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Tropicalia/Anna Maria Maiolino (Bild: Anna Maria Maiolino)
Kunsthalle
Ausstellung: Die Sixties in Brasilien
Aus kritischen Sängern, Schriftstellern und Künstlern hat sich im Brasilien der 60er Jahre eine Bewegung gegen die Militärdiktatur zusammengesetzt. Die Kunsthalle Wien widmet der "Tropicalia"-Bewegung bis Mai eine Ausstellung.
"Eine der wichtigsten Kunstströmungen Lateinamerikas". Sonne, Strand und Copacabana?
Sand, Palmen und Papageien, Karneval und Lebenslust werden mit Brasilien und seinen Bewohnern gerne assoziiert. Die Kunsthalle widmet mit der Ausstellung "Tropicalia" aber jener kulturellen Aufbruchsbewegung eine Schau, die von einem Militärregime unterdrückt wurde.

Kritische Sänger, Schriftsteller und bildende Künstler äußerten sich gegen die Diktatur. "Hier geht es nicht um Sonne, Strand und Copacabana. Es handelt sich um eine der wichtigsten Kunstströmungen Lateinamerikas", betonte Kunsthallen-Chef Gerald Matt.
Künstler Hélio Oiticica (Bild: Projeto Hélio Oiticica, Rio de Janeiro)
Zensur im Militärregime
In den Ausstellungen der Kunsthalle dominieren nicht nur europäische und angelsächsische Themen. Die Schau der brasilianischen Kunstströmung geht weit darüber hinaus.

Caetano Veloso und der 1980 verstorbene Künstler Helio Oiticica zählen zu den Protagonisten dieser Bewegung und somit auch zu den "Hauptdarstellern" der Ausstellung "Tropicalia".

Der brasilianische Sänger, Komponist und Liedermacher Veloso ist heute 67 Jahre alt. In den brasilianischen Sixties wurden unter dem Militärregime viele seiner Werke und jene anderer engagierter Musiker zensuriert.
Mann und Frau am Strand auf einer Schwarz-Weiß-Aufnahme (Bild: Kunsthalle Wien/trigon-film)
Brasilien als Aufsteiger
Brasilien gilt laut Kurator Thomas Mießgang heute als ökonomischer Aufsteiger und politisch wichtiger Player. Seine Bedeutung werde weiter steigen. "Umso interessanter ist der Rückblick auf die 60er Jahre, als Brasilien unter der Kontrolle eines Militärregimes war", so Mießgang.

Dieses Regime hielt sich von 1964 bis in die 80er Jahre. Es ließ Vertreter der Kulturbewegung wie Veloso und Gilberto Gil verhaften und vertrieb sie ins Exil.
Seh- und Riechorgan werden mit vielfältigen Installationen angeregt. Duftmischung und "Flower-Power"
Die Künstler nahmen auch Teile der Kunst-, Musik- und Modeströmungen der "Ersten Welt" auf. In gewisser Hinsicht sind ihre Werke sogar mit der Hippie-Bewegung vergleichbar. An "Flower-Power" erinnern beispielsweise mehrere ausgestellte Plattencovers.

Aber nicht nur das Auge wird in der "Tropicalia"-Ausstellung verwöhnt, auch die Nase wird beschäftigt: Die 2004 verstorbene Künstlerin Lygia Pape setzte in ihrer Installation Porzellanschüsseln mit gefärbten und aromatisierten Flüssigkeiten in Szene.

Auch die Skulptur von Ernesto Neto, die mit Nelkenpulver gefüllt ist und von der Decke hängt, erfüllt den Raum mit einer verwirrenden Duftmischung.
Neto und andere Künstler führten die "Tropicalia"- Bewegung weiter. Konfetti krabbeln
Neto ist einer jener Künstler, die die "Tropicalia"-Bewegung bis in die Gegenwart weiterwirken lassen.

Zu ihnen gehört auch Rivane Neuenschwander, die in ihrer Videoinstallation Ameisen zeigt, die Überreste eines Karnevals beseitigen. Sie sehen dann aus wie Konfetti, die über den Waldboden wandern. In Ansätzen und auf Umwegen ist also das Karneval-Klischee von Brasilien doch noch Teil der Ausstellung.
Installation von Rivane Neuenschwander (Bild: Courtesy Galeria Fortes Vilaca)