Hoffen im KZ: Installation im Jüdischen Museum

Gute Tage gab es auch in Auschwitz. Zumindest erzählt das der Überlebende Primo Levi. Das Jüdische Museum greift das Thema auf und zeigt eine multimediale Installation, die sich der Hölle des Lagers widmet.

„A Good Day“: Solche gab es auch inmitten des größten Massenmords der Geschichte. Im NS-Vernichtungslager Auschwitz war ein Tag etwa dann besser als die anderen, wenn die Sonne früher kam als am Tag davor. Denn der Frühling ließ zumindest einen Feind verschwinden: die Kälte. Davon hat der Holocaust-Überlebende Primo Levi erzählt, und das Wiener Jüdische Museum hat in seiner Dependance am Judenplatz das Thema nun aufgenommen. Der US-Künstler Andrew M. Mezvinsky gestaltete dort eine multimediale Installation, die sich dem Überlebenswillen in der Hölle des Lagers widmet.

Sendungshinweis:

„Wien heute“, 5.11.2013

Die Sonne als Gesprächsstoff

„Der Aufgang der Sonne ist täglicher Gesprächsstoff: Heute kommt sie etwas früher als gestern; heute ist es ein bisschen wärmer als gestern; in zwei Monaten, in einem Monat wird die Kälte von uns ablassen und wir werden einen Feind weniger haben.“ Dies schreibt der italienische Auschwitz-Überlebende Primo Levi im Buch „Ist das ein Mensch? (Se questo e un uomo)“. Das betreffende Kapitel wurde mit „Ein guter Tag“ überschrieben, dies ist nun auch der Titel der von Museumsleiterin Danielle Spera kuratierten Ausstellung.

Installation
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Sie ist in drei Bereiche aufgeteilt: In einem Raum hat Mezvinsky eine animierte Szenerie geschaffen, die sich dem Thema Frühling widmet - ausgehend vom Ballettwerk „Le Sacre du Printemps“ des Komponisten Igor Strawinski. Figuren aus dem Stück sind auf dem Tableau genauso zu sehen wie jüdische Symbole oder ein rauchender Schornstein, der schließlich - als Zeichen der Hoffnung - von einem Bagger zerstört wird.

„A Good Day“ - Installation von Andrew M. Mezvinsky vom 6. November 2013 bis 2. März 2014 im Museum Judenplatz, Judenplatz 8, 1010 Wien. Zur Schau erscheint ein zweisprachiger Katalog mit 93 Seiten

Auch in einem zweiten Raum ist das Printemps-Motiv präsent, dort auf zahlreichen Zeichnungen. Eine Auseinandersetzung mit dem Namen Levi findet schließlich auf einer Art Tryptichon statt. Mezvinsky zeigt dort Kreidezeichnungen auf Jeansstoff (Denim, Anm.), eine Anspielung auf den Jeans-Erfinder Levi Strauss. Zu sehen sind auf dem blauen Stoff Porträts von in Wien lebenden Leviten, wie Museumschefin Spera bei der heutigen Präsentation ausführte. Es sind dies Mitglieder jener Gruppe im religiösen Judentum, die nach dem Stammvater Levi, einem der zwölf Söhne Jakobs, benannt ist.

Installation
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Bewegungen der Besucher verändern Ausstellung

Die Besucher der Schau üben durch ihre Bewegungen im Raum zum Teil direkten Einfluss auf interaktive Elemente aus. Sensoren steuern etwa die Helligkeit der Räume oder beeinflussen die Szenerie in den Zeichnungen des Künstlers - der übrigens schon seit längerem in Wien lebt. Geboren wurde Andrew M. Mezvinsky 1982 in Philadelphia. Er hat bereits international ausgestellt, unter anderem in der Cynthia Corbett Gallery in London oder im Performance Art Institute in San Francisco.

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