Bitterböse Tiercartoons im MuseumsQuartier

Regenwurm, Giraffe oder Bär: Kein Tier wird bei Oliver Ottitschs bitterbösen Cartoons verschont. Nicht selten geht es dabei auch unter die Gürtellinie. Derzeit werden rund 70 Arbeiten von ihm in der Galerie der Komischen Künste im MQ gezeigt.

"Tiere sind ein tolles Arbeitsfeld, weil wir Menschen ja sehr viel mit Tieren zu tun haben. Man sagt uns eine Verwandschaft nach und wir essen sie ja auch gerne“, sagte Cartoonist Oliver Ottitsch über seine aktuelle Ausstellung „Noahs Fleischwaren. Cartoons zum Tier&Wir“ gegenüber wien.ORF.at.

Schwule Nazidelfine und kopulierende Regenwürmer

Der Tierwelt begegnet Ottitsch in seinen Zeichnungen mit viel schwarzem Humor: Nasenbohrende Elefantenbullen, schwule Nazidelfine, gierige Giraffen oder kopulierende Regenwürmer. Ottitsch liefert auch eine schlüssige Antwort, warum das Einhorn ausgestorben ist: Beim Würstel grillen am Lagerfeuer fiel das eine oder andere Fabelwesen den Flammen zum Opfer.

Rund 70 Arbeiten des 1983 in Graz geborenen Cartoonisten werden nun in der Galerie der Komischen Künste im MuseumsQuartier ausgestellt. Um die Ausstellung optisch aufzulockern, schuf Ottitsch als „Fleißaufgabe“ eine dreidimensionale Skulptur eines seiner Cartoons.

Karikatur mit zwei Regenwürmern: Ist das jetzt Missionarsstellung oder 69?
Oliver Ottitsch

Der Steirer zeichnet bereits seit seiner Schulzeit, mit Cartoons hat er 2005 angefangen. „Der Humor in der Kunst hat mich am stärksten begeistert“, so Ottitsch, der sich auch schon als Stand-up-Comedian versucht hat und derzeit in Wien studiert. Gereizt hat ihn bei den Cartoons vor allem, dass man eine Idee schnell lebendig werden lassen kann.

„Über die besten Ideen stolpert man“

In seinen Cartoons verarbeitet er vielfältige Themen wie Extremverhalten in der Sexualität, Gewalt oder philosophische Fragen über Tod und Vergänglichkeit. Oft geht es ihm nur um das „Fressen und Gefressen werden“. Ein Thema, das speziell im Tierreich von existentieller Bedeutung ist. Geistesblitze für seine Cartoons fallen im plötzlich ein: „Über die besten Ideen stolpert man einfach darüber“.

Ein etwas derber Cartoon zum Beispiel zeigt einen Mann auf einer Leiter, der von einer Giraffe oral befriedigt wird. „Deep Throat“ heißt das Bild, eine Anspielung auf den Titel eines legendären Pornofilms der 1970er-Jahre. Darüber meint Ottitsch: „Mit den besten Ideen überrascht man sich selber. Manchmal erkennt man einfach einen Zusammenhang, wie etwa zwischen Sexualpraktiken und dem langen Hals der Giraffe“.

Karikatur: links in einem Tunnel stehen Menschen an, rechts Löwen. Am Schild über den Löwen steht "Buffet"
Oliver Ottitsch

Jede Religion bekommt ihr Fett weg

Politische oder gesellschaftskritische Karikaturen reizen ihn dagegen weniger: „Politische Karikaturen finde ich langweilig“, so Ottitsch. Vielmehr interessieren ihn etwa die Auswirkungen von politischen Entscheidungen auf banale Dinge wie den Alltag einer Gemüsefrau am Markt. Statt Karikaturist bevorzugt er für sich selbst lieber die Bezeichnung Cartoonist.

Ausstellungshinweis:

Oliver Ottitsch „Noahs Fleischwaren. Cartoons zum Tier&Wir“, 1. März bis 30. April 2013, Galerie der Komischen Künste, MuseumsQuartier, täglich 11.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt frei

Sendungshinweis

„Wien heute“, 26. Februar 2013

Auch an Religionen lässt Ottitsch in seinen Zeichnungen kein gutes Haar: Ob Katholische Kirche, Judentum oder der Islam, Ottitsch macht keine Ausnahme. „Ich erlaube mir, alles zu zeichnen, was ich möchte. Rücksicht gebe ich nur auf mein eigenes Geschmacksempfinden“, so Ottitsch. Auf die 2005 veröffentlichten Mohammed-Karikaturen einer dänischen Zeitung angesprochen sagte er: "Es sind die Menschen und ihre verklemmten Vorstellungen von Religion. Und es ist Aufgabe der Kunst und der Komik diese Scheuklappen wegzusprengen. Niemand hat es verdient, verschont zu werden“.

Je aufwändiger ein Cartoon werden soll, desto länger braucht Ottitsch, um ihn zu zeichnen: „Manchmal kommt mir eine Idee und ich brauche nur zehn Minuten. Meistens benötige ich aber zwischen einer und drei Stunden, bis der Cartoon fertig ist“. Seine Arbeit erledigt er dabei auf ganz altmodische Art - mit Bleistift auf Papier. Ein Tablet kommt ihm als Arbeitsmaterial nicht in Frage: Er sei zu faul, mit dem Computer zu arbeiten.

Karikatur: Mutterschwein und Kinderschwein. Das Kind: "Mama ich habe mich verbrannt". Die Mutter darauf: "Zeig mal, hmm das riecht ja köstlich"
Oliver Ottitsch

In Paris mit Karikaturenpreis ausgezeichnet

Seine intelligenten und witzigen Cartoons, die meist mit nur wenigen Worten auskommen, veröffentlichte Ottitsch in Satiremagazinen wie „Eulenspiegel“, „Nebelspalter“ oder dem Wiener „Bananenblatt“, hinter dem die Macher der Galerie der Komischen Künste stecken. Von seinen Cartoons leben kann Ottitsch mehr schlecht als recht: „Ich kann davon dahinsiechen, mir ein Taschengeld dazuverdienen. Aber ich bin noch nicht in dem Stadium, dass ich sage: ‚Das ist mein Beruf‘“.

2012 war für den steirischen Künstler allerdings ein erfolgreiches Jahr: Er stellte auf der „Caricatura VI“ in Kassel aus - einer Institution in Deutschland für Cartoons und Karikaturen. Daneben veröffentlichte er sein erstes Buch „Kopf hoch“. Auch das neue Jahr verspricht ein gutes zu werden, im Jänner 2013 wurde er in Paris mit dem Karikaturenpreis „Pas de Deux“ ausgezeichnet.

Michael Ortner, wien.ORF.at

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