Matisse und die „wilden Tiere“

Die Fauvisten sind als die „wilden Tiere“ der Kunstszene bekannt geworden. Ihre farbenfrohen Bilder brüllten förmlich von den Wänden und sorgten für Aufsehen und Kritik. Die Albertina zeigt ab Freitag 150 Werke von Fauvisten wie Henri Matisse.

„Sie haben mit der Tradition gebrochen und etwas vollkommen Neues gemacht. Sie haben sozusagen wie die ‚wilden Tiere’ auf die Leinwand gedroschen“, so Kurator Heinz Widauer gegenüber wien.ORF.at. Im Jahr 1905 bezeichnete ein Kunstkritiker Matisse und seine Künstlergruppe als „Fauves“, also „wilde Tiere“. Ab diesem Zeitpunkt kennzeichnete der Begriff die buntfarbige Malerei und den sichtbaren Strich der Maler.

Fotos von der Matisse-Schau:

Matisse als Fauvismus-Oberhaupt

Matisse war das Oberhaupt und das Sprachrohr der Fauvisten. Gemeinsam mit seiner Künstlergruppe sorgte er beim dritten Pariser Herbstsalon für Aufsehen. Die Bilder „brüllten“ förmlich von den Wänden. Das Publikum war entsetzt über die heftigen, scheinbar rasch hingeworfenen Pinselstriche und die bunten, intensiv leuchtenden Farben.

Ausstellungshinweis

Matisse und die Fauves, 20. September bis 12. Jänner, Albertina

Anstatt Flächen und Volumen harmonisch auf der Bildfläche zu organisieren, war es Matisse wichtig, Gegenstand und Hintergrund als gleichwertig zu erachten. Matisse und den Fauvisten war die Steigerung der Ausdruckskraft wichtig, die sie durch eine kraftvolle Linienführung erreichten.

Zirkuswelt und Prostituierte

Neben Matisse gehörten Maurice de Vlaminck mit seinen zügellosen Pinselstrichen, Andre Derain mit seiner London-Serie, Georges Braque, Raoul Dufy, Albert Marquet und Othon Friesz zu den Vertretern des Fauvismus. Mit Kees van Dongen und Georges Rouault gesellten sich auch zwei Einzelgänger zu den Fauves.

Rouaults expressive Pinselführung und die Darstellung von Clowns und Prostituierten vor düster leuchtendem Hintergrund wurden beim Herbstsalon von den konservativen Kunstkritikern verrissen. Van Dongens setzte sich mit der Thematisierung der Zirkuswelt und der Pariser „demi-monde“ von seinem Wegbegleitern ab.

Das Motiv stand beim Fauvismus nicht im Vordergrund. Widauer: „In erster Linie handelt es sich um Landschaftskunst, dann aber auch um Figurenmalerei, mythologische Themen werden behandelt, aber auch die Ränder der Gesellschaft, Prostituierte und Zirkusszenen.“

André Derain, Porträt des Henri Matisse, 1905, Öl auf Leinwand
VBK, Wien 2013
Andre Derain, „Porträt des Henri Matisse“, 1905, Öl auf Leinwand

Berühmte Gemälde und Serien

Zu den prominentesten Bildern der Schau gehört „Das offene Fenster“ von Matisse. Es wurde auch im Herbstsalon 1905 ausgestellt und war eines der Bilder, die von der Kunstkritik verrissen wurden und für den Begriff Fauvismus mitverantwortlich sind.

Henri Matisse, Das offene Fenster, 1905, Öl auf Leinwand
Succession Matisse/VBK, Wien 2013
Matisse, „Das offene Fenster“, 1905

Bekannt ist auch die „Zigeunerin“ von Matisse. „Es ist ein sehr befremdliches Bild. Es ist in seinem Äußeren total hässlich, aber aufgrund der Farblichkeit und Farben sehr expressiv und ausdrucksstark“, so Widauer. Ebenfalls zu den Höhepunkten zählen acht Gemälde einer 30-teiligen Serie von Derain. Widauer: „Es sind London-Ansichten. Gezeigt werden das Parlamentsgebäude, der Hafen, das traditionelle London und das wirtschaftliche, mächtige London.“

Skulpturen mit „grobem Eindruck“

Neben den berühmten Gemälden zeigt die Ausstellung, dass Matisse und die Fauvisten auch in ihren Bronzen, Keramiken, Steinskulpturen und Möbelstücken nach Expression und Intensität strebten. Widauer: „Die Skulpturen haben einen eher kantigen, rauen, groben Eindruck. Man geht von glatten Oberflächen ab“, so Widauer.

Sendungshinweis:

„Der Mittag auf Radio Wien“, 6.11.2013

Die Besucher der Albertina erwartet eine gattungsübergreifende Ausstellung, in der neben Gemälden, Studienblättern, Federzeichnungen, Ölstudien und Lithografien auch plastische Kunst, Keramiken, Glasobjekte und Holzarbeiten geboten werden. „Wir zeigen auch afrikanische Skulpturen aus dem Nachlass einzelner Künstler der Fauves, um zu zeigen, wie sehr afrikanische Skulptur die Kunst in der Figurenauffassung beeinflusst hat“, so Widauer.

Fauvisten erstmals in Wien

Der Fauvismus bestand nur zwei Jahre, gilt jedoch als die erste und entscheidende Avantgardebewegung des 20. Jahrhunderts. „Es ist nicht ein Thema, das oft gezeigt wird“, weist Widauer auf die Besonderheit der Ausstellung hin. „Es ist das erste Mal, dass Matisse mit seinem Fauves-Werk in Wien zu sehen ist.“

Link:

Werbung X