Ludwig will „allen die Hand reichen“

Der frisch gewählte Vorsitzende der Wiener SPÖ, Michael Ludwig, hat sich in einer kurzen Rede bei seinen Unterstützern bedankt. Sein Vorgänger, Michael Häupl, wünschte ihm „Fortüne“. Die Opposition gratulierte ebenfalls.

Er wolle „auch all jenen, die mich heute nicht gewählt haben, die Hand reichen“, versicherte er. „Ich möchte die Gelegenheit nützen, mich ganz ehrlich zu bedanken für euer Vertrauen, das ich auch als Vertrauensvorschuss empfinde“, sagte Ludwig. Auch seinem Kontrahenten Andreas Schieder dankte er für die „gute Zusammenarbeit“.

Michael Ludwig
APA / Helmut Fohringer
„Ab heute gibt es nur noch eine Partei“, sagte Ludwig in seiner ersten Rede

„Noch nicht alle Herausforderungen gemeistert“

Mit dem heutigen Landesparteitag seien „noch nicht alle Herausforderungen gemeistert“. Er wolle ab heute einen „intensiven Dialog“ führen und sehr bald eine Strategieklausur abhalten, bei der sich die Partei inhaltlich und personell für die Wahl 2020 aufstellen werde. Er zeigte sich zuversichtlich, dass es gelingen werde, mit einem „Brückenschlag“ alle zu verbinden. „Ab heute gibt es nur mehr eine Partei, ein geschlossenes Auftreten.“

Wie im Vorfeld bereits angekündigt, stellte er außerdem den Antrag - der mit großem Applaus angenommen wurde - dass Michael Häupl Ehrenvorsitzender der Partei sein solle. „Damit verbinde ich auch den Wunsch, dass du uns auch in Zukunft unterstützen wirst und wir weiterhin gut zusammenarbeiten“, sagte Ludwig.

Häupl wünscht Nachfolger „Fortüne“

Der Wiener Bürgermeister und - nun ehemalige - Parteichef der Wiener SPÖ hat seinem Nachfolger Michael Ludwig beim Parteitag am Samstag zur Wahl gratuliert. „Was ich dir vor allem wünsche, ist die notwendige Fortüne“, sagte er. Denn Glück brauche man: „Auf der Titanic waren alle gesund, nur Glück haben sie keines gehabt.“ Und falls wer über ihn - also Ludwig - am Anfang „komisch“ rede, dann könne er ihn beruhigen: „Mir ist es auch nicht anders ergangen.“

„Jetzt ist es entschieden“, sagte der unterlegene Andreas Schieder in einer knappen Reaktion zur Wahl von Michael Ludwig als neuen Vorsitzenden der Wiener SPÖ beim Landesparteitag am Samstag. „Unsere Aufgabe ist jetzt, ihn und alle anderen bei der Arbeit für diese Stadt zu unterstützen.“

Glückwünsche aus der SPÖ

Der Bundesparteivorsitzende der SPÖ, Christian Kern, hat Ludwig am Parteitag zu seiner Kür gratuliert: „Du hast es geschafft. Ich wünsche dir Glück und Erfolg.“ Ludwig werde, davon zeigte sich Kern am Samstag überzeugt, „die Unterstützung von allen in diesem Raum umfassend genießen können“.

Auch von den SPÖ-Organisationen in den Bundesländern kam Gratulation. Für den burgenländischen Landeshauptmann Hans Niessl ist Ludwig „der richtige und beste Mann für Wien“. SPÖ-Steiermark-Chef Michael Schickhofer freut sich auf die Zusammenarbeit.

Koalitionspartner gratuliert

Der grüne Koalitionspartner hat dem neuen Vorsitzenden der Wiener SPÖ, Michael Ludwig, am Samstag zu seiner Wahl gratuliert. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem neuen SP-Chef und zukünftigen Bürgermeister und wünschen ihm viel Kraft für die Zukunft“, sagte David Ellensohn, Klubobmann der Wiener Grünen.

„Die Fußstapfen, in die Michael Ludwig tritt, sind groß. Entscheidend ist jetzt, dass die SP nach den internen Querelen wieder auf den koalitionären Arbeitsmodus umschaltet. Es gilt: Alle Kräfte zu bündeln und gemeinsam den rot-grünen Weg für alle Wienerinnen und Wiener weiter zu gehen“, so Ellensohn. Vor allem dürfe die Mindestsicherung in Wien nicht aufgeweicht werden und es müsse gemeinsam für den Erhalt der Notstandshilfe gekämpft werden.

Krauss: Votum gegen Ausgrenzungspolitik

Auch der neue nicht amtsführende FPÖ-Stadtrat Maximilian Krauss gratulierte Ludwig: „Herzliche Gratulation. Auch ein klares Votum gegen die sture Ausgrenzungspolitik“, schrieb Krauss auf Twitter. Die Wahl von Ludwig „als Vertreter des ‚vernünftigen‘ Flügels“ sei „als klare Abwahl der bisherigen Machthaber in der Wiener Partei zu verstehen“, befand auch der geschäftsführende Landesparteiobmann der FPÖ-Wien, Johann Gudenus.

NEOS-Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger gratulierte Ludwig zwar ebenfalls zur Wahl, übte aber deutliche Kritik an ihm: Er stehe „nicht für ein neues Politikverständnis, im Gegenteil, mit ihm wird das verkrustete System der Wiener SPÖ ohne Bruch weitergeführt“, zeigte sich Meinl-Reisinger überzeugt.

Gratulation und Forderungen von ÖVP

Der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel wünschte sich in einer Aussendung Klartext von Ludwig. Die ÖVP sei bereit, „einen künftigen Bürgermeister im Gemeinderat mitzuwählen, zu stärken und diesen Neuanfang mitzutragen. Voraussetzung dafür ist natürlich zu wissen, wofür dieser Bürgermeister tatsächlich steht und ob das für die Zukunft Wiens sinnvoll ist“, so Blümel.

Die erste Gratulation an den neuen Wiener SPÖ-Chef von außerhalb der Partei kam von der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP): Zwei Minuten, nachdem Ludwigs Wahl verkündet war, äußerte sie in einer Aussendung den Wunsch, dass „im Sinne Niederösterreichs und Wiens die Arbeit und Zusammenarbeit über Landes- und Parteigrenzen hinaus weitergeht“.

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