Von Schwarzpoeten bis Wortwitzlern: Rosenstolz

Wienerlieder mit Zither, Hip Hop, Jazz und Pfiff: Das „Wien im Rosenstolz“-Festival präsentiert wie Jung und Alt mit der Sprache spielen. Das Wienerische in allen Facetten steht im Oktober im Theater am Spittelberg im Mittelpunkt.

„Die Knospen von Rosenstolz gehen dieses Jahr so richtig auf“, erzählt die Intendantin von „Wien im Rosenstolz“ Nuschin Vossoughi. „Die Szene hat sich etabliert und jede Künstlerin und jeder Künstler hat eine Nische darin gefunden“, fährt sie fort.

Musikalische Größen treffen auf Schwarzpoeten

Ein Monat lang steht das Theater am Spittelberg ganz im Zeichen des Wiener Dialekts und seinen musikalischen Ausprägungen. Bluesig, poppig, schrammelig, pfeifend und jazzig präsentieren sich die Wiener Musik und der Wiener Sprachwitz neu. „Das Morbide ist veraltert“, meint Vossoughi. Von 1. bis 31. Oktober stimmen sich an der Seite musikalischer Größen des Wiener Fachs Lautmalerinnen, Dichterfürsten, Schüttelreimer, Wortwitzler und Schwarzpoeten ein.

Eleonora von Pfiff im roten Kleid mit Krone
Wien im Rosenstolz Archiv
Eleonore von Pfiff ist Pfeifkünstlerin

„Die Wiener haben sich absolut etabliert. Mit Berechtigung, denn das neue Wienerlied hat mit dem alten nicht mehr viel zu tun. Der Wiener Chanson hat einen ganz eigenständigen Sound gefunden, der für Wien Gültigkeit hat“, sagt Vossoughi. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Ausprägungen. Norbert Schneider zum Beispiel ist mundartlicher Chansonnier. Bei ihm treffen Blues und Swing auf Wiener Mundart. Agnes Heginger auf der anderen Seite spielt mit der Sprache, wenn sie von Georg Breinschmied jazzig begleitet wird.

Agnes Heginger und Georg Breinschmid
Wien im Rosenstolz Archiv
Agnes Heginger und Georg Breinschmid treten mit „Solo, Soso!“ am Samstag, dem 5. Oktober auf

Fusion auch mit Hip Hop möglich

Die Sprache, ihre Nuancen und das Spielen damit stehen eindeutig im Mittelpunkt. So besingen Eleonore von Pfiff als Pfeifkünstlerin und der Wiener Beschwerdechor Wiener Themen. Eine wesentliche Ergänzung ist die Hip Hop-Szene. Das Wienerlied in Fusion mit Hip Hop, Ska und Soul interpretieren vor allem Skero und seine Müßig Gang frei. Wieder anders gehen die ORF-Comedy-Sieger Zwa Voitrottln heran. Sie nähern sich mit einer Mischung aus Raggea und poppig, rockigem Kabarett. Peter Ahorner und Karl Spirner präsentieren Texte mit einer Zither.

Sänger und Schauspieler singen und sprechen. Diese Kombination mache das „Rosenstolz“-Festival aus, meint Vossoughi. „Außerdem merkt man bei einzelnen Konzerten nicht die Unterschiede des ‚Slang‘. Durch das Festival kommen ganz verschiedene Künstler zusammen, wodurch die verschiedenen Nuancen erst entdeckt werden können“, erklärt die Veranstalterin.

Skero und Müßig Gang im Schnee mit Instrumenten
Wien im Rosenstolz Archiv
Skero und die Müßig Gang zeigen Wienerlieder in Kombination mit Hip Hop

Auftritte von Erika Pluhar und dem Nino aus Wien

Das Festival will Althergebrachtes, die Jetzt-Zeit und die Zukunft verbinden. So treten die Strottern und der Nino aus Wien ebenso auf wie die Großmeister der Wiener Musik Karl Hodina und Roland Neuwirth. Auch die Granddame Erika Pluhar ist mit Klaus Trabitsch dabei. Jung und Alt werden durch die Sprache verbunden und decken von Heurigen- bis Weltmusik sämtliche Genres ab. Bei der Eröffnungs-Jam-Session machen unter anderem Steinberg und Havlicek, Ramsch und Rosen sowie Tesak Blazek den Auftakt.

Veranstaltungshinweis
„Wien im Rosenstolz“-Festival
1. bis 31. Oktober
Theater am Spittelberg

Der Name der Veranstaltung hat mit der ehemaligen deutschen Band „Rosenstolz“ aber nichts zu tun. „Ich saß eines Tages im Cafe Schmidhansl, wo ständig Rosenverkäufer ein und aus gingen und ein Bild vom Wiener Komponisten Robert Stolz hing. Stolz und Rosen - aus diesem Wortspiel entstand der Name“, erzählt Vossoughi. Das „Wien im Rosenstolz“-Festival existierte schon vor der Bandgründung des bekannten Berliner Popduos.

Die Strottern mit Instrumenten
Wien im Rosenstolz Archiv
Die Strottern treten beim „Wien im Rosenstolz“-Festival auf

Die Intendantin Nuschin Vossoughi, gebürtige Perserin, startete 2000 zum Auftakt mit zehn Konzerten, darunter einem Beitrag des Kollegiums Kalksburg. Der Umfang wuchs in den folgenden Jahren ebenso wie die Zahl großer Namen: Miguel Herz-Kestranek gab sich ebenso die Ehre wie Gerhard Bronner oder Duddellegende Trude Mally. Auf Neueinsteiger und noch unbekannte Traditionsvorantreiber legte man stets einen Fokus.

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