Karriere-Spitze für Anderl und Katzian

Renate Anderl und Wolfgang Katzian stehen mit ihren Wechseln an die Spitze von Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund vor ihren Karriere-Highlights. Beide verfügen in Wien über Erfahrung in mehreren Führungspositionen.

Zwar müssen Katzian und Anderl in den jeweiligen Gremien noch gewählt werden, jedoch ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse für die Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter die Kür sowohl im ÖGB als auch in der AK nur noch Formsache. Katzian folgt auf Erich Foglar, Renate Anderl folgt auf Rudolf Kaske - sowohl Foglar als auch Kaske ziehen sich in den Ruhestand zurück - mehr dazu in Kaske: Ludwig passt als Bürgermeister zur Stadt.

Rudolf Kaske, Renate Anderl, Wolfgang Katzian, Erich Foglar
APA/Georg Hochmuth
Renate Anderl und Wolfgang Katzian mit ihren Vorgängern Rudolf Kaske und Erich Foglar

Renate Anderl: Start als Sekretärin

Renate Anderl stammt aus Wien-Favoriten, sie begann ihre berufliche Laufbahnals Sekretärin in der Metaller-Gewerkschaft, über diverse politische Funktionen in dieser stieg sie 2014 zur ÖGB-Frauenchefin und Vizepräsidentin auf. In der Arbeiterkammer steht die 55-Jährige in den nächsten Jahren vor einer schwierigen Situation: Die Regierung hat bereits klar gemacht, dass sie von der Organisation Einsparungen erwartet. Erfolgen diese nicht, könnten ÖVP und FPÖ den Geldfluss an die Kammer gesetzlich drosseln.

Als ihr wesentlichster Förderer gilt der legendäre Metaller-Chef Rudolf Nürnberger, der die verheiratete Mutter eines Sohns und Oma eines Enkels in den späten 1980er-Jahren zur Leiterin der neu geschaffenen Frauenabteilung in ihrer Gewerkschaft machte. Der gewerkschaftliche Aufstieg von Anderl begann so richtig im Jahr 2008, als sie zur Frauenvorsitzenden bei den Metallern wurde und in den ÖGB-Bundesvorstand einzog.

2014, als Sabine Oberhauser in die Regierung wechselte, wurde Anderl ÖGB-Frauenchefin und stellvertretende ÖGB-Präsidentin. Ein Jahr später kam noch ein Mandat im Bundesrat hinzu, einen Sitz im Nationalrat verpasste sie bei der Wahl im vergangenen Oktober nur knapp. Schon in einem Jahr wird Anderl erstmals an vorderster Front stehen, wenn es in einen Urnengang geht. Bei der AK-Wahl haben die sozialdemokratischen Gewerkschafter eine große Mehrheit zu verteidigen.

Renate Anderl
APA/Georg Hochmuth
Renate Anderl geht als Arbeiterkammer-Präsidentin bereits in einem Jahr in ihre erste Wahl

Wolfgang Katzian: Präsident bei GPA und Austria

Mit seinem Wechsel an die ÖGB-Spitze gibt Katzian den Vorsitz an der Spitze der sozialdemokratischen Gewerkschafter Rainer Wimmer, Chef der Produktionsgewerkschaft „pro-ge“, ab. Dass Katzian das Amt übernimmt, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn zumindest bisher waren seine derzeitigen Posten als Chef der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter und Vorsitzender der größten Einzelgewerkschaft GPA einflussreicher.

Der ÖGB-Präsident gilt in der Gewerkschaftswelt eigentlich mehr als Repräsentationsjob. Die wahre Macht, so heißt es, läge bei den Vorsitzenden der großen Teilorganisationen wie eben der GPA oder der ehemaligen Metallergewerkschaft „pro-ge“. Katzian wird wohl antreten das zu ändern. Schon seit einem Jahrzehnt wirbt er für eine Neuaufstellung des Gewerkschaftsbunds mit dem Ziel einer Stärkung der Zentrale.

Dass sich der 61-Jährige jetzt für das Amt zur Verfügung stellt, deutet in die Richtung, dass er zumindest die Chance sieht, die überfällige Beseitigung von Doppelgleisigkeiten zwischen den Gewerkschaften zu beenden und damit zu vermeiden, dass weiterhin mehrere Teilorganisationen das selbe Feld beackern, wie es derzeit etwa im Gesundheits- oder im Verkehrsbereich der Fall ist.

Wolfgang Katzian
APA/Georg Hochmuth
Wolfgang Katzian bleibt Präsident der Wiener Austria

Mitglieder-Zuwachs in der GPA

Seine Amtszeit in der GPA, die nun auch schon fast 13 Jahre dauert, kann man durchaus als Erfolgsgeschichte sehen. Die GPA gehört zu den wenigen Teilorganisationen, die in den vergangenen Jahren regelmäßig Mitglieder zugelegt hat. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen vor allem gegen Handelskonzerne ist es auch gelungen, die Marke der Privatangestellten-Gewerkschaft, die angesichts der rechtlichen Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten eigentlich ein Anachronismus ist, öffentlich zu verankern.

Einer Koalition mit der FPÖ steht er, der auch in der Wiener SPÖ nicht ohne Einfluss ist, im Gegensatz zu anderen Spitzengewerkschaftern grundsätzlich ablehnend gegenüber. Auch gesellschaftspolitisch repräsentiert Katzian einen deutlich liberaleren Kurs als im ÖGB üblich. Inhaltlich hat sich der gebürtige Stockerauer im Nationalrat, dem er seit 2006 angehört, vor allem dem Energiesektor gewidmet und war unter anderem Hauptverhandler der SPÖ bei diversen Ökostrom-Novellen.

Das Präsidentsein üben konnte Katzian seit einigen Jahren beim Fußball-Klub Wiener Austria. Seine Avancement zum ÖGB-Präsidenten bedeutet wohl den repräsentativen Abschluss einer typischen Gewerkschafter-Karriere. Der gelernte Bankkaufmann hat in der GPA so ziemlich jede Funktion durchlaufen, die verfügbar war - vom Jugendsekretär über den Geschäftsführer bis eben zum Vorsitzenden. Nebenbei verdingte sich Katzian unter anderem auch als stellvertretender Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse sowie als Obmann der Pensionsversicherungsanstalt der Angestellten.

Neue Präsidenten von ÖGB und AK präsentiert

Wolfgang Katzian wird neuer ÖGB-Präsident. Die frühere ÖGB-Frauenchefin Renate Anderl wird die Arbeiterkammer übernehmen.

Links:

Werbung X