Schwung in die Beziehung bringen

Wenn sich das Phänomen „Gemeinsam einsam“ nach einigen Jahren in die Partnerschaft einschleicht kann man mit ein paar schnellen Tricks die Beziehung wiederbeleben. Kommunikationsexpertin Nana Walzer mit Tipps.

„Nebeneinander her leben“, „sich auseinander gelebt haben“, das hat oft damit zu tun, das Menschen aufgehört haben, sich selbst und dem anderen die wesentlichen Fragen zu stellen: „Was ist mir wirklich wichtig, worum geht es in meinem, in Deinem und in unserem Leben eigentlich? Haben wir gemeinsame Ziele, Wünsche, Bedürfnisse? Worin unterscheiden sie sich? Was interessiert mich selbst und was interessiert mich am anderen?“

Sendungshinweis:

„Radio Wien am Nachmittag“, 19.10.2017

Statt diesen spannenden Fragen nachzugehen greifen vielmehr Gewohnheit und Erwartung routiniert ineinander. Das Ergebnis ist ein schaler Durchschnittsbrei an immer ähnlichen Erlebnissen. Eine Partnerschaft bleibt im reinen miteinander-Funktionieren stecken, die Bedürfnisse der Partner werden zwar gestillt, aber irgendwie unbefriedigend auf immer dieselbe Art und Weise. Man kennt einander schon so gut, dass es kaum Überraschungen mehr gibt – und wenn dann eher unangenehme.

Frau und Mann sitzen voneinander abgewandt
Colourbox

Qualität der Begegnung ausschlagebend

Je besser wir einander kennen, desto größer ist die Gefahr, dass wir glauben, alles bereits zu wissen. Doch Menschen verändern sich, oft unbemerkt. Aber dass sie sich verändern ist sicher. So birgt jedes Lebensjahrzehnt seine eigenen Herausforderungen, körperlich, sozial, beruflich. Das stellt jeden der Partner zunächst einmal für sich selbst vor neue Fragen – und zugleich die Beziehung vor die Herausforderung, dass sich sowohl die einzelnen Partner weiterentwickeln müssen, um ihre Mitte zu halten oder wieder zu finden, wodurch auch das Miteinander wieder neu definieren werden muss.

Wer diese Auseinandersetzung mit sich selbst und mit dem anderen verweigert, der driftet unweigerlich auseinander: Wer automatisiert nach seinen Gewohnheiten lebt, verliert den Kontakt zu sich und zu seiner Umwelt. Natürlich können gewohnheitsmäßige Beziehungen lange funktionieren. Aber ob man sich dann noch etwas zu sagen und ein erfüllendes Beziehungsleben hat, das steht eben auf einem anderen Blatt.

Tipps für mehr Schwung in der Beziehung

Wer sich in einer überlebten Beziehung wiederfindet, erkennt das etwa daran, dass die Gewohnheiten des anderen abstoßend und die gemeinsamen Rituale langweilig werden. Ist das der Fall, dann sollten wir zunächst dafür sorgen, dass es uns selbst wohl ergeht, anstatt Schuld zu vergeben oder Täter-Opfer miteinander zu spielen. Tragen wir gut Sorge für uns selbst -können wir also gut mit uns selbst alleine sein- dann können wir uns fragen: „Was ist mir im Leben wirklich wichtig?“

Dabei gilt es zu akzeptieren, dass der andere nicht für die Erfüllung dieser uns eigenen Vorstellungen, Wünsche und Hoffnungen zuständig ist! Stattdessen ist wesentlich zu sehen, wo der andere gerade steht, ihn danach zu fragen und herauszufinden ob es noch tragfähige körperliche, emotionale und geistige Brücken zueinander gibt. Und wenn nicht, dann können eine Pause voneinander und räumlicher Abstand dabei helfen zu klären, wie wichtig der andere für das eigene, gelingende Leben tatsächlich ist - oder ob es Zeit ist, ungesunde Beziehungen zu beenden und sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen.

Link:

Nana Walzer
Nana Walzer: „Die Kunst der Begegnung“

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