Landhaus-Abriss: Stadt plant Änderung

Nach dem für die Anrainer überraschenden Abriss des Restaurants „Ottakringer Landhaus“ gibt es Kritik von der Initiative Denkmalschutz. Die Stadt sieht bei solchen Fällen eine Lücke in der Bauordnung, die man bald schließen will.

„Das Besondere an diesem Haus war, dass es einer der letzten Reste der Vorstadt oder Vorortestruktur Wiens war. Diese ebenerdigen Häuser aus der Gründerzeit sind nur mehr ganz selten in Wien zu finden“, sagte Claus Süss von der Initiative Denkmalschutz gegenüber „Wien heute“. Die Stadt hätte hier längst eine Schutzzone erlassen müssen, findet die Initiative. So wäre zumindest das äußere Erscheinungsbild geschützt gewesen und ein Abriss nicht einfach so erlaubt.

Baustelle nach Abriss des Gasthauses Landhaus in Ottakring
ORF
Das „Ottakringer Landhaus“ ist am Samstag abgerissen worden

Initiative sieht keinen Einzelfall

Dem Argument des neuen Eigentümers, wonach der Bau in der Albrechtskreithgasse in den 1950er und 1960er Jahren mehrfach umgebaut worden und deshalb nur „Stückwerk“ sei, kontert Süss mit der Erklärung: „Demnach müsste man auch die Hofburg und andere imperiale Gebäude in Frage stellen, denn die sind über Jahrhunderte verändert worden.“

Die Initiative Denkmalschutz sieht zudem keinen Einzelfall. Auch viele der anderen Bereiche mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ auf Schutzwürdigkeit seien in Wiennach wie vor keine Schutzzonen. „Wir fordern eine dringende Widmung der noch offenen Gebiete“, so Süss.

Auf einem Plan der Stadt aus dem Jahr 1996 steht das Haus in einem Gebiet, in grau, das mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ schutzwürdig ist. „Es stellt sich für uns die Frage, warum eben seit mehr als zwei Jahrzehnten nichts passiert ist“, sagte Süss. Schutzzonen werden vom Gemeinderat beschlossen, in der Regel nach Vorschlag und Prüfung durch die MA 19.

Bauordnung soll geändert werden

Überraschend wurde das „Ottakringer Landhaus“ abgerissen. Die Stadt will die Bauordnung ändern, um solche Abrisse in Zukunft zu verhindern.

Änderung der Bauordnung geplant

Eine Schutzzone sei beim „Ottakringer Landhaus“ sehr wohl geprüft worden, heißt es in einer Stellungnahme der MA 19: „Ein erhaltenswertes Ensemble im Sinne einer Schutzzone war laut Wiener Bauordnung leider nicht gegeben.“ Dafür bräuchte es mindestens drei kultur- oder architekturhistorisch interessante Objekte und nicht nur eines wie im Fall des „Ottakringer Landhaus“. Man ist sich in der Stadt aber bewusst, dass es hier eine Gesetzeslücke gibt, deswegen soll die Bauordnung geändert werden.

„Der vorliegende Fall unterstreicht die Bedeutung intensiver Bemühungen im Rahmen der aktuellen Novelle der Wiener Bauordnung", so die MA 19. „Es wird angestrebt, dass der Abbruch eines Gebäudes, das vor 1945 errichtet worden ist aber außerhalb einer Schutzzone liegt, künftig nur nach Vorlage bei der MA 19 – Architektur und Stadtgestaltung möglich sein wird.“ Die Kriterien für den Erhalt des eines Gebäudes würden sich an der Authentizität des Gebäudes bzw. dessen Fassade und einer möglichen geschichtlichen, kulturellen oder künstlerischen Bedeutung orientieren.

Auch alle anderen potenziellen Schutzzonen aus dem Plan aus 1996 seien überprüft worden, betont die MA 19. Dass zum Beispiel in vielen Bereichen mit Gründerzeithäusern keine Schutzzonen erlassen wurden, liege daran, dass viele der Häuser nicht mehr in einem erhaltungswerten Zustand seien, weil die charakteristische Fassade beispielsweise bereits entfernt worden sei.

Rund 20 Wohnungen geplant

Der Ottakringer Bezirksvorsteher Franz Prokop (SPÖ) bedauerte in einer Stellungnahme gegenüber „Wien heute“ den Abriss, von dem er selbst vor einigen Wochen erfahren hatte. Auch ihm reicht die aktuelle Schutzzonen-Regelung nicht aus. „Daher trete ich in der Diskussionen dafür ein, dass eine umfassende Überprüfung der Erhaltenswürdigkeit auch von einzelnen Häusern erfolgen soll“, meinte Prokop.

Bei den Anrainern herrscht nach den überraschenden Abrissarbeiten Empörung. Der neue Eigentümer verspricht am Bauplatz „neue Lebensqualität“. Rund 20 Wohnungen sollen entstehen, „ein energieeffizienter Wohnbau mit architektonischen Highlights“ - mehr dazu in Empörung nach Gasthaus-Abriss.

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