Deine inneren Stimmen

Es gibt die strenge Stimme im Kopf, die berühmte „innere Stimme“ und das „Bauchgefühl“? Auf welchen inneren Teil hört man besser und welchen kann man getrost ignorieren? Kommunikationsexpertin Nana Walzer hat Tipps.

Obwohl wir glauben, dass es sich immer um dieselbe Stimme handelt, und dass sie irgendwie aus uns selbst kommt, ja vielleicht sogar wir selbst sind, wer da redet, ist dem nicht so. Die Stimme, die so oft in unserem Kopf dazwischen quatscht, die alles kommentiert was wir tun und was so passiert, die oft kritisiert und besserwissert, sich ärgert, uns in Frage stellt oder an allem Möglichen herum zweifelt und vielleicht sogar schimpft, die setzt sich in der Tat aus verschiedenen Komponenten zusammen.

Zum einen sind es Personen, die uns in unserem Leben geprägt haben, deren Einstellungen und sogar Ausdrucksweisen wir übernommen haben. Eltern, Lehrer, nahe Bezugspersonen aus der Kindheit oder Mentoren aus dem jungen Erwachsenenleben – sie alle sind in uns abgespeichert und sprechen durch uns in Momenten, die uns an vergangene Erlebnisse erinnern.

Zum anderen sind es gesellschaftliche Regeln, also Normen und „wie etwas zu sein hat“, die hier zum Ausdruck kommen. Und zum Dritten sind es unsere eigenen Erlebnisse und Erfahrungen, die etwa in besonderen Augenblicken zur Vorsicht mahnen. „Recht“ in dem Sinne haben diese Stimmen nicht, sie sind eher ein Ausdruck unserer Prägungen und Gewohnheiten und dienen uns zur Orientierung im Leben. Andererseits verhindern sie aber auch oft, dass wir anders fühlen, denken und handeln als bisher.

Mann mit schreienden Maennern
Colourbox.de

Was sagt die „innere Stimme“

Die vielzitierte „innere Stimme“ hat eigentlich gar nicht so viel mit der Stimme in unserem Kopf zu tun, als mit Intuition, also dem Hören auf Gefühle und Eingebungen, die eben gerade nicht aus unserer Gewohnheit hervor gehen. Oftmals manifestieren sich Ängste und Hoffnungen gern im Magen, wir spüren Schmetterlinge oder es wird uns leicht flau. Das wiederum muss aber nichts mit Intuition zu tun haben, sondern es ist ein Anzeichen für eben unsere tiefsten Wünsche und Bedenken, die in risikoreichen Momenten ein Zeichen geben – eben zum Beispiel, wenn wir einem attraktiven Menschen gegenüber stehen, eine Rede halten sollen oder ein Bewerbungsgespräch haben.

Wenn wir da auf unseren Bauch hören und uns in einen unerreichbaren Menschen verlieben oder vor lauter Angst die Rede nicht halten und beim Vorstellungsgespräch zu Stottern beginnen, sind wir von unserem Bauchgefühl nicht gut beraten. Im Gegensatz zu den vegetativen Reaktionen von Magen und Darm, die oft mit unserem Atemfluss und der Muskelspannung einhergehen, ist der Sitz der Intuition ein anderer. Ihre Quelle wird eben nicht aus Körperreaktionen oder emotionalen und gedanklichen Gewohnheiten gespeist.

Welche ist die „richtige Stimme“?

Die Intuition entsteht im Raum zwischen den Gedanken und sagt andere Dinge als die Gewohnheit. Sie gibt uns klare Eingebungen, die uns oft in ihrer Klarheit überraschen. Wir können sie von der Stimme unseres Kopfes unterscheiden, weil sie keine Rolle spielt, also weder Richter noch Polizist ist, nicht die Ausdrucksweisen von Vater oder Mutter verwendet, uns oder andere nicht abwertet, kleinmacht oder eingrenzt.

Die Intuition ermöglicht blitzschnelles Handeln, wenn es darauf ankommt, etwa in Gefahrenmomenten. Sie erschließt uns aber auch kreative Lösungsmöglichkeiten für verzwickte Situationen, ohne dass wir wissen, wo die Lösungen letztendlich herkommen. Ihr kreatives Potenzial und ihre praktische Anwendbarkeit sind Zeichen dafür, dass es sich um die „richtige Stimme“ handelt.

Oft wird sie als Eingebung oder Ahnung bezeichnet und sie kommt ganz plötzlich über uns. Ihre Ausdrucksweise ist nicht unbedingt verbal, also in Worten, sondern eher in gefühlsmäßigen Bildern, die uns Zusammenhänge oder Handlungsweisen offenbaren. Wir sollten also auf jene Stimme in uns hören, die uns mehr Möglichkeiten aufzeigt und unübliche Wege eröffnet, als auf die Stimmen, die alles und jeden, inklusive unserer selbst, auf altbekannte Art und Weise niedermachen oder runterziehen…

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Nana Walzer
Nana Walzer: „Die Kunst der Begegnung“

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