Ausstellung zeigt begehbares Puppenhaus

Ein Klebealbum aus dem 18. Jahrhundert bietet die Grundlage für die neue Ausstellung „Der perfekte Haushalt aus Papier“ im Hofmobiliendepot. Es soll das Gefühl eines begehbaren Puppenhauses zur Zeit Mozarts vermittelt werden.

Die Ausstellung zum Thema „Der perfekte Haushalt aus Papier - Bürgerlicher Alltag zur Zeit Mozarts“ im Wiener Möbel Museum, dem Hofmobiliendepot, läuft bis 11. Jänner 2015. Das Klebealbum, das Kuratorin Regina Kaltenbrunner als Vorlage dient, zeigt die Räumlichkeiten eines Bürgerhauses, sowie Gärten und Straßenzüge um das Jahr 1780.

Eine Seite im Klebealbum auf der eine Szene im Musiksalon aus verschiedenen Materialien zu sehen ist
© Privatbesitz, Augsburg
Verschiedene Materialien wurden zur Darstellung des „Musiksalons“ verwendet

Mehr als 160 Ausstellungsstücke, die von Kleinmöbeln über Geschirr und Bildern bis zu Alltagsgegenständen reichen, ergänzen in realer Größe, die im Album abgebildeten Gegenstände. So wollen die Designerinnen Julia Landsiedl und Cora Akdogan eine lebendige und anschauliche Begegnung mit einem „perfekten Haushalt“ des ausgehenden 18. Jahrhunderts ermöglichen. Diese Gestaltung soll das Gefühl, eines „begehbaren Puppenhauses“ erwecken.

Eine Frau hinter einer aufklappbaren Tür aus Papier zur Zeit Mozart
© Privatbesitz, Augsburg
Eine Frau kommt durch die Türe

Klebealbum diente der Kindererziehung

Ein Klebealbum ist ein Buch, dessen Seiten selbst gestaltet werden. Mit Feder, Aquarell und Gouache entstanden die Gerüste von Innenräumen und Plätzen außerhalb des Hauses. Zur Belebung der Seiten werden Figuren und Objekte aus vorgedruckten Bögen ausgeschnitten, bemalt und ins Album geklebt.

Der individuellen Gestaltung waren dabei keine Grenzen gesetzt: Vorhänge aus echtem Stoff, Kleisterpapier auf den Böden und Brokatpapier als Tapeten. So entstanden detailreiche Abbildungen von Privathäusern und öffentlichen Plätzen. Das zweidimensionale Puppenhaus war nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern diente ebenso zur Lehre über Haushaltsführung und Kindererziehung.

Nur vier Exemplare existieren noch

Das Auftauchen des Albums biete tiefe Einblicke in Mode, Wohn- und Esskultur, Küchenausstattung und Familienleben des süddeutschen Raumes zu dieser Zeit, erklärt die wissenschaftliche Leiterin Ilsebill Barta. Zuvor gab es in der Kunstgeschichte keinen auch nur annähernd so vollständigen Einblick in die regionale Raum- und Handwerkskunst, ergänzt sie.

Ausstellung im Hofmobiliendepot, zwei Bänke im Vordergrund, dahinter Bilder aus dem Klebealbum
© Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.
160 Ausstellungsstücke ergänzen die Bildtafeln

Klebealben waren Alltagsgegenstände und wurden kaum überliefert. Bisher sind vier erhaltene Exemplare bekannt, wobei dieses vorliegende aus Augsburg am besten erhalten ist. Es stammt von der Tochter einer reichen Patrizierfamilie. Zum Zeitpunkt der Herrstellung war sie bereits 26 Jahre alt, was den guten Zustand des Albums erklärt. Von den ursprünglich 24 Seiten sind heute noch 19 erhalten.

Sendungshinweis: Wien heute, 26. September 2014

Das Buch wurde Ende des 20. Jahrhunderts nach Amerika verkauft und dort zerlegt. Die zusammengehörenden Doppelseiten wurden zu einzelnen großen Blättern zusammengefügt und auf Leinwand aufgezogen. Als es Anfang des 21. Jahrhunderts nach Europa zurückkehrte, waren fünf Bilder verschollen, diese sind jedoch als Fotografien überliefert.

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