungen errichte, wies Ludwig zurück: „Es gibt einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis, zwischen dem, was man sich vorstellen kann, und was man in der Realität umsetzt“, so der Wohnbaustadtrat. Er habe im vergangenen Jahr 130 geförderte Wohnungen in der Woche übergeben - das „gibt es so sonst in keiner europäischen Großstadt“. Den Wohnbau bezeichnete Ludwig als „Teamleistung“ der Stadtregierung - gehe es doch nicht nur um Wohnungen, sondern auch um die Sozial- und Verkehrsinfrastruktur.

Gangbetten „darf es in Wien nicht geben“

Zu der aktuellen Kritik des Stadtrechnungshofs an Gangbetten in Wiener Gemeindespitälern meinte Ludwig, dass diese berechtigt sei. „Gangbetten darf es in den Wiener Spitälern eigentlich nicht geben, außer es gibt eine unvorhergesehene Epidemie“, so der Bürgermeisterkandidat - mehr dazu in Stadt-RH kritisiert Gangbetten.

Das wollte er aber nicht als Kritik an Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) sehen, vielmehr sei es die Aufgabe des Spitalsmanagements, dafür zu sorgen, dass niemand am Gang liegen müsse. Auch grundsätzlich habe die Stadt viele Herausforderungen zu bewältigen - gerade durch das enorme Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre. Es gehe nun darum, „den Wachstumsprozess in Wien auf jene Füße zu stellen, die auch eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung vorfinden“.

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