Cafe Klimt soll polarisieren und pulsieren

Die neuen Betreiber des ehemaligen Cafe Griensteidl wollen mit ihrem Konzept vor allem Touristen locken - und durchaus auch polarisieren. Medial erhielt das Cafe Klimt bisher wenig Zuspruch. Gut besucht ist es dennoch.

Trotz Minusgraden und gesalzenem Schneematsch auf dem Michaelerplatz sind im Cafe Klimt fast alle Plätze besetzt. Ein Mann stolpert über das Schild vor dem Eingang. „I’m sorry“, meint er und lacht. In silbernen Lettern prangt noch immer „Cafe Griendsteidl“ über dem Eingangsbereich. Das Griendsteidl existiert seit Juni 2017 nicht mehr. Die Eigentümer loten seitdem mit Pop-ups aus, welches Geschäftsmodell hier funktionieren könnte. Aus Griendsteidl wurde „Rien“, aus „Rien“ wurde „Klimt“.

Cafe Klimt
ORF/Michael Hammerl
Das Ex-Griensteidl auf dem Michaelerplatz hat einen neuen Mieter

Vom Hipster-Lokal zum Touristen-Hot-Spot

In der Frequenz eines Fast-Food-Restaurants verändern sich Gesichter und Sprache der Tischnachbarn. So haben es die Betreiber geplant: Ein Mix aus Touristen und Einheimischen, hohe Frequenz, schnelle Bedienung. Das kulinarische Angebot besteht - abseits der Mehlspeisen - aus drei Paninis und dem „Klimt Toast“, der mit Kartoffelchips serviert wird.

Hausgemachte, kulinarische Spezialitäten, wie im Hipster-Lokal Rien, gibt es keine. An das Rien erinnert höchstens die auffällige Deckenbemalung, die beibehalten wurde: ein Wal. Das Cafe Klimt sei als Kontrastprogramm konzipiert, erklären die Betreiber von der „Donauturm Aussichtsturm- und Restaurantbetriebsgesellschaft“. Mit der ersten Geschäftswoche sind sie zufrieden: „Bis jetzt ist das Konzept gut angekommen, das Lokal ist meistens voll.“

Cafe Klimt
ORF/Michael Hammerl
Gastronomisch ähnelt das Klimt einem Schnellrestaurant mit Bedienung

Eigentümer der Räumlichkeiten ist der Holzindustrielle Gerald Schweighofer. Das Cafe Klimt sei ein „Experiment“, sagt Thomas Huemer, Pressesprecher der Schweighofer-Gruppe. „Auch das Rien war ein Experiment, das eigentlich gut funktioniert hat“, meint Huemer. Der Betreiber, die Agentur „Friendship“, habe allerdings nicht mehr die Zeit und die Ressourcen gehabt, um das Pop-up weiterzuführen.

Klimt-Kram statt Kleinkunst

Während das Klimt auf Schnellessen, Fertigprodukte und Souvenirshop setzt, waren im Rien sämtliche Speisen hausgemacht. Zusätzlich wurden im angrenzenden Shop Exponate von Wiener Kleinkünstlern vertrieben. Der neue Shop soll stattdessen auf Klimt-Souvenirs setzen. Er werde in Kürze eröffnet, sagen die Betreiber. Als passende Werbung tragen die Kellner T-Shirts, auf denen das weltberühmte Gemälde „Der Kuss“ abgebildet ist, das der Wiener Maler Gustav Klimt 1909 fertig gestellt hatte.

Das Gemälde "Der Kuss" ziert die Shirts der Kellner
ORF/Michael Hammerl
Das Gemälde „Der Kuss“ ziert die Shirts der Kellner

In den ersten Medienberichten wird das Klimt kritisch betrachtet, teilweise auch als „Touristenfalle“ bezeichnet. Huemer sagt dazu: „Es ist eine Funktion dieses Experiments, zu polarisieren. Wir wollen einen offenen Diskurs über die Wiener Kaffeehauskultur führen.“ Ebenso offen ist, was passiert, sollte das Experiment rentabel sein. Weder Eigentümer, noch Betreiber wollen sich darauf festlegen, ob sie den Vertrag, der am Ende des Jahres ausläuft, in diesem Fall verlängern wollen.

Michael Hammerl, wien.ORF.at

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