Raus aus dem Fettnäpfchen

In einem unachtsamen Moment kann es passieren, dass wir etwas sagen, das unpassend ist und schon sind wir ins Fettnäpfchen getreten. Kommunikationsexpertin Nana Walzer bringt uns da wieder heraus.

Das Grundgefühl hinter der Peinlichkeit ist die Scham. Wir schämen uns für etwas, das wir getan oder nicht getan, gesagt oder nicht gesagt, gefühlt oder nicht gefühlt haben. Die Beurteilung eines Fehlverhaltens lässt sich zunächst auf eine Akt der Bewertung zurückführen: Entweder wir haben unseren eigenen Kriterien für richtiges, angemessenes Verhalten zu wieder gehandelt oder - und das ist oft noch schlimmer - den Kriterien der anderen nicht entsprochen.

Im Begriff „peinlich“ steckt auch die „Pein“, also das Leiden. Und so ist es auch: Wenn wir uns peinlich berührt fühlen, dann leiden wir. Aber worunter genau? Meistens darunter, dass wir in diesen Momenten unseren erhoffte Selbstbild nicht gerecht werden. Wir erweisen uns als ungebildeter, ungehobelter, ungestümer, unpassender als gedacht oder bis dahin gut vorgetäuscht. Hinter einer Peinlichkeit steckt also eigentlich eine Enttäuschung, entweder sich selbst oder anderen gegenüber.

Verlegene Frau
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Wege ins Fettnäpfchen

Wege ins Fettnäpfchen gibt es viele: Von unschönen Körperreaktionen zum falschen Zeitpunkt, etwa einem schönen lautstarken Rülpser in der Oper, bis hin zu unpassenden Aussagen, etwa wenn wir eine Dame fragen, wann „es denn so weit sein wird“ und sie gar nicht schwanger ist.

Im Allgemeinen kann man zusammenfassen, dass es drei Kategorien sind, in denen wir uns blamieren können: wir können und körperlich, emotional oder geistig „daneben“ benehmen. Wobei mit „daneben“ das aus der Reihe der Erwartungen Tanzen gemeint ist. Warum wir Erwartungen nicht entsprechen kann ebenfalls vielerlei Hintergründe haben.

Etwa, dass wir unbewusst gar nicht an einem bestimmten Ort oder mit bestimmten Personen zusammen sein wollen. Wir sagen oder zeigen ihnen dann unseren Unwillen auf unübliche Arten und Weisen und eben oft, ohne dies bewusst zu wollen. Ein anderer Grund ist natürlich Unwissenheit. Wenn wir bei der Queen von England zu Besuch sind, dann werden wir wahrscheinlich nicht wissen, wie das vollständige Protokoll bei Staatsbesuchen aussieht und wie wir uns zu verhalten haben. Da ist eine Panne quasi schon vorprogrammiert.

Genauso ist es aber bei anderen eingeschworenen Gruppen in der Wirtschaft, Politik, im Entertainment und vielen anderen Bereichen. Ein anderer Grund ist schlicht und ergreifend Unachtsamkeit. Wenn wir müde oder abgelenkt, unkonzentriert oder gelangweilt sind, dann ist die Gefahr ebenfalls hoch, dass wir uns quasi „wie zu Hause“ benehmen, also ungebremst unseren Gedanken und Gewohnheiten freien Lauf lassen.

Raus aus dem Fettnäpfchen

Die Zaubermittel heißen Souveränität und Anstand, Charme und Humor. Souveränes Auftreten hat viel mit innerer Haltung zu tun. Der Spruch „Krone richten und weitergehen“ geht in diese Richtung. Stellen wir uns das bildlich vor: Sie stolpern bei einem Tanzwettbewerb vor den Augen aller und vielleicht noch im Fernsehen. Was tun? Lächeln, aufstehen, vielleicht kurz dem Partner zuzwinkern und so tun, als wär nichts. Das ist Souveränität. Sich bloß nicht innerlich lange mit dem Malheur, dem Missgeschick, beschäftigen.

Unter Anstand versteht man, dass man einen Fauxpas, eine Taktlosigkeit, auch zugeben kann und sich dafür entschuldigt und etwa der Dame, die man für schwanger gehalten hat, ein kurzes „bitte verzeihen Sie!“ sagt.

Mit Charme lassen sich besonders gesellschaftliche Schnitzer ausbügeln. So kann man eigene Schwächen, wie dass man im edlen Restaurant das falsche Besteck oder Geschirr verwendet, dadurch überwinden, dass man von der eigenen Kindheit erzählt, in der statt Benimmregeln eher das Holzfällen angesagt war.

Und Humor schafft, was alle anderen Methoden nicht können: Er zaubert garantiert ein Lächeln auf die Lippen des anderen und damit auch wieder ein gutes Gefühl in uns selbst. Haben wir etwas versehentlich einen anderen bloßgestellt, so könnten wir eine lustige Geschichte von uns selbst zum Besten geben, in der wir selbst einmal maßlos blamiert wurden…

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Nana Walzer
Nana Walzer: „Die Kunst der Begegnung“

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