Wie Wünsche die Wirklichkeit verändern

"Negatives Denken“: Welche Auswirkungen kann Abwehr haben und wie kann unsere Einstellung tatsächlich dazu beitragen, dass Wünsche wahr werden? Tipps hat Kommunikationsexpertin Nana Walzer.

Die sog. „self-fulfilling prophecy“, die „selbsterfüllende Prophezeiung“ funktioniert interessanterweise in beide Richtungen: in die positive wie die negative. Was wir bewusst oder unbewusst erwarten, werden wir – meist unbewusst – auch versuchen zu bestätigen bzw. bestätigt zu bekommen. Wir tun dann Dinge, die wir gar nicht bewusst entscheiden, um unser inneres Vorurteil uns selbst oder anderen oder dem Leben gegenüber zu beweisen. Uns selbst oder anderen macht dabei keinen Unterschied.

Sendungshinweis:

„Radio Wien am Nachmittag“, 30.11.2017

Wir interpretieren auch alles, was so passiert aus diesen Rastern heraus. Denkt jemand zum Beispiel, er wäre nicht schön genug oder nicht klug genug für einen guten Partner, dann wird ein abwehrendes Verhalten seitens eines (potenziellen) Partners dazu führen, dass sich dieses Vorurteil hervorragend aus Erklärung dafür anbietet. Mit jeder negativen Verurteilung unserer selbst und anderer, die nicht auf tatsächlichen Daten, sondern auf Vorurteilen basiert, begrenzen wir unseren eigentlich weiten Erlebnishorizont auf die engen Straßen vorhersehbarer Ereignisse, die unsere Erwartungen gebaut haben. Wir wehren dann auch alle anderen Interpretationsweisen der Realität ab.

Frau breitet Arme aus
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Wann angebrachtes „NEIN“

Wie erkennt man den Unterschied zwischen einem angebrachten „Nein“ - also einer notwendigen Abgrenzung – und einem blockierenden Abwehrverhalten?

An der Perspektive und der Intention, die hinter einem „Nein“ stecken. Wenn jemand sagt „Du bist wirklich hübsch“ oder „Ich bewundere Deinen schnellen Geist“ ohne an diese Komplimente irgendeine Konsequenz zu knüpfen, dann gibt es eigentlich keinen Grund, diese Wertschätzung abzulehnen. Der einzige Grund ist, dass wir uns selbst nicht so sehen. Dann antworten wir darauf mit Abwehrverhalten und sagen Dinge wie: „Das stimmt doch gar nicht“ oder „Übertreib doch nicht so!“ oder „Was willst Du von mir?“ etc.

Die Grundfrage ist also, ob wir unsere Ansicht bestätigt haben wollen und aus diesem Grund andere Meinungen ablehnen oder ob wir offen für alle möglichen Sichtweisen sind. Natürlich heißt das nicht, dass wir zum Spielball anderer Meinungen werden sollten. Ganz im Gegenteil, wenn jemand unseren Eigenraum nicht akzeptiert, übergriffig oder abwertend handelt, dann sollten wir durchaus mit einem resoluten „Nein“ oder „so nicht“ oder „nicht mit mir“ darauf antworten.

Einstellung beeinflusst Wirklichkeit

Kann unsere Einstellung tatsächlich dazu beitragen, dass Wünsche wahr werden?

Wenn wir das Gesetz der Ähnlichkeit anerkennen, so bedeutet es, dass die Menschen und Ereignisse rund um uns durchaus zu einem gewissen Teil unsere Erwartungen erfüllen. „Wie man in den Wald schreit, so schallt es zurück“ lautet ein altes Sprichwort. Sind wir fröhlich, werden die Menschen eher positiv auf uns zugehen. Sind wir schlecht gelaunt, so fallen uns sofort alle Dinge und Menschen auf, die uns nicht gefallen. Insofern trägt unsere innere Einstellung und Befindlichkeit zunächst dazu bei, was wir wahrnehmen und sodann bestimmen sie, wie wir das Wahrgenommene interpretieren, also was wir davon halten und wie wir darauf reagieren.

Mit guter Stimmung und Zuversicht, begegnen wir der Welt und anderen Menschen völlig anders – darauf reagiert die Welt wiederum. Reagiert sie positiv, schön. Reagiert sie negativ, nehmen wir das dann weniger leicht persönlich und denken weniger lang darüber nach und handeln weniger oft so, dass weitere negative Stimmung verbreitet wird. Meiner Ansicht nach geht es aber nicht darum, „positiv zu denken“, sondern vielmehr darum, eine offene Einstellung sich selbst, anderen und der Welt gegenüber zu entwickeln. Aus der Offenheit heraus fällt es am leichtesten, die richtige Reaktion zu wählen und sich über positive Ereignisse zu freuen, sodass noch mehr Angenehmes und Erfreuliches entsteht – und mit negativen Ereignissen schnellst- und bestmöglich umzugehen.

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Nana Walzer
Nana Walzer: „Die Kunst der Begegnung“

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