Parkour lernen in „Akademie der Stadtaffen“

Hin und wieder bekommt man sie in freier Wildbahn zu sehen, wenn sie sich mit Sprüngen und Klettereinlagen durch die Stadt bewegen. Wer von den Wiener Profis im Parkour lernen möchte, kann das jetzt in der „Ape Academy“.

„Die besten Tage im Turnunterricht waren doch die, wo das Gerätekammerl geöffnet wurde und man aufbauen durfte was man wollte. Ich bin überzeugt, das waren die Tage an denen wir am meisten gelernt haben“, sagt Nico Wlcek, der zumindest an diesen Tagen viel gelernt zu haben scheint. Denn während er redet, lässt er sich nicht anmerken, dass es kein fester Boden ist auf dem er steht, sondern eine dünne Eisenstange zwei Meter über den Matten in der „Ape Academy“.

Lernen das „Werkzeug“ Körper zu benutzen

„Ich glaube, dass dieser Antrieb zur Bewegung in jedem Kind - nein, in jedem Menschen - tief verankert ist. Man muss ihn nur wecken“, sagt Wlcek. Der Wiener hat mit einer Gruppe von Parkour- und Freerunningprofis die „Ape Academy“ gegründet. Die Halle, in der sie im 23. Bezirk untergebracht ist, hat tatsächlich Ähnlichkeit mit einem geplünderten Gerätekammerl aus Schulzeiten. Neben einem großen Trampolin, Matten, Stangen und Holzkonstruktionen gibt es auch ein riesiges aufblasbares Luftkissen.

Doch die „Ape Academy“ ist kein überdachter Spielplatz. In Kursen sollen die Teilnehmer lernen, wie sie ihren Körper richtig einsetzen. „An der Uni hatten wir junge Leute in den Kursen, die nicht wussten wie man springt. Manche wissen einfach nicht, wie sie ihren Körper ansteuern. Doch der Körper ist das Werkzeug, welches einen ein Leben lang begleiten wird und manche Menschen wissen nicht, wie man es verwendet“, erzählt Nico Wlcek. Kurse gibt es für alle Altersklassen ab vier Jahren aber auch spezielle Ausbildungen zum Beispiel für Turnlehrer werden angeboten.

Für erfahrenere Athleten bietet die „Ape Academy“ die „Open Playground-Sessions“ an. Doch auch in diesen Einheiten, ohne Kursleiter, würde darauf geachtet werden, dass nur Leute teilnehmen die weder für sich noch für andere zu einer Gefahr werden können.

Zusammenarbeit von Theater bis Red Bull

„Der Traum einer eigenen Akademie bestand schon seit Jahren“, erzählt Wlcek. Von Kampfsportarten wie Taekwondo und dem brasilianischen Capoeira kam er vor über zehn Jahren zum urbanen Hindernislauf Parkour. Neben dem Studium unterrichtete er die junge Fortbewegungskunst in Kursen am Universitäts-Sportinstitut USI.

Foto von Nico Wlcek
Benjamin Mayer/ORF
Drei Jahre suchte Wlcek nach einer passenden Halle

Die „Ape Connection“, die Gruppe von Parkourprofis rund um Wlcek, trat 2007 an Red Bull heran, mit der Idee eines Parkour- und Freerunning-Wettbewerbs. Aus dieser Idee entstand das „Red Bull Art of Motion“. Heute ist der 32-Jährige Direktor dieses Wettkampfs, bei dem sich die besten Traceure, wie man die Parkoursportler nennt, miteinander messen. Aber auch in Michael Niavaranis Adaptionen von Shakespeares „Richard dem Dritten“ und „Romeo und Julia“ standen sie als Stuntmen auf der Bühne.

Benjamin Mayer, wien.ORF.at

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