Das Erbe des Ringstraßen-Architekten

Ob Parlament, Musikverein oder Börse: Stararchitekt Theophil Hansen zeichnet sich für monumentale Bauten an der Ringstraße verantwortlich. Zum 200. Geburtstag widmet ihm das Wagner:Werk - Museum Postsparkasse eine Jubiläumsschau.

Am 13. Juli 2013 wäre Theophil Hansen 200 Jahre alt geworden. Die neue Ausstellung unter dem Titel „Ein Stararchitekt und seine Wohnbauten an der Wiener Ringstraße“ eröffnet zwei Monate vorher und ist neben der aktuellen Schau im Wiener Ringturm bereits die zweite Ausstellung, die sich im heurigen „Hansen-Jahr“ mit dem dänischen Architekten befasst.

Heinrichhof, 1861-1863, mit dem Heinrichhof, für den Ziegelindustriellen Heinrich von Drasche geplant, schuf Theophil Hansen den Prototyp des großbürgerlichen Mietshauses.
Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste, Wien
Mit dem Heinrichhof, für den Ziegelindustriellen Heinrich von Drasche geplant, schuf Theophil Hansen den Prototyp des großbürgerlichen Mietshauses.

Vorbild für Otto Wagner

Theophil Hansen schrieb mit seinen Gebäuden an der Ringstraße und dem damit verbundenen Stadtumbau Geschichte. Er schuf zum einen Repräsentationsbauten wie das Parlament, die eine starke politische Bedeutung prägen, zum anderen auch monumentale Bauten wie den Musikverein oder die Akademie am Schillerplatz. „Er ist mit Ausnahme von Otto Wagner der Architekt, der Wien am meisten geprägt hat“, so Kuratorin Monika Wenzl-Bachmayer im Interview mit wien.ORF.at.

Bildnis Theophil Hansen
Christian Griepenkerl 1873, signiert, datiert, Öl/Lw. 63 x 50 cm
Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Theophil Hansen, 1873.

Das Wagner:Werk setzt sich gewöhnlich mit dem 20. Jahrhundert auseinander. Warum die Ausstellung dennoch dort stattfindet, erklärt Wenzl-Bachmayer mit der starken Beziehung zwischen den beiden Architekten. „Hansen und Wagner waren manchmal Partner und manchmal Konkurrenten. Hansen war so etwas wie ein Mentor für Wagner und lehrte ihm, wie ein Gesamtkunstwerk zu verstehen ist.“

Schau zeigt Gesamtkunstwerk

Als Gesamtkunstwerk, das Außenarchitektur und Inneneinrichtung zusammenfasst, kann auch die neue Schau verstanden werden. Präsentiert werden Fotos, Pläne, Skizzen, ein Trinkservice und Besteck, ein Schreibtisch und andere Einrichtungsgegenstände. „Wir zeigen einige Möbelbeispiele aus dem Palais Epstein und Schloss Hernstein und einen Stuhl aus der Glasmanufaktur Lobmeyr“, so Wenzl-Bachmayer.

Ringstraße und Vorstädte

„Wir behandeln in der Ausstellung auch Wohnbauten von Hansen wie den Heinrichhof, der einmal gegenüber der Staatsoper stand und als das schönste Zinshaus der Welt gepriesen wurde“, so Wenzl-Bachmayer.

Das Werk von Hansen erschöpft sich jedoch nicht an der Ringstraße, sondern geht bis in die Vorstädte hinein. Auch die dort zu findenden Wohnhäuser werden in der Ausstellung ausführlich behandelt. Zehn Stationen präsentieren den Werdegang von Hansen, von seinen Studien in Athen bis zu seinen berühmten Aufträgen in Wien.

Zweiter Entwurf für das Herrenhaus (Parlament), Theophil Hansen 1873-1883
Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste, Wien
Zweiter Entwurf für das Herrenhaus und das heutige Parlament.

Blick auf die Geschichte Wiens

Die Schau soll außerdem einen modernen Blick auf die Wiener Geschichte zulassen und gleichzeitig aufzeigen, wie Wien im 19. Jahrhundert von einer engen Residenzstadt zur damals viertgrößten Stadt der Welt wurde.

Sendungshinweis:

„Wien heute“, 14. Mai 2013

„Die Schau richtet sich in erster Linie an die Wienerinnen und Wiener, weil sie Hansens Architektur mitbenützen ohne genauer über sie nachzudenken“, so Wenzl-Bachmayer. Auch Touristen sollen mit der visuell aufwendig gestalteten Schau angesprochen werden. Wenzl-Bachmayer: „Und natürlich alle, die sich mit der Architektur und Entwicklung der Stadt beschäftigen möchten.“

Plan Stadterweiterung, 1860
ÖNB
Plan über die Stadterweiterung im Jahr 1860.

Jubiläumsjahr im Überblick

Ausstellungshinweis

Theophil Hansen 1813-2013. Ein Stararchitekt und seine Wohnbauten an der Wiener Ringstraße. Von 14. Mai bis 17. August 2013 im Wagner:Werk.

Neben dem Wagner:Werk feiern auch weitere Institutionen das Jubiläumsjahr von Theophil Hansen. Im April eröffnete bereits die Ausstellung „Theophil Hansen - Klassische Eleganz im Alltag“ im Wiener Ringturm.

Das Bezirksmuseum Wieden wird sich ab 23. Mai, das MAK ab 28. Mai, das Architekturzentrum Wien ab 16. Juni und das Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste ab 20. September 2013 mit eigenen Spezialführungen und Ausstellungen dem Architekten widmen.

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