Frauenpower und Powerfrauen

Was ist eine Powerfrau eigentlich und was zeichnet ihre besondere „Power“ aus? Kommunikationsexpertin Nana Walzer erklärt, warum „Powerfrauen“ auch oft verpönt sind und wie es gelingt eine akzeptierte „Powerfrau“ zu werden.

Wenn wir in die Geschichte blicken, dann finden wir verschiedene Arten der „starken“ Frau“, reale Beispiele von herausragenden Wissenschaftlerinnen wie Marie Curie oder Künstlerinnen wie Frida Kahlo und soziale Vorbilder wie Mutter Theresa. Aus der Literatur kennen wir Alice im Wunderland und in der Comicszene gibt es zum Beispiel Wonderwoman.

Sendungshinweis:

„Radio Wien am Nachmittag“, 14.9.2017

Sie scheinen sehr verschieden zu sein, sie haben aber alle etwas gemeinsam, nämlich dass sie ihre Welt ein großes Stück voranbringen, sie sozialer oder besser machen. Und dass sie es dabei nicht einfach haben. Sie müssen zusätzlich gegen gesellschaftliche Konventionen und Rollenvorstellungen ankämpfen, quasi „ihren Mann stehen“, um überhaupt erfolgreiche Frauen sein zu können. Sie vollbringen also berufliche Höchstleistungen plus eine gesellschaftliche Meisterleistung.

Frau mit Brille steht selbstbewusst im Vordergrund
Colourbox.de

Warum Powerfrauen oft verpönt sind

Viele Frauen werden dafür geschätzt -und wurden auch dahingehend erzogen-, dass sie sich „zu benehmen“ wissen, also den Umständen anpassen können und stets hilfreich sein sollen. Diese „Dienstleistungshaltung“ als Weg zu sozialer Anerkennung ist weit verbreitet. Bricht eine Frau daraus aus, dann wird sie oft schief angeschaut – von Frauen wie von Männern gleichermaßen. Sie stellt die „natürliche“ Ordnung, die Rollenerwartung auf den Kopf. Was sowohl die Frauen, die sich nach wie vor anpassen als auch die Männer, die Anpassung und Unterwerfung erwarten vor ein Fragezeichen stellt.

Auch vor die Frage, wer sie selbst sind und sein wollen, wenn sich diese Machtverhältnisse, Selbst- und Weltbilder ändern. Natürlich haben sich die Zeiten geändert. Aber führende Frauen finden wir nach wie vor wesentlich seltener als Männern in Führungspositionen. Das liegt weniger an der fehlenden Kompetenz, als viel zu oft an gängigen Konventionen und Rollenerwartungen.

Die Frau arbeitet zu, bewältigt oft ungesehen unglaubliche Mengen an Arbeit, von Hausarbeit und Kindern, Pflege von Verwandten oder sozialen Aktivitäten gar nicht zu sprechen. Interessanterweise zählen diese Tätigkeiten nur selten zu den Attributen einer „Powerfrau“. Viel mehr sind es männliche Konkurrenzdomänen, die als Maßstab herangezogen werden: Leistungen, Siege, Präsenz in der Öffentlichkeit, weithin sichtbarer Mut und Einsatz, Heldentum.

Zugleich schlägt einer Frau an der Spitze, die ein „besserer Mann“ ist, eine Menge Abwertung entgegen. Hartes Verhandeln oder Dominanzgebärden werden bei Männern akzeptiert bis wertgeschätzt, Frauen hingegen haben dann „die Hosen an“ und werden dafür abgewertet oder bekämpft. Somit ist es ungemein schwer, eine starke Frau zu sein.

Eine Powerfrau sein

Wir können uns und einander zu wahrer Größe verhelfen, indem wir zunächst einmal damit aufhören, uns selbst und andere kleiner zu machen, als wir sind. Frauenpower zuzulassen ist zwar gar keine Hexerei, aber ganz einfach dann doch nicht immer. Wir sind empathische Wesen, wissen schnell, wenn es jemand anders nicht gut geht, fühlen mit.

Das führt dazu, dass wir uns viel zu oft verantwortlich, gar schuldig fühlen, wenn etwas schief läuft – obwohl es außerhalb unseres Verantwortungsbereiches liegt. Wir tendieren dazu, die Lücke zu füllen, heran zu eilen, zu übernehmen, was andere fallen gelassen haben oder offen lassen. Wir können aufhören, zu allem und jedem „Ja“ zu sagen, uns zu entschuldigen, wenn wir nichts dafür können oder uns mit Selbstvorwürfen zu quälen. All das blockiert uns und unsere Kraft, wichtige Dinge tatsächlich zu tun.

Wir sollten auch damit aufhören, uns mit anderen Menschen zu vergleichen und uns nicht gut genug, schön genug, gescheit genug zu finden. Wir können aufhören, uns für unseren Körper schlecht zu fühlen, uns davor zu fürchten, von anderen nicht mehr gemocht zu werden, wenn wir unsere Größe zeigen. Und wir sollten aufhören, in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu leben. Hier und Jetzt spielt die Musik!

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Nana Walzer
Nana Walzer: „Die Kunst der Begegnung“

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