Amor in Schönbrunn: Partnervermittlung im Zoo

Welches Männchen passt zu welchem Weibchen? Das Verkuppeln der richtigen Partner ist im Tiergarten Schönbrunn eine komplexe Angelegenheit. Als „Amor“ sind Zuchtbuchführer im Einsatz - doch nicht alle Tiere spielen mit.

Zeitgerecht zum Valentinstag hat die Einsamkeit von Kea-Männchen „Dexter“ im Tiergarten Schönbrunn nun ein Ende. Nach langer Suche wurde ein passendes Weibchen für den Papagei gefunden. „Gott sei Dank“, sagt Simone Haderthauer, zoologische Abteilungsleiterin im Tiergarten Schönbrunn. "Zurzeit ist sie noch in Quarantäne und wir warten auf die letzten Untersuchungsergebnisse. Unser Männchen wird sich wahnsinnig freuen, wenn sie bald zu ihm darf.“ Fündig geworden ist man in einem Zoo in Tschechien.

Kea im Tiergarten Schönbrunn
Jutta Kirchner
Kea-Männchen „Dexter“ in Schönbrunn erhält einen besonderen Valentinsgruß

Rund 400 Zuchtbücher als Partnerbörsen

Wie bei Keas läuft die Partnervermittlung im Tiergarten Schönbrunn in den meisten Fällen über sogenannte Zuchtbücher. Diese listen alle Tiere einer bestimmten Gattung auf, die in den am Zuchtprogramm teilnehmenden Zoos leben. Insgesamt gibt es weltweit ungefähr 400 Zuchtbücher, zwei davon führt der Tiergarten Schönbrunn: Jenes der Nördlichen und Südlichen Felsenpinguine und das der Fidschileguane.

Für jedes dieser Bücher ist ein Zuchtbuchführer verantwortlich, der in einem der Tiergärten arbeitet. Die große Liebe steht für diese „Amors“ der Tierwelt nicht an erster Stelle. Primäres Ziel der Zuchtbuchführer ist der Erhalt der genetischen Vielfalt der jeweiligen Tierart in Menschenobhut. Im Fall bedrohter Gattungen, können die Tiere dadurch auch für Wiederansiedlungsprojekte in der Natur verwendet werden.

Vor allem bei sozialen Säugetieren müssen die Zuchtbuchführer jedoch neben den Genen auch die Eigenschaften der möglichen Partner abstimmen. „Ein älteres, erfahrenes Weibchen wird einen Jungspund nicht ohne Weiteres akzeptieren. Er braucht auch eine gewisse soziale Reife“, so Haderthauer. Die Zuchtbuchführer würden sich dazu mit den Zoos absprechen, was die Tiere erlebt haben und welche Verhaltenseigenschaften sie haben.

Zwischen den Sonnenrallen „funkt“ es nicht

Auch bei Tieren könne es jedoch vorkommen, dass die Chemie trotz allen objektiven Faktoren, einfach nicht stimme: Simone Haderthauer nennt als Beispiel die Sonnenrallen, eine tropische Vogelart. „Seit 2015 ist das neue Männchen da und es tut sich in punkto Brüten gar nichts. Der Zuchtbuchführer hat die Tiere nach allen Kriterien gut ausgewählt. Genetisch, vom Alter - alles perfekt. Aber es scheint nicht zu ‚funken‘.“

Besonders gut geklappt hat das Verkuppeln dafür bei dem Faultierpärchen: „Alberta“ und „Einstein“ sorgen beinahe im Jahrestakt für Nachwuchs. Ihre Jungtiere werden jeweils nach eineinhalb Jahren an andere Zoos vermittelt - mehr dazu in Faultiernachwuchs in Schönbrunn.

Nördliche Felsenpinguine Tiergarten Schönbrunn
Daniel Zupanc
Schönbrunn führt das Zuchtbuch der Nördlichen Felsenpinguine

Künstliche Befruchtung nur in Ausnahmen

Nur in Ausnahmefällen, greift man in Schönbrunn auf künstliche Befruchtung zurück. „Die Tiere sollen möglichst viele ihrer natürlichen Verhaltensweisen ausüben, dazu gehört auch das Paarungsverhalten“, erklärt Haderthauer. Einer dieser Ausnahmefälle war die Nachzucht bei einem jungen Elefantenweibchen. Diese gelang mit Samen, die einem Wildbullen in Afrika entnommen und danach gefroren nach Wien gebracht wurden.

Austausch vor allem innerhalb Europas

Die Tiere innerhalb der Zuchtprogramme gehören keinem Zoo. Je nach Bedarf, werden sie innerhalb der Zoogemeinschaft ausgetauscht. Die überwiegende Mehrheit der Zoos kooperieren auf regionaler Ebene, um den Stress auf die Tiere, durch lange Reisen zu minimieren. „Regional“ bedeutet für Schönbrunn vor allem die Länder innerhalb Europas. Bei den Koalas hat man aber beispielsweise auch mit einem Zoo in Australien zusammengearbeitet.

Benjamin Mayer, wien.ORF.at

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