Maskentänze im Museum für Völkerkunde

Erstmals in Europa zeigt die Ausstellung „Bön. Geister aus Butter“ im Museum für Völkerkunde die traditionelle tibetische Ritualkunst der Bön-Religion. Mönche aus Nepal und Frankreich führen für einen Monat lang ihre traditionellen Rituale durch.

„Wir wollten die rituelle Kunst im Kontext lebendiger Ritual-Traditionen präsentieren“, so Deborah Klimburg-Salter, Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung „Bön. Geister aus Butter – Kunst und Ritual des alten Tibet“, die heute beginnt. Während der einmonatigen Ausstellung im Museum für Völkerkunde werden unter anderem rituelle Maskentänze stattfinden, Fahnenstangen mit Gebetsfahnen und traditionelle Fadenkreuze hergestellt.

Traditioneller Maskentanz der Bön-Religion in Tibet
Charles Ramble, Museum für Völkerkunde
Rituelle Maskentänze sind wichtiger Bestandteil der Bön-Religion

Religiöse Rituale hautnah im Museum erleben

Lama Yangön Sherab Tenzin, ein tantrischer Meister und Linienhalter der Bön-Religion, wird erstmals nach Wien kommen und im Museum für Völkerkunde eine Reihe von traditionellen Ritualen und Live-Performances abhalten. Besucher können die Rituale hautnah im Museum erleben oder per Live-Stream auf der Homepage des Museums zusehen. Darüber hinaus wird eine Gruppe von Bön-Priestern aus nepalesischen und französischen Klöstern einen Altar schaffen, der den Göttern ihrer Religion als Wohnstätte dient.

Im Obergeschoss des Museums werden außerdem Objekte wie Teppiche, Textbücher, Bilder oder Statuen zu sehen sein, die aus der Zeit vom zehnten bis zum 20. Jahrhundert stammen. Fotos, ein Dokumentarfilm und Rollenbilder aus einem französischen Kloster veranschaulichen die Rituale.

Herstellung von Fadenkreuzen in Tibet
Charles Ramble, Museum für Völkerkunde
Herstellung von Fadenkreuzen in Tibet

Traditionelle Statuen aus Teig und Butter

Eine wichtige Komponente der tibetischen Bön-Religion, die in vielen Punkten dem Buddhismus ähnle, sei das Vergängliche, meinte der Tibetologe Charles Ramble. Viele Kultgegenstände werden geschaffen, um nach Ende des Rituals wieder zerstört zu werden. So auch die kunstvollen rot gefärbten Teigfiguren, die „gTor ma’s“, die nach tibetischer Tradition eigentlich aus Teig und Butter gefertigt werden.

Da das benötigte Mehl in Wien jedoch nicht aufzutreiben war, behelfen sich die Mönche mit Plastilin und Lehm. Die Butterverzierungen der kleinen und größeren Statuen sind jedoch echt. „Ende Februar werden wir hier einen sehr authentischen Geruch haben“, scherzte Christian Schicklgruber, ein Kurator der Ausstellung.

Altar aus Teigplastiken in Tibet
Charles Ramble, Museum für Völkerkunde
Altar aus Teigplastiken, die mit Butterdekorationen verziert werden.

Besucher können Priester Fragen stellen

Die Planung der Rituale im musealen Kontext habe seine Tücken, so Schicklgruber. Uhrzeiten und Daten für die bevorstehenden Highlights – etwa die tibetische Neujahrszeremonie Ende Februar oder das Glücksritual für das Museum am 8. und 9. Februar – könne man bereits angeben. Der genaue Ablauf sei jedoch unmöglich vorherzusagen.

Besucher können sich auf der Homepage des Museums auf dem Laufenden halten. „In Tibet sind Rituale auch eine Möglichkeit, sich einmal wieder zu treffen und auszutauschen. Man isst und redet, niemand sitzt stumm da wie bei uns in der Kirche“, erklärte Schicklgruber. Fragen an die Priester und Austausch seien deshalb durchaus erwünscht.

Auch die für das Ritual notwendigen Butterlampen seien zunächst problematisch gewesen – denn das Museum habe Rauchmelder. Jetzt wacht auch die Feuerwehr über die Geister und Götter Tibets. „Das ist keine Show, das sind echte Rituale“, betonte Klimburg-Salter jedoch.

Großes Fadenamulett
Karl Pani und René Steyer, Museum für Völkerkunde
Großes Fadenamulett

Bön-Religion vom Buddhismus beeinflusst

Obwohl die Bön-Religion weit weniger bekannt ist als der Buddhismus, wurde sie in Tibet bereits vor seiner Verbreitung praktiziert. Seit mehr als tausend Jahren werden die Traditionen der Ritualkunst und Liturgie weitergegeben und angewandt.

Weil tausende Bön-Mönche seit den 1950er-Jahren aus Tibet auswanderten, trugen sie ihre Traditionen weit über die Grenzen des tibetischen Kulturraums hinaus - neben Nepal wurden selbst in westlichen Ländern wie Frankreich in der Folge Klöster gegründet. Während in Tibet ein Großteil der Kunstschätze zerstört wurde, überlebten sie dort unbeschadet.

Aussstellungshinweis:

„Bön. Geister aus Butter“, Museum für Völkerkunde, 1. Februar bis 1. März, Eintritt 8 Euro

Steven Engelsman, Direktor des Museums für Völkerkunde, bedeutet die Ausstellung viel: „Es ist auch eine Reinigungszeremonie, die gut für das Museum sein wird. Sind die schlechten Geister erst aus dem Gebäude vertrieben, sind wir wirklich bereit für einen Neuanfang und -auftritt ab April“, sagte er in einem Interview.

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