Mann und Vater von heute

Was wird am Vatertag genau gefeiert, wofür will Mann gefeiert werden und was wollen Frau und Kinder feiern? und: was zeichnet „echte“ Männer aus? Kommunikationsexpertin Nana Walzer mit Gedanken zum Vatertag.

Als Festtag existiert der Vatertag in Österreich seit 1955 und wird immer am zweiten Junisonntag gefeiert. Eigentlich geht es bei dem Feiertag, ähnlich dem Muttertag, um die Ehrung der Elternschaft.

In Deutschland ist das etwas anders. Da handelt es sich nicht um einen Familientag, sondern eher um einen Männertag, an dem die Männer ausgehen oder auch eine gemeinsame Ausfahrt machen, echt viel essen und noch viel mehr trinken. Da kann es dann auch schon zu heftigen Schlägereien und leider auch statistisch nachweisbar zu einem massiven Anstieg von Verkehrsunfällen kommen. Statt kleiner Geschenke seitens der Familie gibt’s dort also eher die Erlaubnis, einen draufzumachen.

Das Brauchtum der sogenannten „Männertagspartie“ ist übrigens noch älter als unser hiesiger familienfreundlicher Vatertag und erfreute sich schon Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin und Umgebung großer Beliebtheit.

Vater mit Sohn am Rücken
Colourbox.de

Wann ist ein Mann ein Mann?

Früher sagte man, ein echter Mann muss einen Sohn zeugen und einen Baum pflanzen. Andere klassische Männerbilder sind eher oberflächlicher, optischer Natur: Waschbrettbauch, Dreitagebart, ausgeprägten Wangenknochen und Oberarmmuskeln. Dritte „ganze Männer“ können kämpfen, beschützen und trinken. Aber sind diese Bilder heute noch gültig? Ein bisschen vielleicht, ja. Aber sie reichen nicht mehr.

Heute muss ein Mann auch Kinderwagenschieben, Gefühle verstehen und zeigen, nicht nur Karriere machen sondern auch beziehungsfähig sein wollen. Die Anforderungen sind breiter, aber auch widersprüchlich: sanft, zart und kräftig, hart. Sie sollen anziehende womanizer sein, großartige Liebhaber, beruflich eine Top-Performance hinlegen – Alphamänner halt. Sie sollen und wollen oft auch schlicht in irgendeinem Feld „der Beste“ sein. Frei nach dem Motto: Es kann nur Einen geben.

Zugleich sollen sie aber auch kooperativ, verständnisvoll, allzeit hilfebereit sein. Archaische Muster wie Jäger, Versorger und Beschützer spielen hier genauso mit wie der Drang, sich als Mann seine Männlichkeit letztlich auch selbst erst unter Beweis stellen zu müssen. Alles zusammengenommen sind das Anforderungen, die für 50 Männer reichen würden, nicht für einen.

Echte Männer gehen ihren Weg, umsichtig und mit positiven Folgen für die Umwelt – so zumindest würde ich die Männerfrage interpretieren. Aber darin würden sie sich meiner Ansicht nach auch nicht von „wahren Frauen“ oder schlichtweg „guten Menschen“ unterscheiden.

Wofür will Mann am Vatertag gefeiert werden?

Diese Frage ist besonders spannend, da hierzulande der Vatertag wie der Muttertag ja eher einer gesellschaftlichen, familiären Verpflichtung gleichkommt, als ein Festtag ist, den sich Vater oder Mutter tatsächlich wünschen. Die Kindern basteln etwas, die Partner schenken vielleicht Männerpflegeprodukte oder so, man geht gut Essen und Spazieren.

Ich denke aber, dass wir diesen Tag dazu nutzen könnten, echte Wertschätzung auszudrücken für all die Momente, in denen nicht egoistisch, sondern umsichtig gehandelt wird. Wenn Mann der nächtens aufsteht und das schreiende Kind beruhigt, wenn Mann Überstunden schiebt, wenn Mann trotzdem er müde ist auch mal seine Frau massiert. Wenn Mann die richtigen Worte in schwierigen Situationen findet.

Es gibt sicherlich unendlich viele Gelegenheiten, auf die Mann stolz sein kann oder die ihm vielleicht gar nicht so bewusst sind und für die wir dankbar sein können. Auszusprechen, worauf wir als Partner und Familie stolz sind und wofür wir dankbar sind, ist sicher eine gute Möglichkeit, dem Vatertag mehr Sinn und eine höhere Bedeutung zu verleihen.

Link:

Nana Walzer
Nana Walzer: „Die Kunst der Begegnung“

Werbung X