Hermesvilla: Bilder eines Weitgereisten

Istanbul, New York, Havanna: Metropolen, die der Salzburger Hubert Sattler schon Mitte des 19. Jahrhunderts auf Leinwand malte. 40 Landschaftsbilder des Weitgereisten gibt es derzeit in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten zu sehen.

Reisen ohne Fotokamera oder Smartphone ist vor allem für die jüngere Generation schwer vorstellbar. Im 19. Jahrhundert musste hingegen noch zu Farbe und Pinsel gegriffen werden, um die Landschaft festzuhalten. Der Salzburger Reisemaler Hubert Sattler (1817-1904) produzierte jahrzehntelang großformatige Landschafts- und Stadtansichten, so genannte Kosmoramen.

Landschaftsgemälde von Mekka des Salzburger Malers Hubert Sattler
Salzburg Museum
Die saudische Stadt Mekka bannte Hubert Sattler 1897 auf die Leinwand

Panoramabilder aus aller Welt

Hubert Sattler war das Metier buchstäblich in die Wiege gelegt worden: Sein Vater Johann Michael Sattler ist der Schöpfer des berühmten Salzburg-Panoramas, das im Salzburg Museum ausgestellt ist. Mit einem Umfang von 26 Metern und einer Fläche von rund 125 Quadratmetern zeigt das Panorama-Gemälde eine historische Ansicht der Stadt von 1829.

Ausstellungshinweis:

„Sattlers Kosmorama. Eine Weltreise von Bild zu Bild“, Wien Museum Hermesvilla, 1130 Wien, Lainzer Tiergarten, 11. April bis 3. November, Dienstag bis Sonntag und Feiertag, 10.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt 6 Euro

Sendungshinweis:

„Radio Wien am Wochenende“, Samstag, 13. April

Die Reisen durch Europa unternahm Hubert Sattler zum Teil mit der ganzen Familie. Um 1840 übernahm er die Firma seines Vaters. Sie hatte sich inzwischen auf Kosmoramen spezialisiert, also Panoramabilder aus aller Welt.

Sattler unternahm umfangreiche Reisen in Regionen, die für seine Landsleute großteils noch unerreichbar waren - zum Beispiel nach Ägypten, Syrien, Nordamerika, Mexiko oder an das Nordkap. Aber auch vertrautere Motive, etwa aus Salzburg, wurden auf Leinwand gebannt. Gerne malte er auch Hafenansichten, Schiffe oder das Meer, im Spätwerk finden sich auch zahlreiche Gebirgsmassive.

„Das Wildbad Gastein mit seinem herrlichen Wasserfall“ von Hubert Sattler
Salzburg Museum
Nicht immer zog es Sattler so weit in die Ferne: Wildbad Gastein, um 1834

Skizzen und Fotos als Vorlagen für Bilder

Die Leinwand packte der Maler jedoch nicht ein: Hubert Sattler fertigte zahlreiche Skizzen an, die Gemälde entstanden erst zu Hause. In späteren Jahren zog er auch Fotos als Vorlage heran. Die Kosmoramen hingen - zumindest damals - nicht einfach nur in einem Saal. Vielmehr wurde vor den Objekten eine zweite Wand gezogen, durch die man durch Gucklöcher schaute. Dies führte zur Illusion, direkt auf die jeweilige Landschaft oder Stadt zu blicken.

In der Hermesvilla wurde auf diese Methode großteils verzichtet, nicht zuletzt aus technischen Gründen. Der Aufwand dafür wäre sehr hoch gewesen, hieß es bei der Vorstellung der Schau.

Außerdem könnte jeweils nur ein Besucher ein Bild bewundern. Die Auswahl von 40 Leihgaben wird in der Hermesvilla nun also klassisch präsentiert - mit Ausnahme einer Rom-Szenerie, die, so wie früher üblich, nur durch einen schmalen Schlitz zu sehen ist.

Ansicht von Istanbul des Landschaftsmalers Hubert Sattler. Palmen und ein Friedhof im Vordergrund, im Hintergrund sind zahlreiche Moscheen zu sehen
Salzburg Museum
Istanbul malte Sattler 1851 vom Friedhof Eyüp aus

Sattler zeigte seine Landschaften auch in den USA

Sattler reiste nicht nur vor der Produktion der extrem detailreichen Gemälde, auch danach waren Tourneen angesagt. Die Bilder wurden etwa in Deutschland, aber auch in amerikanischen Städten gezeigt. Als sich der Künstler 1870 zur Ruhe setzte, vermachte er seine Werke der Stadt Salzburg. Auch die in Wien gezeigten Kosmoramen stammen aus dem Salzburg Museum.

Ein Werk zeigt, was eher untypisch für Sattlers Schaffen ist, ein historisches Ereignis: Auf einer Stadtansicht von Genf ist die Ermordung von Kaiserin Elisabeth im Jahr 1898 dargestellt. Damit schließt sich ein Kreis zum Ausstellungsort: Die Hermesvilla wurde für die Monarchin errichtet.

HIstorische Ansicht von Genf
Salzburg Museum
Die Ermordung Elisabeths ist ein kleines Detail dieser Stadtansicht von Genf

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